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Es gibt viele Gründe, warum Mitarbeiter verschiedener Kulturen aneinander vorbeireden

Interkulturelle Missverständnisse

31.03.2020

Wollen tun sie ja alle. Aber können tun sie nicht. Sieben Gründe, warum ­Mitarbeiter verschiedener Kulturen aneinander vorbeireden. 

1 Kommunizieren: bold oder italic

Es gibt kontextarme und kontextreiche Kulturen. Die Niederlande gelten als kontextarm: Man meint genau das, was man sagt. No hidden agenda. Frankreich ist kontextreich: Die Botschaften sind vielschichtig, mit feiner Ironie gespickt, und es wird erwartet, dass der andere die Anspielungen versteht. Was er oft nicht tut. 

2 Feedback geben: kratzig oder smooth ­

Israel ist berüchtigt für schmerzhaft direkte Bewertungen, klar und unmissverständlich. Ganz anders Großbritannien: Dort klingt alles höflich, diplomatisch und ist leicht zu schlucken. Auch wenn es gar nicht so gemeint ist: „Such a pity“ heißt etwa: „Ich bin stinksauer.“ 

3 Überzeugen: Kopf oder Schwanz zuerst

In Deutschland geht es ums Prinzip: Erst werden die Fakten dargelegt, dann wird das Team überzeugt. In den USA weiß der CEO längst, was er will. Er präsentiert seine Entscheidung und schießt nur ein paar Fakten nach, die sie untermauern. Die, die dagegensprechen, lässt er unter den Tisch fallen.

4 Führen: Gott oder Ameise

Der Begriff Machtdistanz beschreibt, wie erhaben sich der Chef über seine Leute fühlt. In Japan ist er gottgleich und unantastbar, die Machtdistanz ist riesig. In egalitären Kulturen wie etwa den Niederlanden gibt sich der Chef als Gleicher unter Gleichen – solange alles passt. 

5  Entscheiden: einsam oder gemeinsam

Noch einmal USA. Vorgeblich egalitär sind CEO nicht erst seit Donald Trump für ihre einsamen Starker-Mann-Entscheidungen berühmt. Die müssen nicht bis ins letzte Detail durchdacht sein, das entwickelt sich am Weg. Hauptsache, es geht etwas weiter. Gegenpol ist Deutschland: Dort ist Konsens wichtig. Deshalb dauern Abstimmungen so lang. Man will es gleich richtig machen.

6 Planen: ernst gemeint oder nur zum Spaß

Deutsche planen gerne. Und gut (außer beim Berliner Flughafen). Ein Vorhaben, ein Termin. Ein verbindlicher Termin, der auch durchgezogen wird. Through-timer nennen das die Chronopsychologen. Ganz anders der arabische und der lateinamerikanische Kulturraum. Dort sagt man „Mañana“, was typisch für In-timer ist. Morgen ist auch noch ein Tag, ein Termin ist nur ein Vorschlag und der Moment wichtiger als der Plan. 

7 Streiten: Freund oder Feind

In Italien oder Spanien streitet man gern. Mit Leidenschaft! Konfrontationen sind hilfreich, reinigen die Luft, und nachher ist alles wieder gut. In ganz Asien wäre die Beziehung danach beendet. Emotional zu werden heißt dort, das Gesicht zu verlieren. Und das ist ziemlich schlimm. 

Text: Mara Leicht

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