Direkt zum Inhalt

Mega-Metropole Dubai

06.10.2010

Mit Dubai werden schicke Einkaufscenter, traumhafte Strände und gigantische Bauvorhaben assoziiert. Doch wohin entwickelt sich der Hotspot nach der Krise und wie können heimische KMU profitieren?

„Dubai ist billiger geworden. Damit ist auch die Nachfrage stark gestiegen.“ Martin Gross, Direktor von Emirates in Österreich.

Text Stephan Strzyzowski

Auch wenn Dubai bis vor wenigen Jahrzehnten mit einer westlichen Metropole noch recht wenig gemein hatte – die City am persischen Golf steht heute für den Inbegriff von ungebremstem Wirtschaftswachstum, visionäre Projekte und den Willen, einen wirtschaftlich relevanten Marktplatz zu schaffen, wo vorher nur jede Menge Sand war. Verantwortlich für diesen Wandel war vor allem die Herrscherfamilie von Dubai, die eines ganz klar erkannte: Das Öl und damit die Basis ihres Reichtums wird irgendwann aufgebraucht sein! Als Alternativen wurden Tourismus, Handel und die Finanzwirtschaft gesehen. Einer der Gründe wieso das Konzept aufging, waren neben dem Einsatz gigantischer Mittel auch die günstige geografische Lage entlang des See- und Luftweges von Asien nach Europa, die modernen Hafenanlagen und der Internationale Flughafen sowie die Freihandelszonen.

Zukunft nach dem Öl sichern
„Aufgrund all dieser Faktoren mauserte sich Dubai seit den 70er Jahren für die Region der Golfstaaten sowie für Südasien zum Transport- und Logistikhub“, erklärt Wolfgang Penzias, Handelsdelegierter in Dubai. Aufbauend auf den Erdöl- und gasreserven der Golfstaaten gepaart mit Steuerfreiheit und einer liberalen Wirtschaftspolitik entstand also in knapp 38 Jahren ein Stadtstaat, der am ehesten mit Singapur oder Hongkong verglichen werden kann.

„Dazu kam ab 2002 der Aufbau des Finanzplatzes Dubai, der zur wichtigs-ten Drehscheibe in der MENA-Region, den Golfstaaten plus arabischen Ländern Nordafrikas wurde“, weiß Penzias. Die Anziehungskraft der arabischen Metropole für Unternehmer aus aller Herren Länder kommt nicht von ungefähr. Hält doch Dubai einen besonderen Leckerbissen bereit: Die VAE kennen keine Steuern - weder auf Gewinn noch auf Gehälter. Es wird keine Mehrwertsteuer eingehoben, Dubai hat keine Sozialabgaben, kein Mindestkapital für ausländische Firmen und wendet nur einen in den Golfstaaten uniformen Zoll von 5% an. Ein wahres Eldorado, wenn man heimische Steuersätze denkt. Zudem bietet das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Österreich und den VAE diverse Vorteile für österreichische Firmengründungen.

Auf Branchen heruntergebrochen sieht  der Handelsdelegierte gleich in mehreren Bereichen besondere Potenziale für heimische Unternehmer. Die Erzeugung und Lieferung von Konsumgütern, Baumaterialien, Pharmaka, Chemie, Papierindustrie, Metallverarbeitung, Anlagen für die Öl- und Gasindustrie sowie Lieferungen für den Infrastrukturaufbau erweisen sich als aussichtsreich. Zunehmend interessant ist aber auch der Ausbau des Eisenbahnwesens in den gesamten Golfstaaten. Auch hier macht Dubai den Vorreiter und baut seit 2009 ein Metronetzwerk auf. Damit es mit dem Schritt nach Dubai klappt, sollten sich Unternehmer aber vorab gut informieren und am besten regionale Vertriebszentren aufbauen. Unterstützung dabei können sie bei der AWO bekommen.

Mit einem regionalen Hauptbüro in
Abu Dhabi werden die VAE, Katar, Oman, Bahrain, Kuwait und Pakistan betreut. Zum AWO-Netzwerk zählen aber noch das
Marketingbüro Dubai, Doha, Kuwait und Karachi zur besseren Anbindung dieser Märkte. Martin Gross ist Direktor der Fluglinie Emirates in Österreich. Auch er kennt die Vorteile der arabischen Metropole und kann Dubai vor allem in puncto Verkehrsgünstigkeit ein tolles Zeugnis ausstellen: „Man kann von Dubai aus zu jeder relevanten Destination der Welt nonstop fliegen. Mit einem Zwischenstopp kommt man von dort aus zu jedem Ort der Welt. Für weltweit agierende Unternehmen ist das ein großes Plus. Zudem sind Genehmigungsverfahren sehr unkompliziert.“Dubais Rolle als Verkehrsknotenpunkt ist also ganz zentral für die Wachstumsstrategie. „Dubai ist der einzige große Flughafen der Welt, der über ein zweistelliges Wachstum verfügt. Der neue Flughafen, der sich gerade in Bau befindet, wird eine Kapazität von 120-160 Millionen Fluggästen jährlich aufweisen und der größte Flughafen der Welt sein. Die Fertigstellung ist 2020 geplant.“ Mitarbeiter und vor allem Waren können also mit Sicherheit reibungslos jede Destination errei-chen.

Doch abgesehen davon; was macht die Emirate für Unternehmer zum Hotspot? Vor allem die ausgesprochen liberale Wirtschaftshaltung. Es gibt zwar einige Einschränkungen bei der Eigentümerschaft für Ausländer rund um Immobilien und Anteile an lokalen Firmen. Doch diese sind in Dubai so umgangen worden, dass das Emirat Freizonen anbietet, in denen Ausländer 100% eigene Tochtergesellschaften mit allen Steuervorteilen errichten können. Für Immobilien wurde ebenfalls ein Sonderstatut geschaffen, das Ausländern den Erwerb bis zu 99 Jahre im Eigentum in speziellen Lokationen wie der Palm Jumeirah ermöglicht. Damit wurde der Bauboom in Dubai angefacht, der erst 2009 zum Stillstand kam.

Flaute am Bau
Hat doch die Krise auch vor Dubai nicht Halt gemacht. Infolge des Platzens der Bau-Blase sank die Wirtschafts-leistung der VAE 2009 um ein Prozent. Für 2010 wird ein – verglichen mit den Nachbarstaaten – schwaches Wachstum vom 3% prognostiziert. Denn trotz des Anziehens der Ölpreise drückt die Schuldenlast von Dubai die gesamte
Wirtschaftsleistung. Die Schulden werden zwar ordnungsgemäß bedient, „allerdings ist die Intransparenz groß und damit das Vertrauen in die Finanzkraft Dubais noch nicht wiederhergestellt“, weiß Penzias. Jetzt stehen in Dubai auf vielen Baustellen die Kräne still, ragen halbfertige Wolkenkratzer in den Himmel. „Man hat deutlich zu viel gebaut“, meint der Handelsdelegierte. 30 % aller Neubauten werden entweder nicht mehr weitergebaut oder stark verzögert. Der Rest soll in den nächsten Jahren auf den Markt gebracht werden, was zusätzlich 40.000 Wohneinheiten bedeutet.

Ob der Markt diesen weiteren massiven Angebotsschub ohne größere Preiseinbußen verkraftet, wird von Experten angezweifelt. Allerdings hat Dubai dank der sinkenden Mietpreise auch wieder deutlich an Attraktivität gewonnen. Das hat auch Gross beobachtet: „Dubai ist billiger geworden. Damit ist auch die Nachfrage stark gestiegen. Für Österreich heißt das: plus 30 Prozent an Passagieren. Der Businessanteil ist zwar ein wenig zurückgegangen, aber der Tourismus hat das mehr als aufgefangen.“Die Erfolgsfaktoren Dubais sind jedenfalls nach wie vor intakt: Trade, Transporte, Tourism. Dazu kommt, dass der Finanzplatz dank der bevorstehenden Einführung der Bankenabgaben in den USA und Europa wieder Auftrieb erhält. Denn langfristig betrachtet werden die Golfstaaten dank ihrer Erdölvorräten und Diversifizierung der Downstream-Industrien ihre Kapitalgeber-Rolle verstärken und damit mittelfris-tig zu einem der gesuchtesten Investoren weltweit aufsteigen.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
Werbung

Weiterführende Themen

"Krisen sind ohnehin Beschleuniger von bereits vorhandenen Trends und die Digitalisierung ist mit Sicherheit so ein Trend", sagt Digitalisierungsexperte Markus Heingärtner.
Aktuelles
06.05.2020

Österreichische KMU haben noch viel Aufholbedarf, wenn es darum geht, neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln, sagt Markus Heingärtner. Die aktuelle Corona-Krise biete hier zwar Potenzial, ...

Meldungen
22.04.2020

Für den Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Christoph Neumayer, steht fest: Der Standort Österreich muss sich jetzt für Zeit nach Corona stark aufstellen ...

Das Digital Team Österreich stellt KMU Software für Home-Office zur Verfügung.
Aktuelles
17.04.2020

Unter dem Motto "Wirtschaft hilft Wirtschaft" werden kostenlose digitale Werkzeuge für KMU zu Verfügung gestellt. Das Digital Team Österreich zählt bereits 100 Mitglieder.

Neben der besseren Abseitzbarkeit von Arbeitszimmern, sollen auch Betriebsübergaben vereinfacht werden.
Aktuelles
04.03.2020

Die Bundesregierung hat sich im Regierungsprogramm dazu bekannt, die Rahmenbedingungen für KMU und Ein-Personen-Unternehmen (EPU) zu verbessern.

In den kommenden vier Jahren werden 20 Millionen Euro in das Förderprogramm "KMU Digital" investiert.
Aktuelles
25.02.2020

Das erfolgreiche Programm "KMU DIGITAL“ wird weiter ausgebaut. Das haben Bundesministerin Margarete Schramböck und WKÖ-Präsident Harald Mahrer bei einer Pressekonferenz bekannt gegeben. In den ...

Werbung