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Mikrofinanz-Fonds helfen Armen und Reichen: Gutes Geld

11.07.2006

Mikrofinanz-Institute geben Personen Zugang zum Kapitalmarkt, die bei keiner Bank einen Fuß in die Tür kriegen, weil sie mangels materieller Sicherheiten nicht kreditwürdig sind. Genau diese Armen bekommen Kleinstkredite für Investitionen, um sich damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Nach den Entwicklungsbanken kommen jetzt private und institutionelle Anleger auf den Geschmack der Selbsthilfe-Spirale. Von Maike Seidenberger
m.seidenberger@wirtschaftsverlag.at

Fotos Adam Rogers/UNCDF, VPM AG

Eine Milliarde Euro bis 2010 - so viel will Manfred Kastner, Gründer und Aufsichtsratschef des Wiener Vermögensverwalters Vienna Portfolio Management (VPM), von institutionellen Investoren im ersten österreichischen Mikrofinanz-Fonds einsammeln. Das Geld, das darin arbeitet, soll gutes sein: Finanziert werden hier auf Kreditbasis Mini-Geschäftsideen von Menschen in Entwicklungsländern und in Osteuropa, in die nicht erst seit Basel II keine Bank einen Cent stecken würde.
In Staaten mit einem hohen Anteil armer Bevölkerung (Menschen, die mit weniger als 2 bis 4 Euro pro Tag auskommen müssen) - aber keineswegs nur dort - fehlt vielen Personen die wichtigste Voraussetzung, um Kapital für eine Geschäftsidee aufzustellen: Kreditwürdigkeit. Mangels materiellen Besitzes können die Menschen für einen Bankkredit keine herkömmlichen Sicherheiten bieten und sind zur Geldbeschaffung selbst für kleinste Investitionen Kredithaien ausgeliefert. So genannte Mikrokredite ermöglichen es ihnen, Geschäftsinvestitionen zu realisieren, ohne bei Zinssätzen von bis zu 20 Prozent pro Tag in lebenslanger Schuldknechtschaft zu enden. Der Mangel an materiellen Sicherheiten wird oft durch eine Art Kollektivhaftung - etwa einer ganzen Dorfgemeinschaft - ausgeglichen: Die Gruppe sorgt dafür, dass der Kreditnehmer zahlt - ansonsten würde keiner mehr einen Kredit bekommen.
Gut zehntausend spezialisierte Mikrofinanz-Institute gibt es mittlerweile weltweit, meist unterstützt von Entwicklungsbanken und NGOs, oft aber rein kommerzielle Unternehmen. Von Nicaragua über Uganda bis Laos versorgen sie vor allem Kleinunternehmerinnen mit Startkapital. Es fließt in die Anschaffung von Nähmaschinen, Töpferscheiben, landwirtschaftlichen Geräten - in alles, womit sich Geld verdienen lässt. Das Geschäft ist ein kleinstteiliges: "In Indien sind die Zielgruppe 600.000 Dörfer", beschreibt Manfred Kastner sein weites Investmentfeld für den Fonds. "Da ist die Due Dilligence natürlich aufwändiger, weil man hinfahren muss, das Institut anschauen, wie es organisiert ist, welche technische Ausstattung da ist." Das hat VPM outgesourct - an das einschlägig spezialisierte schweizerische Beratungsunternehmen symbios.

Keine Sorge wegen der Location
Das kleine Geld für große Business-Träume wird weitgehend abgekoppelt von der Politik verteilt. "In Ecuador hat noch kein Präsident eine komplette Amtszeit durchgestanden, aber die Mikrofinanz floriert dort", so Kastner. Weil die kleinen Leute nicht verschwinden, auch wenn es politisch und am Finanzplatz kriselt. In Indonesien etwa ging die Kapitalmarktkrise, die börsennotierte Unternehmen vom Kurszettel und dann aus dem Geschäft fegte, nahezu spurlos am mikro-finanzierten Kleinunternehmertum vorüber. Einzige Einschränkung: "Bürgerkrieg darf nicht herrschen - dann ist es zu unsicher, das Geld zu transportieren." Das ist überhaupt so eine Sache - die, die das Mikrofinanz-Business so personalintensiv macht: Der Betreuer muss doch meist mangels Filiale zum Kunden, ins noch so abgelegene Dorf, um Geld auszuzahlen und Raten einzusammeln. Von westlichen Voraussetzungen darf man da nicht ausgehen: "In Afrika sind oft Tankstellen die Verteilzentren, weil es die einzigen abgesicherten Gebäude sind." Doch viele Mikrofinanz-Institute, von denen einige (wie das Pionierunternehmen, die Grameen Bank in Bangladesh) sich mittlerweile zu veritablen Konzernen ausgewachsen haben, sind vom Barfuß-Bankertum weit entfernt: "Da gehen die Betreuer auch mit dem PDA zum Kunden und geben die Kreditbeträge ein." Manche Kreditnehmer kommen auch nicht ungern zu einer Niederlassung ihres Mikrofinanzdienstleisters: "Da bekommen sie eine Cashkarte, mit der sie Geld abheben können." Für sie immer eine neue Erfahrung: "Dort sind sie Kunden, stehen den Beratern auf Augenhöhe gegenüber."

Rendite wie Sparbuch
Dass mit Mikrofinanz-Investments "nur" gutgemenschelt wird, weisen Kastner und Edda Schröder, die die gerade in Gründung befindliche Vertriebsgesellschaft leitet, von sich. Immerhin geht es um Vermögensanlage. "Von der Rentabilität her bewegen wir uns in einem guten Umfeld, vergleichbar mit High Yield-Produkten - auch beim Risikoprofil", meint Schröder. Übersetzt in Rendite laut Prospekt: 4 Prozent pro Jahr, 3 Prozent Verwaltungskosten. "Ich verkauf's nicht als Renditeprodukt", meint Manfred Kastner einschränkend dazu, "sondern als Parkplatz für Geld, nach dem Motto: No man is an island." Einen auch für Analysten tauglichen Vorteil nennt Schröder: "Es gibt keine Korrelation mit anderen Anlageklassen."

Der Fonds
Organisiert ist das erste Mikrofinanz-Produkt der VPM als offener Fonds mit Sitz in Luxemburg, die Anteile (Mindestzeichnung 50.000 Euro) gehen per Private Placement an institutionelle Anleger, die monatlich aussteigen können. 90 Prozent der Assets werden Mikrofinanzierungen sein. Der Fonds läuft seit Anfang April - binnen 18 Monaten will man 100 Millionen Euro eingesammelt haben. "Wir haben selbst auch eine Million eigenes Geld hineingesteckt."
Im Herbst will Manfred Kastner dann auch Privatanlegern einen eigenen Fonds zur Zeichnung anbieten - der Mikrofinanzanteil soll hier bei 30 Prozent liegen, 70 Prozent werden in Anleihen investiert.
(6/06)

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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