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Liebe Österreicher und -innen!

28.02.2018

Regina Maria Jankowitsch ist Executive Coach. Darüber hinaus hat sie sich als Kommunikationsberaterin für Politiker einen Namen gemacht. 7 Dinge können sich Unternehmer von ihnen abschauen.

TEXT MARA LEICHT

Im Juni 2017 saß ich mit Regina Jankowitsch zusammen. „Was können sich Politiker von Managern abschauen?“ fragte ich sie. Ihre Antworten waren damals, Monate vor der Nationalratswahl, geradezu prophetisch. Sie dachte kurz nach und meinte dann, vor allem sollten sich Politiker das Change Management von der Wirtschaft abschauen. Weg von ihrer Rolle als Bewahrer des Alten sollten sie Veränderungen zulassen, ihre Ideologien den Notwendigkeiten der Zeit anpassen. Lösungsorientierung sollten sie vor bedingungslose Loyalität stellen. Und sie sollten lernen, dass Konkurrenz nicht respektlos und untergriffig sein muss. Eine Regierung später sitze ich nun wieder mit Jankowitsch zusammen. Diesmal stelle ich die umgekehrte Frage: Was können sich Manager von Politikern abschauen? Wieder denkt Jankowitsch kurz nach, macht sich ein paar Notizen und legt dann los:

1. LERNT ZIELORIENTIERT KOMMUNIZIEREN

Politiker trommeln ungerührt ihre Botschaften, egal, wonach sie gefragt wurden. Ja, sie übertreiben es, manchmal schamlos. Dennoch liegt dieser Taktik ein guter Gedanke zugrunde. Denn jeder, absolut jeder Zuschauer weiß, wofür dieser oder jener Politiker steht. Manager wiederum verstehen es meisterhaft, sich selbst und ihr Unternehmen gut dastehen zu lassen – doch niemand weiß, wofür sie oder ihre Firma stehen. Selbst jene nicht, die sich durch die Vision- und Mission- Statements gebissen haben. Blutleere Worthülsen sind das oft, schlecht übersetzt und ohne praktische Handlungsanleitung. Auf gute Wahlslogans trifft nichts davon zu.

2. LERNT, KOMPLIZIERTES EINFACH DARZUSTELLEN

Der frühere Finanzminister Hans Jörg Schelling war ein Meister dieser Disziplin: komplexe Themen für Laien verständlich (und manchmal sogar amüsant) darzustellen. Politiker müssen das selbst dann beherrschen, wenn sie von der Materie keine Ahnung haben – sie könnten ja morgen schon ein ganz anderes Ressort übernehmen. Natürlich sind auch viele Manager gut darin, aber nicht alle. Eine Gruppe tut sich besonders schwer: Naturwissenschaftler, die ihre Forschungsergebnisse verkaufen müssen. Gerade sie könnten sich einiges von Politikern abschauen.

3. ÜBT DEBATTIEREN

Und sei es nur, um den eigenen Horizont zu erweitern. In der Politik gehört die öffentliche Auseinandersetzung einfach dazu, man denke nur an die erbitterten Wahlkonfrontationen. In der Wirtschaft ist man zwar inzwischen draufgekommen, dass man mit Konsens und Kooperation weiter kommt. Aber im Zweifelsfall die verbale Faust ausfahren zu können, gibt Sicherheit.

4. SEI DIE MARKE

Vater Hartlauer begann damit, sein Sohn macht es ihm gleich. Elisabeth Gürtler tut es, Andreas Treichel auch. Und Richard Lugner gar mit Inbrunst. Sie alle stehen für ihr Unternehmen mit ihrem Namen, mit ihrem Gesicht. Bei Politikern ist das selbstverständlich, bei Managern eher die Ausnahme. Wenn überhaupt, macht man es emotionsfrei und faktenorientiert, auf der Bilanzpressekonferenz und, weil man ja so teamorientiert ist, im Beisein anderer Manager. Hier wäre Potenzial für Eigentümer, sich zusätzlich zu allen anderen Marketingmaßnahmen als Gesicht zur Marke zu inszenieren. Weil es der Firma hilft.

5. HABT KEINE BERÜHRUNGSÄNGSTE

Manager sind gern unter sich. Umgeben sich mit Vertrauten, scheuen das Bad in der Menge. Politiker sind das Gegenteil. Im Wahlkampf gehen sie aktiv auf Passanten zu, ungeachtet deren Stand und Herkunft, weil jede Stimme zählt. Es gibt Situationen, in denen diese Fähigkeit auch Managern helfen kann, etwa in der Mitarbeiter-, Stakeholder- oder Anrainerkommunikation. So mancher Konflikt löst sich dann in Luft auf.

6. BEHERRSCHT SOCIAL MEDIA

Schließt direkt an den vorherigen Punkt an: Kaum einem Manager fällt es ein, über Social Media mit seinen Stakeholdern in Kontakt zu treten. Politiker hingegen lieben die Möglichkeit, ihre Botschaften budgetschonend unters Volk zu bringen (denken Sie jetzt nicht an Donald Trump). Wie, lernen Politiker heute in jeder Parteiakademie und Manager von ihren Kommunikationsexperten.

7. NICHTS IST SACHLICH

In der Wirtschaft herrscht vielerorts der fromme Glaube, Entscheidungen wären sach- und zielbezogen. Stimmt nicht. Das Management ist voll von Befindlichkeiten, Hidden Agendas und – ja – auch Intrigen. In der Politik weiß das jeder. Dort lernt man früh, damit umzugehen und akzeptiert es als Teil des Spiels. Diese Erkenntnis würde auch manchem Manager das Leben leichter machen.

Und ja, Wirtschaft und Politik nähern sich einander an. Es kommt zu einer Durchmischung (Stichwort Christian Kern), derzeit allerdings erst auf den obersten Ebenen. Die Beamten unterhalb der Minister wollen das vermutlich auch gar nicht, zu schnelllebig ist ihnen die Wirtschaft, zu sicher die Anstellung beim Staat. Für Manager, die sich von der Politik etwas abschauen wollen, hat Jankowitsch ein kleines Gedankenspiel. Man stelle sich einfach einmal vor, Karriere in der Politik machen zu wollen. Was würde einem dazu noch fehlen? Was müsste man lernen, was kann man sich abschauen? Das kann man dann übernehmen oder nicht. Es ist ja nur ein Gedankenspiel.

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