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Mehr als Ausschlusskriterien

29.03.2018

Nachhaltig zu investieren, schafft positive Resultate – für Umwelt und Rendite. Im Interview erklärt Prinz Max von und zu Liechtenstein, CEO der LGT Gruppe, warum er sich für die Umwelt engagiert, wieso nachhaltige Investments gut performen und wie die Anlagestrategie des Fürstenhauses funktioniert.

Prinz Max von und zu Liechtenstein, CEO der LGT Gruppe

Von einer Bank verlangen Kunden immer das Gleiche: Renditen und Sicherheit. Wie gut lassen sich diese Forderungen mit einer nachhaltigen Unternehmens- und Anlagestrategie in Einklang bringen?
Der Einbezug von Nachhaltigkeitskriterien bei Anlageentscheidungen und in der Unternehmensführung führt sogar zu besseren langfristigen Resultaten. Bei der LGT integrieren wir soziale und ökologische Zielsetzungen sowohl in unsere strategischen Pläne und operativen Aktivitäten als auch in unsere Investmententscheidungen. Wir haben mit diesem ganzheitlichen Ansatz ausgezeichnete Erfahrungen gemacht, auch bezüglich Rendite und Sicherheit.

Mit welchen Resultaten?
Wir konnten die von uns betreuten Kundengelder in den letzten sechs Jahren mehr als verdoppeln – sie liegen heute bei über CHF 200 Milliarden. Moody's und S&P bewerten unser Risiko und geben uns jeweils Top Ratings.

Viele Institute arbeiten bereits mit Ausschlusskriterien, in denen sie festlegen, worin nicht investiert wird. Investiert Ihre Bank darüber hinaus auch ganz gezielt in nachhaltige Projekte?
Nur mit Ausschlusskriterien zu arbeiten, wird nicht ausreichen, um Mehrwert zu kreieren, da die Realität nicht schwarz und weiss ist. Insofern sind die spannenderen Investments in der Tat diejenigen, die man mit einem sehr viel differenzierteren Ansatz eingeht. Die Resultate sehen wirklich gut aus.

Dann wäre es vermutlich nur logisch, den Anteil von nachhaltigen Investments oder gar Impact Investing weiter zu steigern. Ist das geplant?
Ja, darüber hinaus geht der Trend auch aufgrund von regulatorischen und gesetzlichen Initiativen ganz klar in Richtung nachhaltige Investments. Über das Paris Agreement und die UN-Nachhaltigkeitsziele hat sich fast die ganze Welt dazu verpflichtet, Initiativen zu definieren, welche die Ziele der Abkommen unterstützen. Dazu gehört auch eine nachhaltigere Ausrichtung unserer Wirtschaft. Das ist nicht nur ökonomisch sinnvoll, sondern auch vor dem Hintergrund der großen sozialen und ökologischen Herausforderungen sehr zu begrüßen.

Das Zinsniveau ist ja nach wie vor niedrig. Ein guter Zeitpunkt, um Anlegern alternativ zu hohen Renditen zumindest eine soziale Rendite anbieten zu können?
Im heutigen Umfeld lassen sich gute finanzielle Renditen leichter erzielen, wenn man gleichzeitig auch soziale und ökologische Renditen anstrebt. Diese Einschätzung hängt aber weniger mit dem Zinsniveau zusammen, sondern mehr mit den großen ökologischen, technologischen, politischen und ökonomischen Herausforderungen und Trends.

Die LGT Bank verwaltet im Private Banking große Vermögen von Privatpersonen. Bemerken Sie von dieser Klientel eine wachsende Nachfrage nach „grünen“ Investments?
Im Vergleich zu institutionellen Anlegern, die nachhaltige Finanzprodukte mittlerweile systematisch berücksichtigen, sind die Privatanleger, die explizit nachhaltig investieren, noch eine Minderheit. Auch weil es für Anleger oft schwer zu beurteilen ist, wie nachhaltig ihre Anlagen überhaupt sind. Daher haben wir im vergangenen Jahr das LGT Sustainability Rating eingeführt, das unseren Kunden hilft, die Nachhaltigkeit ihrer Investments und ihres Portfolios zu beurteilen. Ähnlich wie bei Risiko-Einschätzungen von Moody's und S&P kann man Methodologie und Bewertung der Nachhaltigkeit von Anlagen natürlich immer diskutieren. Die Qualität der Daten über die ökologische und soziale Wirkung von Branchen und Unternehmen hat sich in den letzten Jahren stark verbessert und wird sich mit verstärkter Regulierung und steigender Nachfrage weiter verbessern.

Ihr Institut veranlagt nicht nur fremdes Kapital, sondern auch einen Großteil des Vermögens des Fürstenhauses von Liechtenstein. Welche Anlagestrategie verfolgen Sie in diesem Zusammenhang?
Der Investmentansatz für das sogenannte Fürstliche Portfolio ist langfristig ausgerichtet und basiert auf einem sehr disziplinierten Prozess und einer sehr durchdachten Streuung der Anlagen beziehungsweise Risiken. Um eine optimale Diversifikation zu erreichen, ist ein substanzieller Teil des Vermögens in alternativen Anlagen wie Private Equity, Insurance Linked Securities und verschiedenen Hedge-Fonds investiert. Die Umsetzung der Strategie erfolgt sowohl durch interne Teams als auch durch sorgsam ausgewählte externe Spezialisten. Auch unsere Kunden und Mitarbeitenden haben die Möglichkeit, in diese Strategie zu investieren.

„Im heutigen Umfeld lassen sich gute finanzielle Renditen leichter erzielen, wenn man gleichzeitig auch soziale und ökologische Renditen anstrebt.“

Wie verändert es den Blick auf das Thema Nachhaltigkeit, wenn man aus einer Familie kommt, deren Stammbaum 900 Jahre zurückreicht?
Unsere Geschichte stiftet einerseits Identität, andererseits weckt sie das Bedürfnis, zur Familienhistorie in einer positiven Weise beizutragen.

Wie sieht denn Ihr persönlicher Bezug zu Nachhaltigkeit und Umwelt aus?
Ich liebe schöne Landschaften und verbringe einen großen Teil meiner Freizeit in der Natur. In Liechtenstein hatte ich das Privileg, in einer Gesellschaft aufzuwachsen, die ich sehr positiv wahrgenommen habe – offen, integrativ und mit gutem Zusammenhalt. Sowohl als Einzelperson als auch als Unternehmer engagiere ich mich mit Freude für eine gesunde Umwelt und Gesellschaft.

Sie haben in London, New York, Boston und Hamburg Ausbildungen genossen und gearbeitet. Wohin auf der Welt muss man heute den Blick richten, wenn man sich als Unternehmen zum Thema Nachhaltigkeit inspirieren lassen will?
Ich denke, Europa hat momentan die Nase vorn, und innerhalb Europas sind die Skandinavier wahrscheinlich am weitesten fortgeschritten. Aber auch China und Singapur holen auf. In den USA ist Kalifornien am innovativsten. In Frankreich wurde mittlerweile gesetzlich festgeschrieben, dass institutionelle Investoren die CO₂-Emission ihrer Investitionen ausweisen müssen, und die Europäische Union hat gerade ihren Aktionsplan für Sustainable Finance vorgestellt. Sowohl auf Unternehmensebene als auch im regulatorischen Bereich sind die Entwicklungen dynamisch und spannend. Als Investor und Manager ist es wichtig, dass man diese Entwicklungen und Trends nicht verschläft.

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
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