Manager-Talk: Peter Gruber, Geschäftsführer der Wiener Stadthalle | Die Wirtschaft Direkt zum Inhalt

Manager-Talk: Peter Gruber, Geschäftsführer der Wiener Stadthalle

01.03.2006

Peter Gruber, Geschäftsführer der Wiener Stadthalle, hat mit der neuen "halle f" sein Meisterstück abgeliefert. Der Country-Fan liebt Wien und liest im Flugzeug am liebsten Krimis. Von Harald Hornacek
h.hornacek@wirtschaftsverlag.at
Foto Richard Tanzer

die wirtschaft: Wie war das Gefühl, als Sie mit "Mamma Mia" die neue "halle f" eröffneten?

Peter Gruber: Die halle f ist ein Projekt mit tausenden Kleinigkeiten. Wir haben fünf Jahre von der Idee bis zur Realisierung gebraucht. Und einen Tag vor der Generalprobe von "Mamma Mia" haben die Handwerker noch geschraubt und gemalt. Als ich allein in der halle f gesessen bin und mir die Probe angesehen habe, wusste ich, warum ich mir das alles die letzten Jahre antat. Es war beeindruckend. Und es gibt keine Halle in dieser Konfiguration in Wien. Man muss aber auch sagen, ohne das finanzielle Engagement der Stadt Wien wäre so etwas gar nicht möglich.

die wirtschaft: Wie viele Superstars lernt man in Ihrem Job kennen?

Gruber: Weniger, als Sie glauben würden! Denn meine Kunden sind ja Besucher, Veranstalter, Sponsoren. Dem Künstler ist der Ort eher gleichgültig, der macht hier seinen Job wie da und muss mich nicht kennen. Aber natürlich sollen sich die Künstler auch wohl fühlen.

die wirtschaft: An welche Künstler erinnern Sie sich besonders gerne oder ungern?

Gruber: Herbert Grönemeyer hat im Jahr 2002, nach dem Tod seiner Frau und seines Bruders, den für mich bemerkenswertesten Auftritt gezeigt. Es war ein berührendes Konzert, er ist ein großartiger Mensch und Ausnahmekünstler. Den besten Ton hatten AC/DC. Ich mag den Sänger Angus Young. Whitney Houston war am schwierigsten: Für die mussten wir einen eigenen Gang von der Garderobe bis zur Bühne bauen, und die Hallentemperatur war für sie ein Problem. Joe Cocker ist ein absoluter Profi: Wenn das Konzert für 19.30 angesetzt ist, steht der um 19.30 auf der Bühne. Elton John reist meist im Bademantel in seiner Limousine zum Flughafen. Jeder Star hat seine Eigenheiten.

die wirtschaft: Wie bleiben Sie musikalisch am Ball?

Gruber: Ich schau mir so oft es geht MTV, Viva oder Go tv an. Persönlich bin ich Country-Fan, leider ist das in Europa kaum zu präsentieren. Der Markt ist zu klein, in den USA füllen Gruppen wie Dixie Chicks oder Garth Brooks Hallen in Größenordnungen von 20.000 Besuchern problemlos.

die wirtschaft: Konzertkarten kosten heute nicht selten 80 Euro. Ist da nicht die Obergrenze erreicht?

Gruber: Der Kartenpreis wird vom Veranstalter festgelegt, da haben wir keinen Einfluss. Da kommen auch die Sponsoren ins Spiel, sonst wären die meisten Auftritte heute für den Kunden nicht mehr leistbar. Die BA-CA Tennis Trophy gibt es nur deshalb, weil sich die Bank voll dazu bekennt. Robbie Williams oder U2 können derzeit noch verlangen, was sie wollen. Das sind aber Ausnahmeerscheinungen. Ich denke, mit 80 Euro im Schnitt für eine Karte ist bereits ein hohes Niveau erreicht. Es gibt aber auch wesentlich günstigere Acts.

die wirtschaft: Woraus schöpfen Sie Energie und neue Kraft?

Gruber: Meine Kraftquelle ist meine Familie. Ich versuche auch, mir einige Wochenenden freizuhalten, was im meinem Job ja nicht leicht ist.

die wirtschaft: Welches ist Ihr liebstes Reise- bzw. Urlaubsziel?

Gruber: Habe ich eigentlich nicht. Meine Frau und ich haben ein tolles Agreement: Sie besitzt ein Reisebüro, und wenn sie neue Destinationen testen will, dann fahren wir einfach dorthin auf Urlaub.

die wirtschaft: In welcher anderen Stadt könnten Sie sich vorstellen zu leben?

Gruber: Ich möchte in keiner anderen Stadt als in Wien leben. Wer über diese Stadt schimpft, soll weg fahren - und wird dann feststellen, wie gerne man hierher zurückkommt!

die wirtschaft: Wer hält für Sie im Terminkalender Ordnung?

Gruber: Meine Assistentin und ich selbst. Ich verwende alle elektronischen Tools wie Black Berry oder ähnliches, leiste mir aber den Luxus, im Flugzeug lieber einen guten Krimi zu lesen als auf dem Notebook zu arbeiten. Fliegen soll für mich Entspannung sein.

die wirtschaft: Ihre Lieblingsfluglinie?

Gruber: Das richtet sich ganz nach der Destination, aber natürlich fliege ich gerne mit der AUA.

die wirtschaft: Sie fahren als Dienstwagen einen Jaguar. Warum keinen Audi, BMW oder Mercedes?

Gruber: Als Stadthallen-Chef unterliege ich ja der Bundesdienstwagenverordnung. Der Jaguar war billiger. Aber ich gebe zu, er gefällt mir auch sehr gut.
(3/06)

Autor:
Redaktion.DieWirtschaft
Werbung

Weiterführende Themen

Praxis
23.08.2016

Wir diskutieren seit Jahren darüber, dass Schulen zu wenig auf das Lehrlingsleben vorbereiten. Dass es auch anders geht, dafür gibt es in Österreich bemerkenswerte Beispiele, die einmalig sind in ...

Recruiting
21.03.2017

Schoolgames und die Technical Experts der WKO Steiermark veranstalteten am 15.02.2017 die erste österreichische MINT MASTER  Meisterschaft. Rund 150 Schülerinnen und Schüler aus ganz Österreich ...

WKW Präsident Walter Ruck ist sicher: "Umweltschutz wird immer dort groß geschrieben, wo auch Wohlstand ist."
Stories
21.03.2017

Wirtschaftskammer Wien Präsident Walter Ruck glaubt noch an den Bau der dritten Piste am Flughafen Schwechat. Warum er noch hofft und wie er den Standort auf das nächste Level heben will, erklärt ...

Tourismus
21.03.2017
Bedenken, was ein Genetiker zum Thema Recycling und CSR beitragen könnte, wurden von Prof. Hengstschläger rasch zerstreut
Thema
21.03.2017

"Durchschnitt ist der größte Feind der Innovation!" meint der Genetiker und Autor Univ. Prof. Mag. Dr. Markus Hengstschläger als Vortragender des 8. Dialogforums.

Werbung