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Ist da jemand?

08.06.2018

Viele Unternehmer haben noch keinen Plan, wie sie die Digitalisierung konkret angehen sollen. Aktuelle ­Förderprogramme sollen nun Orientierung und Abhilfe schaffen. Ein Überblick.

Die Digitalisierung betrifft wirklich alle Unternehmen, und sie birgt enorme Chancen. In vielen Betrieben mangelt es aber an Ressourcen und an Know-how. Wer alle Hände voll zu tun hat, um bis zum Monats-ende einen Auftrag zu liefern, hat weder Geld noch zeitliche Kapazitäten für größere Umstellungen. Ein Bild, das auch durch eine Umfrage im Auftrag der WKÖ bestätigt wird: 84 Prozent der befragten Firmen in Österreich rechnen damit, dass digitale Technologien für ihr Geschäft in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen werden – aber nur 16 Prozent haben bereits eine digitale Strategie umgesetzt, und 26 Prozent entwickeln gerade eine solche. Deutlich wird in dieser Umfrage auch, dass der Mehrheit der befragten Firmenchefs detaillierte Kenntnisse und konkrete Impulse fehlen, wie die Umsetzung in ihrem Unternehmen aussehen könnte.

Programme von Bundesländern und aws 

Genau diese Lücke zu schließen ist das Ziel von mehreren aktuellen Förderprogrammen. Dabei gibt es Förderungen auf EU-Ebene, österreichweit und in den Bundesländern. Zumindest offiziell gelten die Grundsätze: keine Doppelförderung für ein und dasselbe Projekt, sowie Bund vor Land, wobei nach Projektende in einzelnen Bundesländern weitere Anschlussförderungen und Zuschüsse möglich sind. Infos dazu gibt es in den Wirtschaftskammern der Länder. Außerdem richtet sich auch das Austria ­Wirtschaftsservice bei Digitalisierungsprojekten gezielt an den Mittelstand, etwa mit Zuschüssen im Programm „aws Industrie 4.0“ für Projektvolumina bis zu einer halben Million Euro sowie mit vergünstigten ERP-Krediten bis zu 30 Millionen Euro. 

Zentrales Programm auf Bundesebene

Das derzeit wichtigste Förderprogramm zum Thema Digitalisierung auf Bundesebene heißt „KMU Digital“, gemeinsam initiiert vom Wirtschaftsministerium und der WKÖ mit einer Laufzeit mindestens bis Ende 2018. Das Besondere an diesem Programm ist der mehrstufige Aufbau, den sich Unternehmen ganz individuell zusammenstellen können. Pro Firma stehen 4.000 Euro zur Verfügung. Der allererste Schritt heißt „Status-Check“, dauert kaum eine Viertelstunde und ist kostenlos. Über ein kleines Programm unter www.kmudigital.at füllt jeder selbst einen Fragebogen zu seinem Unternehmen aus und bekommt am Ende eine erste Einschätzung seiner Ausgangslage. 

Dieses Ergebnis ist die Voraussetzung für den zweiten Schritt: eine Potenzialanalyse, die drei bis fünf Stunden dauert und deren Kosten voll übernommen werden. Gemeinsam mit zertifizierten Beratern des Fachverbands UBIT loten hier Firmenchefs ihre individuellen Möglichkeiten aus. Digitale Produktion, additive Fertigung, Webshops, Crowd-Sourcing und vieles mehr: Welcher der großen Digitalisierungstrends ist für das eigene Unternehmen besonders interessant – und welche Risiken gilt es abzuwehren? Wie kann die Reihenfolge der Projekte in der Umsetzung ausschauen, und was genau passiert dabei? 

Dreistufiger Ablauf

Danach geht es in die dritte Stufe: Etwa zwei Tage dauernde „Fokus-Beratungen“, in denen die UBIT-Spezialisten in der Firma einen konkreten Fahrplan ausarbeiten. Dabei gibt es drei Schwerpunkte, wobei die Kosten für jeden davon zur Hälfte mit 1.000 Euro gefördert werden und ein Unternehmen mehrere Schwerpunkte wählen kann. In Fokus A geht es um die Themen E-Commerce und soziale Medien. Hier stehen der Verkauf und Marketing über das Internet im Mittelpunkt. Fokus B widmet sich digitalen Geschäftsmodellen und Prozessen, etwa bei der Digitalisierung des Rechnungswesens, digitalen Hilfen in den internen Abläufen oder der Logistik. Fokus C schließlich untersucht die Lücken bei der hauseigenen Cyberabwehr und benennt konkrete Schritte zur wirksamen IT-Sicherheit und dem Datenschutz. 

Am Ende des Programms wissen die Verantwortlichen eines Betriebs nicht nur genau, wo ihre Firma beim Thema Digitalisierung steht – sie haben auch einen konkreten und maßgeschneiderten Fahrplan in der Hand, was zu tun ist. Und ein großer wolkiger „Megatrend“ wird damit greifbar. Bleibt nur noch die Umsetzung, also die eigentliche Arbeit.  

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