Managertalk: Wilfried Pruschak, Geschäftsführer Raiffeisen Informatik GmbH | Die Wirtschaft Direkt zum Inhalt

Managertalk: Wilfried Pruschak, Geschäftsführer Raiffeisen Informatik GmbH

11.07.2006

Interview Harald Hornacek h.hornacek@wirtschaftsverlag.at
Foto beigestellt

Haben Sie jemals überlegt, den Lehrberuf oder einen Universitätskarriere einzuschlagen?

Wilfried Pruschak: Ich habe von 1980 bis 1984 Informatik studiert. Das Studium war damals technisch hinten nach, bot aber eine gute Mischung mit Allgemeinthemen. Ich habe mir dann eine Lehrlaufbahn wirklich kurz überlegt, war aber damals schon unternehmerisch sehr interessiert. Es hat mich immer fasziniert, die Früchte der eigenen Arbeit zu erkennen.

Bringt das Raiffeisen-Giebelkreuz im Firmenlogo eigentlich Vorteile? Oder vielleicht den Nachteil, einer Gruppe zugeordnet zu werden?

Wir erleben, dass wir immer mehr im Top-IT-Umfeld gesehen werden. Dieser Schritt in die Internationalisierung ist wichtig, und da ist Raiffeisen als Teil der Marke sicher hilfreich. Wir sind aus meiner Sicht die einzigen, die sich aus einer Dienstleistungsfunktion eines Sektors heraus zu einem Marktteilnehmer entwickelt haben.

Es scheint, als würde der Internet-Hype eine gewisse Renaissance erleben. Welche Geschäftsfelder sehen Sie künftig für Ihr Unternehmen?

Ich würde diese Meinung teilen, dass gegenwärtig gerade im Internet-Bereich Aufbruchsstimmung herrscht. Die entscheidende Frage ist immer: Soll der Markt mit Artfremdem erschlossen werden? Ich denke, es ist besser, unsere Kernkompetenzen Operations und Outsourcing zu stärken. Weniger ist mehr.

Erwarten Ihre Kunden nicht stets Innovationen?

Der Glaube, dass Unternehmen in unserer Branche Universalisten sein müssten, ist falsch. Das kauft uns keiner ab, wir arbeiten in einem absoluten Spezial-Segment. Aber natürlich sind wir bei Produktinnovationen vorne mit dabei. Interessanterweise geht der größte Diversifikationsdruck nicht vom Eigentümer aus, sondern von der grundsätzlich positiven Eigendynamik der Mitarbeiter. Meine Argumentation ist dann: Eine neue Idee muss kernkompetenzverstärkend sein. Wir können noch genug verbessern, bevor wir neues Terrain betreten. Unser Ziel ist klar: Wir wollen der wichtigste IT-Versorger des Landes sein, und wir sorgen dafür, dass die IT so sicher ist wie der Strom aus der Steckdose.

Würde die RIaiffeisen Informatik eine gute Börse-Story abgeben?

Derzeit haben wir keinerlei Ambitionen, an die Börse zu gehen. Zuerst kommt für mich organisches Wachstum, dann kann man größere Schritte angehen. Nur über Akquisitionen zu wachsen, ist ungesund. Oft ist es aber auch der Außendruck - etwa gerade über die Börse - der hier einwirkt.

Wie zufrieden sind Sie als IT-Experte und Familienvater mit der Jugend-Ausbildung?

Es gibt Schulen, die wir fördern. Damit ist natürlich auch der Hintergedanke verbunden, dass wir uns Nachwuchs schaffen. Das österreichische Schulwesen finde ich generell nicht schlecht, der Unterricht ist ausgewogen. Wer Spezialinteressen hat, kann die in unserem System auch ausleben. Ein gewisse verstärkte Technologieoffenheit ist allerdings zu wünschen, denn das ist ja kein Selbstzweck.

Was halten Sie von der geplanten Eliteuni?

Eliteuni ist eigentlich kein guter Name. Aber es geht darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, die für international anerkannte Forschungsarbeit attraktiv sind. Forschung und Wirtschaft in einem guten Umfeld zusammenzuführen, halte ich für sehr sinnvoll. Und wir haben ja sehr viel Potenzial. Schön wäre, ein Art Silicon Valley zu schaffen.

"Mit List und Tücke zum Erfolg", "Erfolg im Management mit fiesen Machtspielen" - aktuelle Schlagzeilen von Wirtschaftsmagazinen. Kann man wirklich mit solchen Methoden Erfolg haben?

Ich glaube, dass ein Aspekt der Managementphilosophie der letzten Jahre, nämlich die starke Demokratisierung in der Zusammenarbeit, nicht ganz erfolgreich war. Leadership und Führung sind notwendig. Das darf nicht kreativitätshemmend oder demoralisierend sein, sondern soll über Autorität und Kompetenz vermittelt werden. Ich führe deutlich, mit starkem Teambezug, denn das ist in der IT unerlässlich. Wichtig ist aber auch, dass die Verantwortung für den Kunden im Management liegt.

Wann werden Sie Ihre Rechenzentrum nach Indien oder China verlagern?

Für Rechenzentren ist Offshoring kein wirkliches Thema. Das politische und soziale Umfeld ist wichtiger, als 30 oder 40 Prozent Reduktion der Personalkosten. Nicht zuletzt ist der Datenschutz auch ein Kommunikationsthema, denn man muss den Kunden verstehen - im wahrsten Sinn des Wortes. Aber bei der Softwareentwicklung agieren wir natürlich international.

Sind Sie allzeit erreichbar?

Ich verwende einen BlackBerry, die Erreichbarkeit ist eine Frage der Reife des Umgangs mit diesen Mitteln. Aber: Gesprächspartner, die während des Gesprächs Mails lesen, zeigen doch deutliches Desinteresse am Gegenüber. Ich schreibe übrigens gerne in meinem Notizblock.

Wie sieht Ihr Leben abseits des Jobs aus?

Familie, aber auch Sport. Im meiner Jugend habe ich Fünfkampf gemacht, heute spiele ich ganz gerne Golf.
(7_8/06)

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
Werbung

Weiterführende Themen

Durch die Unterstützung internationaler Klimaschutzprojekte kompensiert die Nöm AG den restlichen CO2-Ausstoß
Industrie
20.04.2017

Seit Jahren investiert Nöm in nachhaltige Technologien, mehr Energieeffizienz und setzt auf Ökostrom. Der CO2-Ausstoß konnte dadurch auf 3277 Tonnen jährlich verringert werden. Durch die ...

Erstaunlich, wie klein 6.000 m2 auf einem riesigen Dach aussehen können.
Unternehmen
19.04.2017

Mit der Photovoltaik-Anlage auf dem Lagerdach wird Vöslauer künftig rund 250.000 kWh Strom produzieren.

Rosalinde Tessmann bei der Einweihung des Bibelwanderwegs 2016.
Hotellerie
19.04.2017

Rosalinde Tessmann gründete 1985 das Biolandhaus Arche, eines der ersten Biohotels Österreichs. Jetzt wird die umtriebige Kärntnerin 80. Wir gratulieren!

Branchen
18.04.2017

Im Rahmen von Erasmus+ entsteht eine Plattform mit dem Ziel, innerhalb der EU Mitgliedsstaaten Kooperationen von Ausbildungsbetrieben zu erleichtern. Am 25.04.2017 gibt es dazu im Hotel Kaiserhof ...

Meinung
17.04.2017

Lisa Breit hat bereits im Jänner im "Standard" einen hervorragenden Artikel über die europäische Akademisierungsfalle verfasst. Ihr Blick ist ein neutraler und umfassender und ihr Artikel bringt ...

Werbung