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Kampf gegen Ost-Konkurrenz: Ich bin Österreicher

25.07.2006

Der Einkauf billiger zahntechnischer Arbeiten, vor allem aus Ungarn, setzt den Zahntechnikern im Osten Österreichs seit etwa 25 Jahren arg zu. Etliche Labors mussten schließen, etliche dümpeln in seichten Gewässern, einige haben überlebt - bis jetzt. Im Interview Zahntechnikermeister und Laborinhaber Rudolf Hrdina aus Guntramsdorf. Interview Andrea Deutsch a.deutsch@wirtschaftsverlag.at

Foto Christina Häusler

die wirtschaft: Hatten Sie jemals den Gedanken, Ihren Betriebsstandort ins benachbarte Ausland zu verlegen?

Rudolf Hrdina: Ich bin Österreicher und in vielen Dingen patriotisch eingestellt. Es gab einmal den Gedanken, den Betriebsstandort ins benachbarte Ausland, konkret nach Ungarn zu verlegen, um Kosten - vorwiegend Lohnnebenkosten - einzusparen und österreichische Zahnärzte preisgünstiger beliefern zu können. Das war die Zeit, als der Boom bei großen Unternehmen einsetzte, Fertigungen in Billiglohnländer zu verlegen.

die wirtschaft: Welche Vorteile hätte Ihnen eine Betriebsverlegung nach Ungarn gebracht?

Hrdina: Die Statistik Austria hat in einer Aufstellung allgemeine Arbeitsstundenlöhne österreichischer und ungarischer Arbeitskräfte gegenüber gestellt. Darin lag Österreich bei 23,60 Euro und Ungarn bei 3,83 Euro. Dabei ist es nicht verwunderlich, dass Zahnersatz in Ungarn im Vergleich so billig ist. Bei uns verdient ein Zahntechniker im Schnitt 1.900 Euro, in Ungarn 400 bis 600 Euro monatlich. Es ist bekannt, dass etliche unserer Zahnärzte die technischen Arbeiten in Ungarn anfertigen lassen, sogar die Wiener Gebietskrankenkasse dachte eine Auftragsvergabe dorthin bereits an und erteilt Zuschüsse für im Ausland gefertigten Zahnersatz. Ich könnte auch eine höhere Gewinnspanne erwirtschaften, gäbe ich meine Aufträge nach Ungarn weiter, doch das kommt für mich, aus patriotischen Gründen, nicht in Frage. Außerdem trage ich Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeitern. Unser Labor beschäftigt derzeit 15 Mitarbeiter, davon sind drei Lehrlinge. Das sind, mit mir, 16 österreichische Arbeitsplätze.

die wirtschaft: Wie läuft Ihr Geschäft im Moment?

Hrdina: Mein Geschäft läuft gut, weil die Branche noch immer viel hergibt, man kann gut davon leben. Die Abhängigkeit von unseren Auftraggebern, den Zahnärzten, setzt uns aber immer stärker unter Druck. Es findet sich immer ein Techniker, im In- oder Ausland, der die Arbeiten billiger herstellt. Dass darunter die Qualität leidet, ist klar - unter Druck wird nie gut gearbeitet. Füge ich mich dem Preisdruck, stehe ich genau in der Ecke, in die ich aus ethischen Gründen nicht will. Füge ich mich nicht, verliere ich Aufträge.

die wirtschaft: Wie kann diese Tendenz beeinflusst werden?

Hrdina: Das Berufsbild des Zahntechnikers und das Qualitätsbewusstsein der Konsumenten gehören aufgebaut, um auf ein Preisniveau bestehen zu können. Die Wahl des Zahnarztes basiert auf Vertrauen, welcher Patient weiß schon, ob er sich in gute Hände begibt? Es müsste eine Art Qualitätskompass für Patienten publiziert werden, damit diese die Unterschiede in der medizinischen und technischen Betreuung erkennen und Arbeiten in Frage stellen. Das wäre Aufgabe des Vereines für Konsumenteninformation.

die wirtschaft: Könnten zahntechnische Arbeiten aus Österreich günstiger hergestellt werden?

Hrdina: Es gäbe auch in Österreich sicher Möglichkeiten, neben der hochwertigen individuellen Arbeit, für finanziell schwache Patienten eine Art Billigschiene mit unseren zahntechnischen Produkten zu etablieren. Die Arbeiten wären korrekt, aber universell gearbeitet. Der Zeitaufwand für die Herstellung wäre geringer. Doch wer garantiert uns, dass der Preisvorteil vom Zahnarzt auch an die Patienten weiter gegeben wird?

die wirtschaft: Haben Sie Vorschläge zu einer Steuererleichterung für Ihre Branche?

Hrdina: Zahntechniker sind seit 1997 von der unechten Mehrwertsteuerbefreiung betroffen. Wir verrechnen keine Mehrwertsteuer für unsere Arbeiten und führen keine Vorsteuer ab - das Material müssen wir aber mit Mehrwertsteuer einkaufen und bekommen sie nicht zurück. Alleine mit einer Gesetzeskorrektur an dieser Stelle, wäre unserer Berufsgruppe enorm geholfen.

die wirtschaft: Ist die EU-Erweiterung Schuld am KMU-Sterben?

Hrdina: Die Regierung macht für KMU gar nichts. Große Betriebe profitieren, wir Kleinen haben immer stärker zu kämpfen. Offensichtlich ist es der Regierung aber nicht wichtig, ob eine kleine Handwerksbranche, wie die der Zahntechniker, aufgrund rückläufiger Aufträge vom Wirtschaftsmarkt verschwindet. In Ungarn wird angeblich vieles an der Steuer vorbeigespielt, das ist in Österreich nicht möglich. Neue EU-Länder sollten vom Lohnniveau her an die alten angepasst sein, ein krasser Unterschied geht auf Kosten der einheimischen KMU.

die wirtschaft: Welche Möglichkeiten zur Kostensenkung Ihres Unternehmens sehen Sie noch?

Hrdina: Ich bin ein denkbar schlechter Geschäftsmann. Eine Kostenersparnis in meinem Labor wäre zum Beispiel der Materialeinkauf bei großen Händlern. Da ich aber die kleinen, mit denen ich schon jahrelang zusammen arbeite unterstützen will, bestelle ich weiter bei ihnen. Ich kann nicht über den Konsumtourismus nach Ungarn schimpfen und selbst die billigste Variante wählen.
(7-8/06)

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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