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Kein Risiko ohne Not

12.01.2016

Wie geht man wo auf der Welt mit Innovation um? Ludovit Garzik, Gründer von Innovation Orbit und Geschäftsführer des Rates für Forschung und Technologieentwicklung in Österreich erklärt, worauf es ankommt. 

Welche Unterschiede gibt es, wie Menschen – je nachdem, wo sie leben - mit Innovation umgehen?

Innovation passiert im Kopf und ist stark verbunden mit der Sozialisierung und den kulturellen Rahmenbedingungen, in denen die Menschen leben. So sehr auch in den letzten Jahren die Globalisierung zu einem Austausch zwischen den Kulturen geführt hat, die Unterschiede im Umgang mit Innovation sind zwischen Asien, Europa und den USA enorm.

 

In welchen Regionen gibt es eine hohe Innovationskultur, wo ist sie weniger stark ausgeprägt?

Die Intensität der Innovation definiert sich durch die persönliche Energie, die Menschen in einer Region in Innovation investieren. Sind sie mit dem erarbeiteten Wissen zufrieden, oder wollen sie dieses Wissen auch anwenden. Intensive Innovationsaktivität kann unterschiedliche Ursachen haben, von der Leidenschaft, sich am Markt zu beweisen, bis zum wirtschaftlichen Druck, wenn man hungert und keine andere Alternative hat als innovativ zu sein.

 

Was können sich heimische Firmen abschauen?

Österreichische Unternehmen verfolgen ein sehr traditionelles Bild der Innovation. Produkte werden ohne großes Risiko in einem etablierten Markt beständig - aber auch langsam - weiterentwickelt. Dabei werden aber immer nur die Produkte selbst und selten das Geschäftsmodell selbst innoviert. Die Gefahr ist, dass andere das eigene Geschäftsmodell innovieren und man in kurzer Zeit aus dem Markt gedrängt wird. Da gibt es gute Beispiele von Uber bis zu den Reisebuchungsportalen.

 

 

Wie wirken sich die jeweiligen wirtschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen auf zukünftige Entwicklungen aus?

Insbesondere die kulturellen Rahmenbedingungen sind der zentrale Faktor, ob und in welcher Dimension Innovation betrieben wird. Österreich befindet sich im sogenannten „Unsicherheitsvermeidungsindex“ an vorderster Front. Das bedeutet, dass die Menschen ohne Not nicht bereit sind, ein persönliches Risiko einzugehen. Bei den Hochqualifizierten befindet sich die Selbstständigenrate deutlich unter dem Gesamtschnitt der Bevölkerung. Das sollte eigentlich umgekehrt sein. Die gut Qualifizierten haben offensichtlich ausreichend gute Alternativen zur Innovation und auch zum Unternehmertum.

 

Wo wird Innovation in den kommenden Jahren vorwiegend stattfinden? (Startups, Unis, Unternehmen, Hubs?)

Innovative Menschen sind sehr mobil. Sie werden dorthin gehen, wo sie den größten Freiraum für ihre innovative Kraft vermuten. Das findet heute schon im Silicon Valley statt. 80 % der Unternehmensgründer dort sind MigrantInnen, das heißt, die kommen nur dorthin, weil sie ein Unternehmen gründen wollen und davon ausgehen, dass sie in dieser Region die besten Rahmenbedingungen wie Toleranz und Offenheit für Neues vorfinden. Österreich ist derzeit kein Einwanderungsland für GründerInnen.

 

 

Ein typischer Denkfehler unseres Kulturraums zur Innovation?`

Die Gefahr unserer Wissensgesellschaft ist, sich mit dem Wissen zufrieden zu geben und in eine Bequemlichkeit zu verfallen. Wir brauchen mehr Motivation, dieses Wissen auch umsetzen zu wollen. Mit dem neuen Programm “Global Innovation Expert“, das Innovation Orbit mit der WU Executive Academy der Wirtschaftsuniversität Wien durchführt, laden wir ein, sich intensiver mit den kulturellen Unterschieden in der Innovation auseinander zu setzen und das eigene Denkmodell um viele Facetten zu erweitern.

www.executiveacademy.at

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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