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IoT: Prozesse und immer wiederkehrende Arbeitsabläufe werden digitalisiert und damit effizienter

IoT: Wenn ­ Maschinen plaudern

19.10.2020

Geräte, die kommunizieren und rechtzeitig Bescheid geben, bevor sie ausfallen? Klingt verrückt – ist aber eines der Anwendungsbeispiele für das Internet der Dinge. Ein Überblick.

Porr tut es und Palfinger sowieso. Aber auch die knapp 11.700 Einwohner zählende, südsteirische Gemeinde Deutschlandsberg setzt auf moderne Technologien, um Prozesse und immer wiederkehrende Arbeitsabläufe zu digitalisieren und damit effizienter zu machen. Das Zauberwort lautet IoT. Was aber genau ist das Internet der Dinge, wie IoT in der deutschen Übersetzung genannt wird? Auf Wikipedia heißt es dazu etwas verklausuliert: „Das Internet der Dinge ist ein Sammelbegriff für Technologien einer globalen Infrastruktur der Informationsgesellschaften, die es ermöglicht, physische und virtuelle Gegenstände miteinander zu vernetzen und sie durch Informations- und Kommunikationstechniken zusammenarbeiten zu lassen.“ Klingt ein bisschen kompliziert, oder? 

Nur mehr ausrücken, wenn’s notwendig ist

Wagen wir deshalb den Sprung in die Praxis und sehen uns an, wo und wie IoT-Lösungen schon heute eingesetzt werden. Beispiel Deutschlandsberg: Um den Winterdienst effizienter zu gestalten, greift der Ort auf eine digitale Lösung zurück, die es ihm ermöglicht, Daten aus Sensoren der Straße, der Luft, von den Fahrzeugen und den Streusensoren der Winterdienste zu sammeln und in Echtzeit  zu übertragen bzw. zu analysieren. Der Einsatz der Streudienstfahrzeuge kann dadurch optimiert werden. Es müssen nur mehr wirklich notwendige Fahrten mit der richtigen Streumenge durchgeführt werden. Der automatisierte Workflow optimiert die Routen und reduziert die Umweltbelastung. Außerdem werden die Mitarbeiter geschont, weil sie nicht mehr unnötig ausrücken müssen. Zudem erkennt das System frühzeitig notwendige Wartungen an den Fahrzeugen – in der Fachsprache „predictive maintenance“ genannt. Ad Mitarbeiter: Bisher mussten diese Kontrollfahrten in der Nacht durchführen, um mögliche Gefahrenstellen auf Eis zu prüfen und, wenn nötig, Streugut auszubringen. Durch die IoT-Lösung können die Einsätze so gesteuert werden, dass nur mehr dort gestreut wird, wo es wirklich notwendig ist. „Möglichmacher“ des Digitalisierungsprojektes war neben dem Telekomkonzern Magenta der Software-Spezialist t-matix. Ein 2014 in der sprichwörtlichen Garage gegründetes Unternehmen, das – wie es der Zufall will – seinen Sitz in Deutschlandsberg hat. Von dort aus hat sich t-matix binnen weniger Jahre zu einem internationalen Player entwickelt, dessen IoT-Lösungen schon zahlreiche nationale und internationale Preise eingeheimst haben. Der Gründer und CEO des Unternehmens, Ralf Parfuss, wurde erst jüngst vom Magazin IndustryERA unter die Top 10 CEOs im Bereich Digitalisierung gewählt. 

Der Charme, der von t-matix entwickelten IoT-Plattform liegt unter anderem darin, dass maßgeschneidert IoT-Lösungen ohne Programmierung realisiert werden können. Die Plattform, die dafür sorgt, dass Geräte, Maschinen, Gebäude oder Fahrzeuge miteinander kommunizieren und Informationen austauschen können, wird aber nicht nur bei Smart-City-Lösungen wie in Deutschlandsberg eingesetzt. Eigene Branchenlösungen gibt es auch für den Bereich Bau & Construction sowie OEM Manufacturing.

Mehr Daten, weniger Kosten

So lässt etwa der steirische Metallrecycling-Anlagen-Spezialist ATM sämtliche Recyclinganlagen digitalisieren, um Informationen zu generieren und Ressourcen nachhaltig zu nutzen. Ziel des Digitalisierungsprojektes ist unter anderem, in naher Zukunft Daten zum Nutzungsverhalten, zur Produktoptimierung, zur Auslastung und für die Wartung zu gewinnen und zu analysieren. Die Daten werden an die IoT-Plattform übermittelt und dort in interaktiven Dashboards visualisiert. Via App sollen die Mitarbeiter über die genauen Wartungsintervalle informiert werden. Dadurch kann die Wartung mehrerer Maschinen effizient koordiniert werden. Das System informiert außerdem frühzeitig über Verschleißteile, die ausgetauscht werden müssen. Lieferungen und der Austausch sowie die Wartungen für die ATM-Anlagen können besser geplant und optimiert werden. ATM ist übrigens ein Unternehmen, das auf eine mehr als 80-jährige Tradition verweisen kann und in mehr als 90 Ländern über 1300 Maschinen und Anlagen installiert hat.

Digitaler Schnickschnack?

Apropos Tradition. Cranchi, 1870 gegründet und heute einer der führenden italienischen Bootsbauer, setzt nicht nur auf Perfektion im Bootsbau, sondern auch auf modernste Technik. Seinen Kunden bietet das italienische Unternehmen ein Monitoringsystem an, das via App gesteuert werden kann. Zum Einsatz kam diesfalls auch eine IoT-Lösung aus Feldbach, die mit Funktionen wie Live-Standort, Trips, Status der Bilgepumpe sowie Batterie- und Shore-Power-Überwachung ausgestattet ist. Manche mögen das vielleicht als digitalen „Schnickschnack“ abtun, anderseits: Wer für eine mittelgroße Yacht wie die Cranchi T36 Crossover mehr als eine halbe Million Euro lukrieren möchte, muss seinen Kunden schon etwas mehr bieten als Spitzen-Design und perfektes Handwerk. Wenngleich Letzteres für den Top-Ruf des Unternehmens verantwortlich ist.

Auch der Baukonzern Porr nutzt die Technologie, um effizienter zu werden. Porr hat mehr als 4000 Baufahrzeuge via IoT-Plattform vernetzt, um den Einsatz und auch die Wartung der Baufahrzeugflotte zu optimieren. Kein unbedingt leichtes Unterfangen, denn die Bedingungen auf einer Baustelle sind mitunter durchaus herausfordernd. „Sinn und Zweck der Übung“ war bzw. ist es, den einst hohen manuellen Planungsaufwand für den Einsatz von Maschinen zu reduzieren. ­Außerdem sollen mögliche Ausfälle kompensiert und die Wartung der Maschinen geplant werden – sprich der Einsatz der Fahrzeuge sollte effizienter werden, um so die Kosten zu minimieren. Kleiner Nebeneffekt: Durch die Echtzeitortung der Maschinen tun sich eventuelle Diebe ein schwerer, das entwendete Gerät zu „verstecken“.  

Messbar mehr Umsatz

IoT-Lösungen helfen aber nicht nur, durch den effizienteren Einsatz von Maschinen Kosten zu sparen, sie können auch dazu beitragen, den Umsatz zu steigern. Das zumindest hat sich das österreichische IoT-Start-up ToolSense auf seine Fahnen geheftet. Das 2017 gegründete Unternehmen hat erkannt, dass intelligente After­sales-Prozesse, die Maschinenbauer, Maschinenhändler und Endkunden via IoT-Plattform vernetzen, dazu beitragen können, den Umsatz im Aftersales-Prozess zu steigern. Laut ToolSense zählt zu den messbaren Erfolgen seiner Lösungen neben einer Einsparung von bis zu 90 % der Prozesskosten im Kundenservice auch eine Umsatzsteigerung von mehr als 25 % im Aftersales-Bereich. Zu den Kunden von ToolSense zählen unter anderem Tyrolit und der deutsche Traditionsbetrieb Stihl, weltweit führender Hersteller von Motorsägen. 

Last but not least noch einmal kurz zu Palfinger. Mit seiner Tochter Strucinspect, die die Inspektion von Brücken und Bauwerken mit digitalen Methoden revolutioniert, hat sich der in Österreich vor allem als Kranhersteller bekannte Konzern ein zusätzliches digitales Standbein geschaffen, von dem er sich einiges erwartet.

Text: Harald Fercher

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