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Der Kunstmarkt boomt: Bei Versteigerungen im Wiener Dorotheum konnten dieses Jahr für diverse Werke Rekordpreise erzielt werden.

Investieren in Kunst

28.11.2019

Die Nullzinspolitik der Zentralbanken lässt das Interesse an alternativen Anlageformen stark steigen – vor allem im Bereich Kunst. So eine Investition ist zwar komplexer als bei manchem Wertpapier, dafür aber ästhetischer.

Das Jahr 2019 ist ein gutes Jahr für das Wiener Dorotheum. In dem mit Abstand größten Auktionshaus im deutschen Sprachraum und einem der ältesten der Welt wird gut sichtbar, wie die Stimmung am Kunstmarkt gerade ist – etwa bei einer großen Auktion diesen Sommer. Bei dem Gemälde „Bon Espoir (Paysage avec personnages)“ von Jean Dubuffet, dem Begründer der Kunstbewegung Art Brut, läutete erst bei einem Gebot von 735.000 Euro die Auktionsglocke – weitaus mehr als Beobachter erwartet hatten. „Judy Garland and Liza Minelli“, eine Serigrafie von Andy Warhol, war einem anonymen Käufer 479.000 Euro wert. Auch Werke österreichischer Künstler waren überaus begehrt. „Hof am Wilden Kaiser“, ein Schneebild des Tirolers Alfons Walde, wechselte um 412.000 Euro den Besitzer. Und das großformatige Gemälde „Jahrmarkt des Lebens“ des Wieners Oskar Laske erreichte mit rund 180.000 Euro den höchsten jemals für dieses Bild gezahlten Betrag. Ähnliche Zahlen kommen auch vom Auktionshaus Kinsky, ebenfalls in Wien, oder von den großen internationalen Auktionshäusern Christie’s und Sotheby’s in London und New York. Seit dem Jahr 2000 wächst der Umsatz bei Kunstauktionen in den Häusern von Christie’s und Sotheby’s mit einer kurzen Unterbrechung um etwa 14 Prozent pro Jahr, heißt es im „Art & Finance Report“ der Unternehmensberatung Deloitte. Auch der Käuferkreis wächst. Zu den Investoren aus Europa und Nordamerika kommen ständig neue und überaus solvente Käufer aus China und dem arabischen Raum hinzu. Rund 2.000 Milliardäre gibt es derzeit weltweit laut „Forbes“. Ihre Zahl wird dem Magazin zufolge in den kommenden Jahren stark zunehmen.

NIEDRIGE ZINSEN, HOHE ERWARTUNGEN

Für viele von ihnen ist Kunst nicht mehr einfach nur ein Prisma und ein ästhetisches Spiegelbild von Geist, Kultur und Geschehen, sondern eine renditeträchtige Ware. Diese Entwicklung wiederum ist Teil eines Megatrends unserer Zeit – der Ökonomisierung von praktisch allen Bereichen der Gesellschaft. Die Umwandlung der Kunst in ein Investitionsobjekt hat allerdings ganz konkrete Treiber: Seit der Finanzkrise verharren die Leitzinsen auf historischen Tiefstständen, während die Zentralbanken über Anleihekäufe immer neue Milliarden in den Markt pumpen. Das viele Geld der Finanzmärkte fließt in den stark schwankenden Aktienhandel, in Anleihen, Immobilien – oder eben in alternative Anlageformen wie Kunst.

Denn verlockend ist Kunst als Investitionsobjekt tatsächlich, weil Kunstwerke bestimmter renommierter Künstler als solide und wertbeständig gelten. Und davon können mittelständische Unternehmen genauso profitieren wie große. Ein Beispiel ist die Münchner Hypovereinsbank, die wie die Bank Austria zur italienischen Unicredit gehört. Diese Bank hält rund 15.000 Kunstwerke in ihrem Portfolio, von denen einige heute die Filialen des Hauses schmücken. Experten der Bank zufolge beginnt eine Investition in Kunst etwa ab 50.000 Euro. „Die Chancen, dass nach mehreren Jahren aus diesem Betrag einmal 200.000 Euro werden, sind dabei gar nicht einmal so schlecht“, schreibt dazu die HVB. Experten der Universität Luxemburg haben eine etwas andere Meinung. Die versprochenen Zuwächse stimmen in den meisten Fällen nicht, so das Ergebnis einer Studie der Universität. Den Berechnungen dieser Studie zufolge sei die Rendite im Zeitraum 1960 und 2013 nicht zweistellig, sondern betrage lediglich 6,3 Prozent. Allerdings ist auch das in Zeiten von Nullzinsen ein beträchtlicher Anstieg. Tatsächlich kann man beobachten, wie die am Markt zu erzielenden Preise für einige große Namen über die Jahre zulegen. Die konkreten Zahlen dazu liefern einschlägige Datenbanken wie Artnet, Lottissimo, Mutual Art oder Artprice. Beachtliche Zuwächse gibt es etwa bei vielen der sogenannten „Alten Meister“, also bei Künstlern vor dem 18. Jahrhundert ebenso wie in der „Klassischen Moderne“ und vor allem bei zeitgenössischen Malern des 20. Jahrhunderts, bei denen oft der stärkste Wertzuwachs angenommen wird.

Eine wichtige erste Orientierung bieten etablierte Kunstmessen, etwa im Bereich zeitgenössischer Kunst die Kölner Art Cologne. Ein interessanter Termin für alle, die nicht gleich den Gegenwert eines Einfamilienhauses investieren möchten, sind Kunstmessen wie die jährlich in Hamburg, London und anderen Städten stattfindende „Affordable Art Fair“. Auf dieser Messe werden ausschließlich Kunstwerke bis zu einer Obergrenze von etwa 10.000 Euro gehandelt.

Aber auch im Wiener Dorotheum muss man nicht gleich siebenstellige Beträge investieren. Im September etwa wechselte die Zeichnung „Liebespaar“ von Gustav Klimt um rund 100.000 Euro den Besitzer. Ende November steht hier ein bis dato noch unbekanntes Manuskript von Egon Schiele zum Verkauf. Der Preis dafür wird vom Auktionshaus auf 20.000 bis 40.000 Euro taxiert. Dieses Manuskript handelt übrigens vom Wesen der Kunst an sich – ein Begriff wie Rendite kommt darin wahrscheinlich kein einziges Mal vor.

 

Autor/in:

PETER MARTENS

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