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Mit CSR global punkten

23.09.2016

Nachhaltigkeit ist ein entscheidender Faktor geworden, wenn Unternehmen internationales Parkett betreten wollen. Wie man sich vorbereitet, worauf man achten muss.  

Der Schritt in neue Märkte ist immer eine riesen Herausforderung. Entsprechend gut wird in der Regel überprüft, ob man wirklich fit genug ist und ob man auch alle Anforderungen erfüllt. Eine dieser Anforderungen lautet heute Nachhaltigkeit. Dabei spielt unternehmerische Verantwortung nicht nur in Europa eine Rolle bei der Auswahl von Partnern und Lieferanten. Rund um den Globus können sich Türen öffnen oder schließen, je nachdem wie nachhaltig man agiert. 

Der Nachhaltigkeits-Experte und wissenschaftlicher Leiter des CSR Dialogforums, Prof. Rene Schmidpeter lässt keinen Zweifel offen: „Nach den turbulenten Entwicklungen der letzten Jahre können Unternehmen ohne passende Verantwortungsstrategie auf den internationalen Märkten definitiv nicht mehr erfolgreich sein.“ Sowohl die Veränderungen in der Wirtschaft, die Erwartungen der Kunden als auch in der Politik erfordern immer mehr progressives Handeln der Unternehmen. Laut Schmidpeter bedarf es eines schlüssigen auf die Zukunft ausgerichteten Geschäftsmodells, das positiven Mehrwert für alle Stakeholder generiert. Dabei gehen wirtschaftlicher Erfolg und Verantwortungsübernahme für den CSR-Experten Hand in Hand. „Studien belegen, dass Unternehmen, die in wesentlichen Feldern Verantwortlichkeit zeigen ihre Konkurrenten outperformen“, erklärt Schmidtpeter. Das würden natürlich auch Investoren bemerken und das Interesse an nachhaltig geführten Unternehmen steigt.  

CSR als globaler Erfolgsfaktor? 

Darüber, welche Bedeutung CSR auf dem internationalen Parkett hat, kann auch Claudia Korntner berichten. Sie ist bei der Voest­alpine für den Bereich Corporate Responsibility  verantwortlich. „Die letzten Jahre haben gezeigt, dass bei Ausschreibungen und anderen Auftragsvergaben zunehmend darauf geachtet wird, dass sich Lieferanten mit Aspekten der CSR aktiv auseinandersetzen und dies dokumentieren können“, sagt Korntner. Natürlich müsse die Qualität der Produkte überzeugen, aber die Werte eines Unternehmens sind aus ihrer Sicht ebenso wesentliche Einflussfaktoren geworden. Denn wer kauft nicht lieber Produkte von Unternehmen, bei denen man sich sicher sein kann, dass bei der Produktion alle Gesetze und Normen eingehalten werden und arbeitsrechtlich sowie umwelttechnisch einwandfrei gearbeitet wird? Ein schlüssiges Argument.

Und gleichzeitig eine Vorgehensweise, die auch dem Selbstschutz dient. Werden doch Verstöße und Fehltritte von Unternehmen durch die vernetzte Welt heute sofort publik. Nicht ohne Grund ist Risiko- und Qualitätsmanagement ein wichtiger Grundpfeiler nachhaltig agierender Unternehmen, wie Korntner betont.

Eines muss in diesem Zusammenhang klar sein: Das Thema Nachhaltiges Wirtschaften hat gerade erst so richtig begonnen. Lange wurde lediglich diskutiert, wie Unternehmen Schaden reduzieren können. „Heute geht es um eine positive Sicht auf Nachhaltiges Wirtschaften“, erklärt Schmidpeter. Unternehmen entwickeln zum Beispiel heute Maschinen, die selbst mehr Energie erzeugen, als sie brauchen und damit gleich unterversorgte Regionen zum Beispiel in Afrika mit Strom versorgen. Dieser positive, unternehmerische Ansatz von Nachhaltigkeit habe sich seiner Beobachtung nach gerade erst in den Köpfen der Menschen zu manifestieren begonnen. Damit sei nun auch der Weg für die volle Unterstützung von Nachhaltigkeit durch die breite Wirtschaft frei. 

Kein CSR – Kein Auftrag 

So viel Pionierarbeit in dem Thema bestimmt noch steckt, so konkret sind heute schon die Anforderungen an Unternehmen, wenn sie global tätig werden. Denn auf dem Gebiet der CSR gibt es immer mehr Vorschriften, die Unternehmen beachten müssen, sagt Kornter und nennt etwa den Dodd Frank Act, den Modern Slavery  Act und auch die EU Richtlinie zur Berichterstattung  Nichtfinanzieller Indikatoren. Zudem gebe es eine Vielzahl an Zertifikaten in den unterschiedlichsten Bereichen,  die mittlerweile von vielen Geschäftspartnern vorausgesetzt werden.

Aufträge – vor allem im Infrastrukturbereich oder auch in der Automobilindustrie – werden nur noch dann vergeben, wenn man sich mit CSR auseinander setzt. Doch damit nicht genug. „Von Unternehmen wird verlangt, interne Regelungen und Maßnahmen zu treffen, die über das gesetzliche Maß hinausgehen – und diese auch nach außen hin zu dokumentieren. Dazu gehört beispielsweise auch, Initiativen zu unterstützen, wie etwa den UN Global Compact. Ein CSR- Bericht ist keine Sensation mehr, es wird erwartet, dass regelmäßig publiziert wird“, erklärt die CSR Beauftragte. Wer sich nicht engagiert, gerät rasch in die Kritik.

Und wer das alles intern ableistet, hat immer noch nicht seine Schuldigkeit getan. Denn die Arbeit endet längst nicht mehr an der eigenen Haustür. Ein großer Schwerpunkt für international agierende Unternehmen ist auch die Durchleuchtung der eigenen Lieferkette. Es gilt hier kritische Themen zu identifizieren und entsprechende Maßnahmen zu setzen. Selbst auf korrekte Arbeitsbedingungen zu achten und vielleicht Subunternehmer zu beschäftigen, die es damit nicht so genau nehmen, wäre völlig inakzeptabel. 

Darauf angesprochen, ob es Regionen oder Länder gibt, wo CSR wichtiger genommen wird als in anderen, meint Korntner: „CSR ist heute weltweit ein wichtiges Thema. Die Schwerpunkte sind aber sicher, je nach der vorherrschenden Situation, andere.“ 

Ein besonders Gewicht legt Schmidpeter im globalen Vergleich auf die Schwellenländern Asiens, auf China und Indien, wo CSR sehr intensiv diskutiert wird. Er vermutet, dass gerade von diesen Regionen neue Impulse in Richtung Nachhaltigkeit kommen werden. „Das Schicksal unserer Zukunft entscheidet sich in den Megamärkten Asiens. Europäische Unternehmen können dort nur bestehen, wenn sie unsere  Tradition der sozialen Marktwirtschaft in einer dynamischen Weltwirtschaft weiterentwickeln und so als Wettbewerbsvorteil nutzen oder sogar zum Alleinstellungsmerkmal ausbauen“, so Schmidpeter.

Egal, wo man tätig werden will: Korntner rät allen Unternehmen sich dringend mit CSR vertraut zu machen. „Es wird hier kein Zurück mehr geben, eher werden mehr Regelungen und internationale Standards eingeführt werden, die dann auf alle Unternehmen Auswirkungen im positiven Sinne haben.“ Je früher Geschäftstreibende also erkennen, das CSR keine lästige Übung, sondern Teil einer modernen Betriebsführung ist, umso besser sind sie auch für die Expansion vorbereitet.

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