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Managertalk mit Georg Gruber, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich

10.04.2006

Seit Jahresbeginn ist Georg Gruber Geschäftsführer von Fairtrade Österreich. Er bringt breite Erfahrung in internationalen Konzernen im Bereich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit mit. Für ihn ist Wachstumsstrategie kein Widerspruch zu sozialer Fairness. Von Dagmar Haier

Foto Robert Polster

Welche Erfahrung(en) aus Ihrem früheren Leben können Sie nun besonders gut verwerten?
Ganz wichtige Kompetenzen wie Marketing Know-how, Brand-Management, Zusammenarbeit mit großen Handelsketten und Praxis in der Werbung im weitesten Sinn. Fairtrade ist ein wahrlich weltumspannendes Unternehmen mit mehr als 520 Produzenten in über 50 Ländern der Erde, die wir managen. Ich habe vor allem gelernt, Entscheidungen Länder übergreifend zu koordinieren. Wir sind in Südamerika, Asien und Afrika mit einer gar nicht kleinen Anzahl an Partnern verknüpft, aber sehr dezentralisiert. Da braucht man einen guten Überblick.
Nach mehr als 20 Jahren in sehr großen Konzernen und als Human Resources Manager konnte ich hautnah die gewaltigen Auswirkungen sehen, die eine zunehmend globalisierte Wirtschaft auf die MitarbeiterInnen und deren Familien und Kommunen hat. Hier Rahmenbedingungen zu gestalten, die es den Menschen ermöglichen, mit den Anforderungen konstruktiv umzugehen und vor allem zu vermeiden, dass aus Ignoranz viele zu "VerliererInnen" gemacht werden, war eine prägende Erfahrung. Ich hatte schon immer die Sehnsucht, etwas sehr anderes zu machen als "Riesenapparate" zu betreuen und einer relativ engen Definition von Erfolg = Produktivität + Gewinn zu folgen.

Ihr persönlicher Management-Stil?
Eine gute Balance aufrechterhalten zwischen Planung und Chaos. Nur in diesem Spannungsfeld entstehen neue Ideen, und wenn sich nur eine davon durchsetzt, ist es die, die zählt.

Was machen Sie als Erstes, wenn Sie ins Büro kommen?
Aufschreiben, was ich an dem Tag erledigen möchte. Ich schaffe zwar nicht immer alles, aber visuell vor mir auf einem Papier zu haben, was getan wurde, ist sehr motivierend.

Was macht Ihnen besondere Freude an Ihrem Job?
Ich war vor kurzem in Mexiko, auch in dem Gebiet, wo unsere Megabrand "Organico" aufgebaut wurde. Das ist eine echte Erfolgsgeschichte, und es war befriedigend zu sehen, mit wie viel Hingabe und Leidenschaft diese Kaffeebauern ihr Land bestellen. Früher kamen die Koyotis, das sind die Zwischenhändler, denen ein Bauer seinen Kaffee um 5 bis 6 Pesos pro Kilo geben musste, weil er keine Ahnung hatte, welchen Markpreis er hätte erzielen können. Seit es dort im mexikanischen Hochland fairen Handel gibt, bekommen die Bauern 15 bis 19 Pesos pro Kilo und haben die Gewissheit, verkaufen zu können. Die Kinder gehen in die Landwirtschaftschule. Fairtrade ist kein Mildtätigkeitsverein, und die Bauern wissen sehr gut, dass sie Ihre Produkte auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig halten müssen.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Ich habe als circa Zehnjähriger bei einem Bauern am Feld mitgearbeitet. Es war für mich ein tolles Gefühl, mit den Großen zu arbeiten. Bekommen hab ich dafür ein paar Schilling und einen Almdudler.

Sie haben Handelspartner und Projekte in fast allen wirtschaftlichen Problemzonen der Welt. Gibt es auch Aktivitäten in China?
Derzeit sind wir dort nicht aktiv. Es gibt jedoch ein paar Pilotprojekte zum Thema Nummer 1: Baumwollprodukte und T-Shirts - wichtig, wenn man bedenkt, wie extrem ökologisch bedenklich - durch Pestizide und immensen Wasserverbrauch - die Produktion dort ist. Frankreich und die Schweiz sind da die Vorreiter, aber wir in Österreich werden bald mitziehen.

Aus welcher Quelle schöpfen Sie Energie für Ihren Job?
Aus dem möglichst gleichseitigen Dreieck zwischen dem, was ich für mich selbst tue, meiner Familie und meinem Job. Ich glaube sehr stark an die Balance und weniger auf das Fokussieren auf ein Thema. Das ist ein permanenter Anpassungsprozess.

Wenn Sie einen Tag für sich alleine hätten, was würden Sie am liebsten tun?
Nach London fliegen und in die Oper gehen. Das ist der ultimative Luxus, den ich mir gemeinsam mit meiner Frau hin und wieder gönne.

Mit wem würden Sie gerne einen Tag verbringen?
Mit John Le Carré.

Was darf in Ihrem Büro-Eisschrank niemals fehlen?
Fair gehandelter Orangensaft.
(4/06)

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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