Managertalk Wolfgang Horak | Die Wirtschaft Direkt zum Inhalt

Managertalk Wolfgang Horak

31.05.2006

Wolfgang Horak, Geschäftsführer Fujitsu Siemens Computers GmbH, glaubt an die Kreativität der Mitarbeiter und denkt, dass erfolgreiche Manager vor allem authentisch sein sollten. Von Harald Hornacek
h.hornacek@wirtschaftsverlag.at

Foto beigestellt

die wirtschaft: Sie bezeichnen sich als Anhänger von Kontinuität. Wie geht das zusammen mit der schnelllebigen Branche, in der Sie tätig sind?

Wolfgang Horak: Kontinuität verstehe ich in dem Sinn, dass wir verlässlich und berechenbar für die Kunden sind und uns konsequent um den Markt bemühen. Wir müssen uns ständig fragen: Wohin entwickelt sich der Markt? Da geht es um Portfolioanalyse, Ausrichtung des Unternehmens, mittel- und langfristige Strategie - eben: Chancen wahrnehmen, aber gegebenenfalls auch Korrekturen rasch durchführen.

die wirtschaft: Sie sind begeisterter Hobbyläufer. Was haben Sport und Management miteinander zu tun?

Horak: Früher lief ich Marathon, heute Halbmarathon. Was gemeinsam ist: Manchmal freut es einen nicht. Aber: Bei beidem musst du manchmal den inneren Schweinehund überwinden. Eine interessante Erfahrung habe ich gemacht: Ehemalige Spitzensportler sind auch in der Wirtschaft gut.

die wirtschaft: Was ist Ihre Marathonspitzenzeit?

Horak: Die Zeit war mal unter drei Stunden, heute laufe ich aber nicht mehr nach Zeit, sondern nach Puls. Da halte ich 165 konstant, und auf den letzten zwei Kilometern gebe ich, je nach Tagesverfassung, auch noch ordentlich Gas.

die wirtschaft: Was macht gutes Management aus?

Horak: Authentisch sein. Sich verstellen funktioniert nicht. Ich habe mir immer spannende Aufgaben gesucht bzw. angenommen, und aus dem Bauch heraus das Beste daraus gemacht. Manchmal muss man auch ein wenig inkompatibel, sozusagen ein Outlaw, sein. In jedem Fall müssen Manager sehr ausdauernd sein und das Geschäft spüren - oft bis ins Detail.

die wirtschaft: Sind Sie gar penibel?

Horak: Nein, denke ich nicht. Aber aus dem Detail kann man auf das Ganze schließen, und Details haben Auswirkungen auf die Qualität. Aber vielleicht mach ich mir manchmal zu intensive Gedanken (lacht). Mein Gattin hat unlängst scherzhaft gemeint, ich hätte bisweilen ein Verhalten wie der Monk (Fernsehserie, Anm.).

die wirtschaft: Müssen Manager immer und überall erreichbar sein?

Horak: Also, ich kann und will auch faul sein. Jeder kann sein Leben selbst entscheiden und einteilen. Allerdings möchte ich sichergestellt wissen, dass alle Prozesse weiterlaufen, wenn ich nicht im Haus bin. Aber ich gebe Ihnen ein kleines Geheimnis preis: In zwei Jahren möchte ich vier Wochen durch die USA reisen, und dann werde ich nicht erreichbar sein.

die wirtschaft: Wie haben Sie sich bei Ihren Mitarbeitern eingeführt, als Sie den Job bei Fujitsu Siemens übernahmen?

Horak: Ich habe jeden Mitarbeiter ermuntert, seine persönlichen Änderungswünsche darzustellen. Wir arbeiten derzeit alle Stellungnahmen unserer 480 Mitarbeiter durch.

die wirtschaft: Und wie kam das an?

Horak: Es gibt eine gewisse Drittel-Teilung: Ein Drittel ist begeistert, ein zweites wartet ab, ein Drittel lehnt so etwas ab. Wenn man sich an das begeisterte Drittel hält, erreicht man, dass die skeptischen nachziehen. Die ablehnenden Mitarbeiter werden damit allerdings noch mehr Abstand zu den anderen entwickeln. Diese Mitarbeiter zu motivieren, ist dann sehr schwierig - manchmal muss dann auch Konsequenzen ziehen.

die wirtschaft: Worüber können Sie sich ärgern?

Horak: Wenn wir aus eigener Schwäche heraus unsere Chancen nicht nützen, dort stolpern, wo es nicht notwendig ist. Was ich schätze, ist die Entwicklung von Ideen. Wer eine Idee hat, soll sie rasch einem zweiten mitteilen - daraus ergibt sich, ob es eine gute, überlegenswerte Idee ist oder nicht. Mitarbeiter haben die Verantwortung, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen. Was ich nicht leiden kann, sind mangelnde Toleranz und Unehrlichkeit.

die wirtschaft: Wie gut sind Österreicher wirklich?

Horak: Wir haben eine hohe Produktivität, sind sehr kreativ und arbeiten gut zusammen. Wir sind innovativ. Und wir sollten endlich mehr als bisher an diese Eigenschaften glauben. Ich war unlängst in Japan. Wenn man da um 7.15 Uhr mit der U-Bahn fährt, ist man allein. Die Japaner fangen um 9.00 Uhr zu arbeiten an - fahren Sie mal um 6.30 in der Wiener U-Bahn, da ist das Leben schon im Laufen.
(6/06)

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
Werbung

Weiterführende Themen

Stories
16.06.2017

Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft vergab den 22. Staatspreis Unternehmensqualität in Zusammenarbeit mit der Quality Austria.

 

Interviews
16.06.2017

Sepp Eisenriegler setzt mit seinem Reparatur- und Service-Zentrum R.U.S.Z auf Social-Franchising, Das Ziel: Ein tragfähiges ReUse-Franchise-Konzept  entwerfen und mit einer ersten Filiale in Graz ...

Meinungen
16.06.2017

Selbstmanagement ist eine herausfordernde Lebenskunst. Vor allem in einem disruptiven 4.0-Umfeld. Es ist auch eine Kunst der Selbstführung zwischen Können und Wollen. Deren Erfolg manifestiert ...

Nachhaltigkeit
14.06.2017

Fleisch, Fisch oder Gemüse – jeder von uns sollte sich Gedanken machen, was er zu sich nimmt und woher diese Produkte kommen.

Monika Pöllabauer
Branchen
13.06.2017

Die "WorldSkills Hong Kong Competition 2017" ist die Vorbereitung auf die Berufsweltmeisterschaften im Oktober in Abu Dhabi. Zwei Fachkr#fte aus dem Bereich  Tourismus, im Service Monika ...

Werbung