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ARA-Vorstand Werner Knausz will der Zettelwirtschaft ein Ende setzen

Knopfdruck statt Zettel

02.04.2018

Die Altstoff Recycling Austria (ARA) bietet neuerdings nicht nur Abfalllösungen, sondern auch eine digitale Transportdaten-Plattform an. Warum die Firma ins IT-Business einsteigt und wie sich das ökologisch auswirkt – wir haben nachgefragt.

Die Situation ist in vielen Unternehmen ähnlich: Auch wenn bereits diverse Abläufe hochgradig digitalisiert sind – irgendwann wird doch wieder ein Zettel ausgedruckt, der berühmte Lieferschein. Und dann entsteht ein unnötiger und vor allem fehleranfälliger Prozess, bei dem Übergeber, Transporteur und Übernehmer dieselben Transportdaten mehrfach eingeben und per Fax oder Mail hin- und herschicken. Die Folge der ganzen Zettelwirtschaft: ständige Fehler, Rechtsrisiken, falsche Daten sowie ein hoher Zeit- und Kostenaufwand. Für die gesamte Bau- und Abfallwirtschaft rechnet der ARA-Vorstand Werner Knausz mit daraus resultierenden Kosten von rund 100 Millionen Euro pro Jahr – konservativ kalkuliert. Ein Umstand, für den die ARA – sie organisiert die Sammlung von 85 Prozent der Wertstoffe in Österreich – nun einen Lösungsansatz entwickelt hat. Ihre Tochterfirma DiGiDO bietet als digitaler Briefträger zwischen Lieferanten, Transporteuren und Empfängern von Waren eine Alternative zur Zettelwirtschaft. Das Prinzip ist simpel: Die Daten von einem an einem Transport beteiligten Akteur, etwa dem Versender, werden zeitnah an den Transporteur und den Empfänger der Waren digital weitergeleitet. Die Datenübertragung funktioniert aber auch in die andere Richtung. Wenn der Transporteur das Abhol- oder Lieferdatum oder der Empfänger nach der Verwiegung das Gewicht eingibt, werden diese Daten wieder an die jeweilig anderen Akteure übertragen. Das Ergebnis: Keine Zettel mehr, und alle Daten stehen sicher und zeitnah zur Verfügung. Eine Lösung, von der als erstes die Abfall-, Transport-, Bauwirtschaft und der kommunale Bereich überzeugt werden sollen.

LÖSUNG FÜR ALLE KMU

Auf die bestehenden Kunden und Partner der ARA ist das System übrigens nicht beschränkt. Vielmehr will man sich als unabhängiger Dienstleister positionieren. Besonders attraktiv sei die Lösung für kleinere Unternehmen, meint Werner Knausz. Kämen sie doch besonders rasch unter Druck, wenn sie für 70.000 Euro und mehr teure ERP-Systeme zur Rechnungsabwicklung mit Großkunden einführen müssten. Für die Cloudlösung der ARA werden dagegen lediglich wenige Euro pro Monat verrechnet. Dass die Anbindung an alle üblichen ERP-Systeme reibungslos funktioniert, verstünde sich von selbst, meint Knausz. Genauso wir die Gewährleistung des Datenschutzes. Alle Daten werden zeitnah, verschlüsselt und ohne dauerhafte Speicherung an die Systeme aller am Transport Beteiligten übertragen. Natürlich auch, wenn es nicht um Abfall geht. Gehostet wird das System von einem externen, zertifizierten Provider.

EINE FRAGE DER KRITISCHEN MASSE

Nun gilt es, immer mehr Unternehmen zu Anwendern des Systems zu machen, damit es seine volle Wirkung entfalten kann. Diese soll übrigens nicht nur als neues und profitables Geschäftsfeld der ARA Gestalt annehmen, sondern auch ökologische Effekte bringen. Denn: „Umso mehr Daten über Materialströme vorhanden sind, umso eher können die Recyclingquoten insgesamt steigen“, erklärt Werner Knausz. Dafür müsse man aber genau wissen, wo die Rohstoffe sind. Aktuell noch Zukunftsmusik. Erst neun Prozent aller Rohstoffe befinden sich weltweit in einem zirkularen Kreislauf. Eine Zahl, die weniger überrascht, wenn man bedenkt, dass nicht nur Verpackungen, sondern auch Autos, Leitungen, Gebäude und Straßen einem Lebenszyklus unterworfen sind und Unmengen an Rohstoffen beinhalten. Ein Thema, bei dem nun auch die EU-Kommission für Nachdruck sorgt. Erst im Dezember wurde ein Kreislaufwirtschaftspaket verabschiedet, dass eine Steigerung der Recyclingquote beim Siedlungsabfall aller Mitgliedstaaten auf 60 Prozent bis 2030 vorsieht. Die EU Kommission hat sich darüber hinaus zum Ziel gesetzt, die europäische Wirtschaft bis 2030 insgesamt ressourcenschonend und nach den Grundsätzen einer Kreislaufwirtschaft auszurichten. Ein Umstand, der DiGiDO als Industriestandard und zentrale Datenplattform für die digitale Begleitung aller möglichen Transporte zusätzliche Relevanz verleihen könnte.

www.digido.at

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
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