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Cornelia Plank

Innovation ist der beste Dünger

15.05.2019

Bio ist zu wenig. Wer als Bauer heute überleben will, muss mehr bieten. Wir zeigen, wie heimische Unternehmen den Kampf gegen Preisdruck, internationale Konzerne und die Auswirkungen des Klimawandels gewinnen können.

Rainer Allacher, Winzerhof Allacher
Martin Saahs, Nikolaihof

Die überwiegend klein strukturierte Landwirtschaft in Österreich wird es langfristig nicht schaffen, den ständig tobenden Preiskampf zu überleben. Gefragt sind Nischenprodukte abseits der Massenproduktion – in exzellenter Qualität, die auch ihren Preis haben kann. Für die heimischen Bauern bedeutet das, verstärkt unternehmerisch zu agieren und dabei neue Wege zu suchen. „Jetzt biologisch zu produzieren ist ein Kinderspiel. Früher stand dabei die Existenz auf dem Spiel“, erinnert sich Rainer Allacher vom gleichnamigen Winzerhof.

Dass in der Landwirtschaft viele Innovationen aus rein wirtschaftlichem Überlebenskampf geboren werden, zeigen folgende Zahlen. Seit dem EU-Beitritt Österreichs im Jahr 1995 hat ein Drittel der Bauern ihre Land- und Forstwirtschaft aufgegeben. Derzeit gibt es noch rund 160.000 Haupt- und Neben- Fotos: beigestellt Bio ist zu wenig. Wer als Bauer heute überleben will, muss mehr bieten. Wir zeigen, wie heimische Unternehmen den Kampf gegen Preisdruck, internationale Konzerne und die Auswirkungen des Klimawandels gewinnen können. D Cornelia Plank: „Wir haben den ,Mercedes‘ unter den Pilzen und das schmeckt man.“ Innovation ist der beste Dünger erwerbsbauern. Viele der Ursachen für dieses „Bauernsterben“ sind bekannt: steigender Preisdruck, übermächtige Konzerne als Konkurrenz. Oder der Mangel an Nachfolgern für den Hof.

FREILANDPRODUKTION VOR DEM AUS? Nicht zu vergessen die Auswirkungen des Klimawandels, welche die Landwirtschaft nachhaltig verändern. „In 50 Jahren werden wir in Tirol nicht mehr im Freiland produzieren können in der Art und Weise, wie wir es heute tun“, wagt Cornelia Plank eine nicht unwahrscheinliche Prognose. Ihre Familie hat ihre Wurzeln im Gemüsebau. „Dieser wird sich in Österreich langfristig in höhere und somit kühlere Regionen verlagern. Oder es gibt großteils einen geschützten Anbau, der das ganzjährige Produzieren ermöglicht“, so Plank. Sie selbst hat vor Jahren eine Nische gefunden, in der sie auch wirtschaftlich reüssieren kann. „Mit den großen Produzenten im Ausland mitzuhalten, das hat vor 40 Jahren noch funktioniert. Heute nicht mehr“, meint die Unternehmerin. „Wir müssen etwas anderes machen“, war daher ihr erklärtes Motto.

Cornelia Plank: „Wir haben den ,Mercedes‘ unter den Pilzen und das schmeckt man.“

DER „MERCEDES“ UNTER DEN PILZEN Heute produziert sie 12.000 Kilogramm Biopilze – und das pro Woche. Unter der Marke Tiroler Bio Pilze finden sich Champignons, Shiitake oder auch Portobellos. Beim Anbau setzt die Pilzzüchterin auf Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit. Und verlangt mit großem Selbstbewusstsein auch einen entsprechenden Preis dafür: „Wir haben den ,Mercedes‘ unter den Pilzen und das schmeckt man – nach dem Motto: Qualität statt Quantität.“ Dafür enthält der Tiroler Pilz laut der Züchterin auch um die Hälfte weniger Wasser. „Ähnlich wie beim Fleisch benötigen die Kunden für eine Portion zu Hause dann eben nur 200 Gramm statt 400 Gramm“, so Plank.

„WIR WURDEN AUSGELACHT“ Dass nicht nur wirtschaftliche, sondern auch gesundheitliche Gründe zum Umdenken in der Landwirtschaft führen, zeigt die Entwicklung am Winzerhof Allacher in der Weinbaugemeinde Gols. „Meine Schwester hat unter Neurodermitis gelitten. Das hat meine Eltern damals zum Nachdenken angeregt: Liegt die Ursache in der Ernährung? Oder sind es Umwelteinflüsse?“, erinnert sich Rainer Allacher. Also hat sein Vater sich entschlossen, auf biologischen Weinbau zu setzen. Und das zu einer Zeit, als „bio“ für die meisten noch ein Fremdwort war. „Die Leute haben uns ausgelacht“, so der Weinbauer. Das Know-how dafür in Österreich hat weitgehend noch gefehlt. Die Winzerfamilie hat sich daher externe Berater aus Deutschland und Frankreich geholt, um in biologischer Qualität produzieren zu können. „Die breite Masse hat dann ab 2005 auf diese Produktionsweise umgestellt. Heute ist es ein Kinderspiel“, weiß Allacher.

„Die Leute haben uns ausgelacht“ Rainer Allacher, Winzerhof Allacher

ALLEINSTELLUNGSMERKMAL DRINGEND GESUCHT Und damit als Alleinstellungsmerkmal natürlich zu wenig. Daher hat er etwas gesucht, das als Kombination zum biologischen Weinanbau passt. Heute reicht die Palette von nahezu histamin- oder fructosefreiem Wein bis hin zu Weinen, die nur ungefähr die Hälfte des gesetzlichen Höchstwertes an Sulfit aufweisen. Sogar veganer Wein scheint im Angebot auf. „Grundsätzlich ist Wein natürlich von Natur aus vegan. Allerdings werden in der Kellerwirtschaft sehr häufig Schönungsund Klärungsmittel eingesetzt, die tierischer Herkunft sind. Alle Weine, bei denen wir auf diese ,Hilfsmittel‘ verzichtet haben oder bei denen überhaupt keine benötigt wurden, sind somit für Veganer geeignet“, erklärt der Winzer.

Kann ein Weingut – abgesehen vom Wein – noch anders genutzt werden? Diese Frage hat sich Martin Saahs, der jüngste Sohn der Winzerfamilie vom Nikolaihof Wachau, Österreichs ältestem Weingut, gestellt. Gefunden hat er rund zehn Rohstoffe am Hof, die zum Teil noch völlig ungenutzt waren. „Die Lindenblüten etwa, die bisher einfach nur zu Boden fielen“, erzählt Saahs. Genauso wenig beachtet wurden bis dato Traubenkerne, Safran oder Holunderblüten. Daraus hat sich eine demeterzertifizierte Biokosmetiklinie unter dem Namen dieNikolai, deren Produkte auf Traubenkernöl beruhen, entwickelt.

WERTVOLLE „TRÄNEN DES WEINSTOCKS“ Ganz ohne menschliches Zutun entsteht auch ein anderer Rohstoff, bekannt als die „Tränen des Weinstocks“. Dieses Rebwasser ist jene Flüssigkeit, die der Rebstock nach dem Winterschlaf durch seine Zweige fließen lässt, um den Stock zu aktivieren. Sind die Rebzweige zuvor vom Winzer für ein kontrolliertes Wachstum der Triebe geschnitten worden, tropft das Rebwasser an ihrer Schnittstelle heraus. „Wir haben heuer rund 300 Flaschen auf die Rebstöcke gehängt, um dieses Wasser zu sammeln“, so Saahs. Genutzt wird diese Flüssigkeit, die ursprünglich den Rebstock vor Pilzen schützen soll und Bakterien abwehrt, für das Augenserum.

„Durch die biodynamische Landwirtschaft hat sich die Gesundheit des Bodens gebessert.“ Rainer Allacher, Winzerhof Allacher Martin Saahs, Nikolaihof

BIODYNAMISCHE LANDWIRTSCHAFT STÄRKT DEN BODEN Dass Nachhaltigkeit – am Nikolaihof wurde schon 1971 mit der biodynamischen Landwirtschaft begonnen – und Wirtschaftlichkeit kein Widerspruch sind, zeigt nicht nur der unternehmerische Erfolg. Die Kosmetiklinie die- Nikolai wird inzwischen in fünf Ländern in über 100 Biound Kosmetikläden vertrieben. Neben der sehr großen Nachfrage an der Kosmetik florieren aber auch Boden und Pflanzen. „Durch die biodynamische Landwirtschaft hat sich die Gesundheit des Bodens gebessert, die Rebstöcke wurden stärker und resistenter. Das hilft uns auch im Kampf gegen die Auswirkungen des Klimawandels“, meint der Unternehmer.

 

Autor/in: 

Markus Mittermüller

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