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Kredite sind richtig teuer geworden!

29.02.2012

Solche und ähnliche Beschwerden kann man immer wieder von Unternehmern hören. Wie sie die Vorwürfe beurteilen, wieso Kredite jetzt teurer sind und warum KMU vermutlich in Zukunft heiß umworben werden, haben wir mit Bawag-Vorstand Christoph Raninger und dem Bankenexperten Andreas Kronabitleitner diskutiert.

Andreas Kronabitleitner, Christoph Raninger

Gibt es momentan eine Kreditklemme?
Andreas Kronabitleitner:
Momentan mit Sicherheit nicht. Wenn ich mir die Bankbilanzen ansehe, gibt es überall ein moderates Kreditwachstum. Ich glaube aber, dass die Ereignisse von 2008 und 2009 noch stark bis heute nachwirken. Unternehmer haben erlebt, dass Banken plötzlich über Nacht zutiefst verunsichert waren und diese Unsicherheit an ihre Kunden weitergegeben haben. Das steckt vielen noch immer in den Knochen.

Christoph Raninger: Die Nationalbankstatistik für die Neugeschäftsentwicklung der Volumina von größer einer Million Euro zeigt, dass die Summe für 2011 um zwei Prozent geschrumpft ist. Der Markt ist also stagnierend. Jetzt kann man sagen: Es gibt eine Kreditklemme – oder eine fehlende Nachfrage.


Welche Indizien gibt es dafür?

Raninger: Aktuell gehen wir von einem Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent aus, und da werden die Unternehmungen natürlich vorsichtiger. Investitionsentscheidungen werden angehalten. Unmittelbare Workingcapital-Finanzierungen werden teilweise aus den Cashflows gedeckt, wenn sie vorhanden sind.

Kronabitleitner: Ich glaube, dass es für viele Blödsinnigkeiten, die früher passiert sind, eine Kreditklemme gibt. Ich darf den einen oder anderen Projektentwickler begleiten, der sich eine goldene Nase verdient hat, weil er mit fünf Prozent Eigenkapital oder noch weniger finanziert hat. Das geht heute einfach nicht mehr. Viele Projekte rechnen sich jetzt nicht mehr.


Die Preise für Kredite sind jedenfalls gestiegen. Woran liegt das?
Raninger:
Jeder wird verstehen, dass wenn die Rohstoffpreise steigen, auch das Produkt teurer wird. Und die Rohstoffpreise für Banken sind Liquidität und Kapital. Die Kapitalunterlegung hängt stark vom Risiko und der Bonität des Unternehmens ab. Umso schlechter diese sind, umso höher sind die Kosten. Und umso schwieriger wird es, den Kredit zu geben, weil man auch mehr Kapital unterlegen muss. Man muss aber die Kirche im Dorf lassen. Denn das absolute Zinsniveau ist extrem tief. Die Niveaus sind jetzt auf historischen Tiefstständen. Dafür sind halt einige andere Aufschläge ein wenig gestiegen.

Was können KMU mit niedriger Eigenkapitalausstattung tun?
Raninger: Es ist ein Spezifikum der österreichischen Unternehmen, dass die Eigenkapitalisierung eher unter dem europäischen Durchschnitt liegt. In diesem Zusammenhang lohnt es sich bestimmt über Möglichkeiten wie Factoring nachzudenken. Wenn wir ein Kapitalthema entdecken, versuchen wir, Möglichkeiten aufzuzeigen. Es gibt aber zum Beispiel auch eine Landesförderstelle für Mezzaninkapital. Viele wissen das gar nicht. Wir haben den Zugang,
kennen die Vorgehensweise der Förderstellen und kooperieren mit ihnen.

Welche Rolle spielt der Kundenberater in der Entscheidung?
Raninger: Der Kundenbetreuer sollte sicherstellen, dass der Kunde ein optimales Produkt erhält. Der Berater selbst kann aber nicht allein entscheiden, weil er ja einen Interessenkonflikt hätte, wenn er gleichzeitig Geschäft machen und das Risiko beurteilen sollte. Es ist auch vonseiten der FMA so vorgeschrieben, dass es eine unabhängige Risikoabteilung in der Bank geben muss. Und das ist gut so. Alles andere wäre gefährlich.

Kronabitleitner: Die Berater können also wirklich nicht entscheiden.
 
Raninger: Sie können sich aber intern Infos zu den Rahmenbedingungen holen und checken, wann es wie geht. Und zwar im Idealfall vor dem Kundengespräch.


Spielt die Branche der Unternehmen bei der Kreditvergabe eine Rolle?
Kronabitleitner
: Weil es immer wichtiger wird, wo man sein Kapital einsetzt, befassen sich manche Bankhäuser bereits intensiv mit Portfoliosteuerungsmodellen. Also: Wie viel Kapital gebe ich in welche Branche? Welche Unternehmenstype? Um vielleicht auch Risikoabschläge daraus ableiten zu können. 
Raninger: Ich habe keinen Kunden aufgrund der Branche lieber als den anderen. Es gibt halt gewisse zyklische Branchen, wie die Automobilzulieferindustrie, die man sich von der Risikobewertung her anschauen muss. Aber ich sage deshalb nicht per se einmal Nein. Man muss immer den Einzelfall ansehen und prüfen, ob und welche zusätzlichen Sicherheiten man braucht.


Sie arbeiten also nicht mit so einem Portfoliosystem?
Raninger:
Wir haben gewisse Industrielimits. Aber auf relativ hohem Level. Wir schauen uns natürlich auch Konzentrations-risiken an. Und wenn es gewisse Cluster in Branchen gibt, muss man das betrachten und rechtzeitig steuern. Wir haben aber genug Spielraum über die verschiedenen Industrien hinweg. Wir müssen also keine Kunden abwehren. 


Sollen Unternehmer neben ihrer Hausbank auch noch andere Banken auf Kredite ansprechen?

Kronabitleitner: Die Unternehmer sind zu wenig flexibel, was das Thema Hausbank angeht. Es wird deutlich mehr an Mobilität notwendig sein. Ich würde jedem Unternehmer

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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