Direkt zum Inhalt

Krise verursacht Wertewandel in der Wirtschaft

01.12.2010

Die neue Karmasin-Studie „Leadership 2020 Werte & Wirtschaft“ erhob bestehende und zukünftige Werte heimischer Unternehmen. Das Ergebnis zeigt einen Paradigmenwechsel – weg von tradierten Pfaden der Bestandserhaltung hin zu mehr Offenheit, Kreativität und Flexibilität. Neue Visionen sind gefragt.

KR Brigitte Jank (Präsidentin Wirtschaftskammer Wien), Dr. Sophie Karmasin (Karmasin Motivforschung), Alfred Harl, CMC (Obmann UBIT),

Welchen Leitbildern sind Unternehmen bisher gefolgt? Hat die Krise einen Wertewandel verursacht? Der Fachverband Unternehmensberatung und IT (UBIT) der WKO und die Wirtschaftskammer Wien wollten es genau wissen und beauftragten Karmasin Motivforschung, in qualitativen Interviews die Wertelandschaft von Unternehmern zu durchleuchten und die gefragten, neuen Leadership-Strategien der Zukunft zu erfassen. Ziel der Untersuchung war es, einen Werte-Wegweiser für die Wirtschaft zu erstellen und die Angebote der Wirtschaftskammer Wien noch besser an die Bedürfnisse der Wiener Unternehmer anzupassen.

„Die Studie zeigt deutlich, wie sehr sich die Unternehmen in Österreich in den letzten zwei Jahren verändert haben“, unterstrich Wirtschaftskammer Wien-Präsidentin Brigitte Jank. Die Unternehmensberater seien in dieser Zeit ein wichtiger Anker gewesen, haben den Unternehmen die Sicht von außen ermöglicht und geholfen, neu durchzustarten. „Die Unternehmen sind mit der Herausforderung gewachsen und haben ihre Werte weiter entwickelt“, so Jank. „Begriffe wie Kommunikation, Qualität, Kundenverständnis oder Internationalisierung haben eine neue Bedeutung bekommen und beeinflussen das Handeln der Betriebe heute wesentlich stärker“.

Alfred Harl, Obmann des Fachverbandes UBIT zur Studie: „Wir wollten wissen, wie sich die Werte und Leitbilder verändert haben bzw. ob wir nun, nach der Krise vor einem Paradigmenwechsel stehen. Und vor allem hat uns interessiert, wie geht es in der Zukunft weiter, welche Eckpfeiler des Wertewandels können wir allen Mitgliedern weitergeben. Diese Ergebnisse liegen nun am Tisch. Interessant ist, dass vielen Firmen die Werkzeuge zur Veränderung klar sind, für die Umsetzung jedoch Hilfe gesucht wird. Unternehmensberater können hier entscheidende Impulse für die Zukunft liefern.“

Ergebnisse der Studie im Überblick

Die Befragten gaben in der Untersuchung an, dass sie sich in der Vergangenheit vielleicht zu sehr auf betriebswirtschaftliche Ziele konzentrierten, dass „Gewinnmaximierung“, „Stabilität“ und Festhalten an „Bewährtem“ zu den höchsten Werten zählte.

Im Gegensatz dazu sind nun neue Leitbilder, mehr Kreativität und Innovationen gefragt sowie die Auseinandersetzung mit Kommunikation auf allen Ebenen. Wissensmanagement zählt zu neuen Herausforderungen so wie die Fähigkeit zur Selbstreflexion und die Bereitschaft, sich auf die Komplexität des Marktes neu einzustellen. Dazu braucht es Führungspersönlichkeiten, und kreative Mitarbeiter/innen, am besten die, die englisch sprechen, mit Jung, Alt, Mann, Frau hinweg über alle Kulturen in den realen oder virtuellen Dialog treten können.

„Excel-Manager“ sind passé.

„Materielles Wachstum ist nicht alles“, mehr verantwortungsvolles und flexibles Wirtschaften ist gefragt, Ehrlichkeit und die Fähigkeit, rasch Entscheidungen zu treffen, sind entscheidend für zukünftigen Erfolg, so die Statements aus der Studie. Und weiter: neue Visionen sind ebenso gefragt wie Wissensmanagement, fundierte Strategien und die Fähigkeit des Unternehmens, bisherige Strategien in der schnelllebigen Zeit in Frage stellen zu können. Dieser Gedanke wird gleichzeitig als tatsächliche Herausforderung bezeichnet.

Die 13 Charakteristika der Unternehmen von morgen

1.    Neues gesellschaftliches Wertesystem

2.    Denken in langfristigen Zusammenhängen, aber dennoch kurzfristig entscheiden können

3.    Strategien und Leitbilder entwickeln und leben!

4.    Von der Selbstherrlichkeit zur Selbstreflexion

5.    Wissensmanagement und Wandelbereitschaft

6.    Von reaktiv zu flexibel

7.    Vom Chef/Chefin zur Identifikationsfigur

8.    Talent, Leidenschaft und Neugierde von Mitarbeitern/innen fördern

9.    Kreativität und Innovation

10. Kooperation/Kollaboration/Dialog

11. Neue Bodenständigkeit

12. Netzwerke entwickeln

13. Ehrlichkeit und Authentizität

Die Wirtschaftskammer Wien bietet Wiener KMU ein konzentriertes Maßnahmenbündel zur Neupositionierung

Die Wirtschaftskammer Wien selbst hat ihr Programm während all der Veränderungsphasen laufend angepasst. So wurde am Beginn der Finanzkrise eine Ombudsstelle für Finanzierungsfragen eingerichtet. Vor zwei Monaten folgte eine weitere Ombudsstelle für Bürokratieabbau. Das Aus- und Weiterbildungsangebot wurde ebenfalls weiterentwickelt – etwa mit dem Jahr der Selbsterneuerung am Hernstein Institut für Management und Leadership, das Unternehmen geholfen hat, sich neu zu (er)finden. Höchst erfolgreich laufen auch die Beratungen zum Thema Unternehmensentwicklung und Diversity Management. „Die Nachfrage der Unternehmen nach unseren Leistungen zeigt, wie sehr sich die Betriebe mit ihrer künftigen Entwicklung und werteorientierten Weiterentwicklung beschäftigen“, so Jank.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
Werbung

Weiterführende Themen

Stories
14.04.2019

Wenn die Politik den Mittelstand links liegen lässt, anstatt für seine Sichtbarkeit und Durchsetzungsfähigkeit zu sorgen, begeht sie Raubbau an der Zukunft des Landes, meint der Lobbying-Coach ...

Stories
26.02.2019

Unzählige Unternehmen beweisen, dass in Krisen die Chance stecken kann, so richtig durchzustarten. Das ist die Geschichte vom Turnaround bei Niemetz Schwedenbomben.

AustroSkills in Salzburg
Tourismus
26.11.2018

Bei den AustrianSkills - ehemals Juniorenstaatsmeisterschaften - im Bereich Tourismusberufe, kämpften die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von 23.-24. November in Salzburg nicht nur um den Titel „ ...

vlnr.  z.l.ö-Generalsekretär Ing. Mag. Johann Kofler-Mair, z.l.ö.-Vizepräsidentin Bundesspartenobfrau (Handwerk und Gewerbe) Ing. Renate Scheichelbauer-Schuster, z.l.ö.-Präsident Generaldirektor DDr. Werner Steinecker, MBA, Prof. Dr. Werner Beutelmeyer (Leiter market institut), z.l.ö.-Gründungsmitglied Mag. Viktor Sigl, MBA)
Thema
22.10.2018

Wirtschaftstreibende aus ganz Österreich (z.B.: Hofer, Energie AG Oberösterreich, KTM AG oder die Fritz Egger GmbH) haben sich zur privaten und unabhängigen Initiative „z.l.ö. zukunft.lehre. ...

Thema
22.10.2018

Die neue Kampagne der WKO-Sparte Handel soll die Vielfalt an Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten im Handel zeigen. Die Zielgruppen der Initiative sind Jugendliche, Eltern und Entscheider ...

Werbung