Manager-Talk mit Hans Winkler: „Zentralbudget von 40 Millionen Euro“ | Die Wirtschaft Direkt zum Inhalt

Manager-Talk mit Hans Winkler: „Zentralbudget von 40 Millionen Euro“

02.02.2006

Hans Winkler ist ein erfahrener Diplomat. Als Staatssekretär im Außenministerium ist er auch Manager: Fünf EU-Gipfeltreffen, ein EU-Lateinamerika-Karibik-Gipfel mit 60 Staats- und Regierungschefs, Gipfel mit den USA, Japan, Russland und Kanada und die EU-Ministerratssitzungen wollen präsidiert und koordiniert sein. Von Eva Stanzl
e.stanzl@wirtschaftsverlag.at

1) Wann haben Sie sich entschlossen, Diplomat zu werden?
In der siebenten Klasse Mittelschule. Ich war im Theresianum, als dort die Diplomatische Akademie gegründet wurde.

2) Als Staatssekretär koordinieren Sie den Vorsitz Österreichs. Was qualifiziert Sie im Besonderen für diesen Manager-Job?
Meine Erfahrung im der Multinationalen Diplomatie. Zudem war ich während des ersten österreichischen Ratsvorsitzes 1998 Leiter der Abteilung Amerika des Außenministeriums.

3) Worin besteht Ihre Mammutaufgabe?
Ich kümmere mich im Außenministerium um Inhaltliches bei Ratssitzungen oder Arbeitstreffen: Zum Auftakt der Präsidentschaft beim Treffen der Europäischen Kommission mit der Bundesregierung etwa wurden 60 Themen besprochen - was ansteht, wer was macht, welche Berichte wir der Kommission vorlegen wollen, unsere Ziele und wie wir dort hinkommen wollen. Und auf der anderen Seite kümmere ich mich um organisatorische Fragen. So wurde für die Vorbereitung und Durchführung der Präsidentschaft im Außenministerium das Exekutivsekretariat eingerichtet, das auch das Zentralbudget verwaltet und das mit 40 Millionen Euro für zwei Jahre dotiert ist. Aus diesem Budget werden 80 großformatige Veranstaltungen der Präsidentschaft unterstützt - sprich Anmietung der Konferenzräume, Technik, Catering, Dolmetscher und geistige Leistungen von Architekten und Designern für Logo, Gestaltung und Geschenke. Dazu kommen Sachleistungen von Sponsoren, plus zwölf Ministertreffen in den Bundesländern, aus den laufenden Budgets der einzelnen Ressorts bezahlt werden.

4) Wer hilft Ihnen dabei?
Der gesamte Apparat des Außenministeriums.

5) Ohne wen könnten Sie in Ihrem Beruf nicht leben?
Ohne meine Mitarbeiter - meinen Kabinettchef, meinen Experten für EU-Angelegenheiten und meine Pressesprecherin und mein Sekretariat.

6) Was machen Sie als erstes, wenn Sie ins Büro kommen?
Ich schaue in den Computer, in meinen Kalender, dann in die Zeitungen.

7) Was machen Sie täglich?
Eine Absprache und Aussprache mit meinen Mitarbeitern.

8) Aus welcher Quelle schöpfen Sie Energie für Ihren Job?
Aus Freude an der Aufgabe.

9) Was ist das Wichtigste am EU-Vorsitz?
Nichts herauszugeben, was mit den anderen 24 Staaten nicht abgestimmt ist. Das ständige Abklären - oft über Intranet - ist eine der Hauptaufgaben, denn der EU-Vorsitz ist eine Moderatorenrolle: Man muss der Welt das Gefühl geben, dass alle übereinstimmen - das ist die Kunst.

10) Wenn Sie einen Tag für sich alleine hätten, was würden Sie am liebsten tun?
Kein Tag vergeht ohne dass ich mir anschaue, was in der Welt passiert. Und sonst würde ich in die Oper gehen, oder quer durch den Gemüsegarten lesen - Astronomie, Zeitgeschehen, Romane.

11) Mit wem würden Sie den Tag verbringen?
Mit meiner Frau.

12) Welches Reiseziel möchten Sie unbedingt erreichen?
Machu Pichu.

13) Was bereitet Ihnen an Ihrer jetzigen Aufgabe besondere Freude?
Mein Job ist seit 35 Jahren nie reine Routine, denn ich habe dabei nie länger als ein paar Jahre an einem Platz verbracht.

14) Was machen Sie ab 1. Juli?
Weiterhin Staatssekretär sein - die Außenpolitik hört ja nicht auf mit dem 30. Juni. Mein Job läuft ohne Befristung so lange der Bundeskanzler mich will.

15) Könnten Sie sich einen anderen Job vorstellen als Diplomat?
Opernsänger hätte ich mir vorstellen können, leider mangelt es mir an Talent. Am allerliebsten wäre ich singender Diplomat.
(1_2/06)

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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