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Königin der Bretter

10.11.2014

Ruffboards recycelt alte Snowboards, integriert ehemalige Sträflinge und macht dabei verdammt gute Skateboards. Das tut weltweit sonst niemand.

Geschäftsidee: ökologisch und sozial vorbildlich hergestellte Skateboards Antrieb: Unternehmerische  Verantwortung und Liebe zum Sport

Text: Daniel Nutz

 

Melanie Ruff macht in einem Wiener Gewerbekeller aus ihrer Leidenschaft eine Unternehmung. Die Geschäftsführerin von „Ruffboards“ ist Anfang 30, hat blond gefärbtes Haar, trägt legere Kleidung und die für die Skateboardszene typischen Sneakers. Wer Melanie Ruff anschaut, erkennt schnell, worin ihr Geschäft liegt. Seit sie zwölf ist, fahre sie Skateboard, erzählt sie. Heute ist sie so begeistert bei der Sache wie eh und je – mit dem Unterschied, dass sie nur mehr ihre eigenen Longboards, also die lange Variante von Skateboards, fährt. Dahinter steht eine wirklich abgedrehte Geschäftsidee: Denn Bretter wie von Ruffboards gibt es weltweit wohl kein zweites Mal.

Was einzigartig ist, zeigt Ruff, indem sie ein Longboard aus dem Regal nimmt. Bei näherer Betrachtung sieht man: Hier steckt der Kern eines abgefahrenen Snowboards drinnen. Das ausrangierte Sportgerät wurde sauber zu einem neuen Longboard verarbeitet – sieht cool aus, ist ein absolutes Einzelstück und zudem noch ressourcenschonend. Tolle, runde Sache? Noch nicht ganz. Ihr Anspruch war immer, ein ökologisch wie sozial nachhaltiges Produkt herzustellen, sagt die Unternehmerin. Deshalb fräsen ehemalige Häftlinge der Initiative „Neustart“ die Umrisse aus den alten Snowboards, die bei Ruffboard schließlich endverarbeitet werden. Das Geschäft läuft. Heute steht die Jungunternehmerin stolz in den eigenen Firmenräumlichkeiten. Man lebe zwar noch von der Hand in den Mund, sagt sie. Aber das sei okay. Schließlich folge sie jetzt ihrem unternehmerischen Traum. Einem, den viele schon platzen sahen, bevor er begann.

 

Das gibt es nicht mal in Amerika!
Begonnen hat alles vor zwei Jahren. Mit ihrer heutigen Geschäftspartnerin Simone Melda tourte Ruff durch die USA, dem Mekka der internationalen Skater-Szene. Man kaufte und verkaufte Boards, probierte einfach aus. Schließlich schien es, dass es nichts gibt, was nicht in einem der unzählbaren amerikanischen Verkaufsregale zu finden sei. „Das Einzige, was wir nicht fanden, waren wirklich fair und einwandfrei produzierte Produkte“, sagt Ruff. So entstand irgendwo auf dem Rückflug über dem Atlantik die Idee, ein solches selbst zu produzieren. Nicht im Hotspot der Skateboardszene, sondern in Österreich, sozusagen einem Entwicklungsland auf dem Gebiet. Schnell gab es Unkenrufe, nicht zuletzt aus der Boarderszene selbst, erinnert sich Ruff. „Die Szene ist, was Produkte anbelangt, sehr konservativ.“ Ruff meint damit, dass die Bindung an die etablierten großen Marken so groß wie sonst vielleicht bloß in der Mode- oder Sportartikelbranche ist. Als Start-up, mit einer im Vergleich zu den etablierten Marken schrägen Geschäftsidee, ist es schwer, Fuß zu fassen. Ruff probierte es trotzdem.

 

Ökologischer und sozialer Fokus
Nach zähen Gesprächen mit der Wirtschaftskammer bekam Ruffboards voriges Jahr die Gewerbeberechtigung. Man zählt jetzt zum freien Gewerbe der Wagner. Freiheit ist auch der Grund, warum Melanie Ruff selbstständig ist. „Wir machen das, was wir für richtig halten, ohne Kompromisse“, sagt sie. Der Fokus auf Ökologie und Soziales soll noch verstärkt werden. Man arbeite daran, in der Verarbeitung weniger Schadstoffe einzusetzen und will auch demnächst die erste Arbeitskraft von „Neustart“ direkt übernehmen. Und auch ein paar neue Produktideen habe man im Köcher, um den Umsatz zu steigern. Eine trägt Ruff heute sogar am Körper. Doch sie bittet uns vorerst nicht davon zu berichten. Machen wir nicht, Ehrenwort!

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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