Direkt zum Inhalt

INKLUSION

15.05.2019

Wenn Unternehmen Menschen mit Behinderungen ausgrenzen, verlieren sie wertvolle Mitarbeiter und potenzielle Kunden. Welche Vorurteile es zu überwinden gibt und was die Politik tun muss, erklärt Gregor Demblin, Gründer des Beratungsunternehmens myAbility und selbst seit seinem 18. Lebensjahr querschnittgelähmt.

INTERVIEW STEPHAN STRZYZOWSKI

15 Prozent der Kunden und der Mitarbeiter von jedem Unternehmen sind von Behinderung betroffen. Eine Erwerbstätigkeit wird oft aufgrund von Vorurteilen verhindert. Vielfach vermuten Unternehmen etwa eine verminderte Leistungsfähigkeit. Meistens stimmt das aber nicht. Auch die Angst vor Krankenständen und Unkündbarkeit steht im Raum. Dazu kommen tiefer liegende Ängste und Vorurteile: Wie spreche ich richtig? Wie gehe ich damit um? Das führt in Summe dazu, dass sich Unternehmen dagegen entscheiden.

Was der Wirtschaft dadurch entgeht Dadurch verzichten sie auf einen großen Talentepool und auf das Know-how, wie man Kunden mit Behinderung am besten erreichen kann. In der Praxis zeigt sich, dass Menschen mit Behinderung sehr loyale Mitarbeiter sind, die viel tun, um zu bleiben. Darüber hinaus wirkt sich die Integration positiv auf die ganze Belegschaft aus. Sie sieht, dass der Arbeitgeber sich auch für Soziales interessiert.

Woher die falschen Vorstellungen kommen Studien zeigen, dass Bilder von Behinderung bei vielen Menschen Angst auslösen. Sie denken: So könnte es mir auch gehen – und gehen automatisch in Abwehrhaltung. Auch die Wortwahl ist unglücklich. Behinderung heißt, etwas nicht können. Das stimmt aber nicht. Ein Rollstuhlfahrer mit einem Schreibtischjob oder ein gehörloser Programmierer erledigen ihre Arbeit genauso gut.

Wieso es um die bestehende Mannschaft geht Alle glauben immer, dass es beim Thema Behinderung vor allem um Recruiting geht. Aber der große Teil der Behinderungen wird während des Berufslebens erworben. 80 Prozent treten im Alter zwischen 18 und 65 auf. Auch wenn man keine Menschen mit Behinderung einstellt, hat man trotzdem welche in der Belegschaft. Dazu zählen auch Einschränkungen im Seh- oder Hörvermögen. Zwei Prozent der Mitarbeiter erwerben jedes Jahr eine Behinderung. Wenn die Unternehmenskultur so ist, dass es die Leute verstecken, verliert man Produktivität. Wenn sie es sagen können und Hilfe bekommen, hat das Unternehmen Vorteile.

Was sich ändern muss Vor allem die Politik muss aktivwerden. Die Arbeitslosigkeit geht aktuell zurück, während die Behindertenarbeitslosigkeit in den letzten Jahren massiv steigt. Die Politik macht trotzdem völlig fantasielos das Gleiche wie eh und je. Sie buttert in nicht funktionierende Lösungen einfach noch mehr Geld. Wir brauchen eine professionelle Personalvermittlung, die übergeordnet an die Unternehmen herangeht, sie auf Augenhöhe informiert und unterstützt. Es braucht ein Umdenken und Mut für neue Ansätze.

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
Werbung

Weiterführende Themen

Sieht großen Aufholbedarf in der Wiederverwertung von Elektronikgeräten:  Karl Schmidt, WKÖ-Wirtschaftsdelegierte in Warschau.
Meinungen
03.09.2019

Unser Bewusstsein zur Abfallvermeidung und zum Recycling wird konstant geschärft. Doch was tun mit Abfall, der bereits besteht oder sich gar nicht vermeiden lässt? Mit diesen Herausforderungen ist ...

Meldungen
22.08.2019

17 Ziele, zahlreiche Chancen. Wie viel Innovationskraft in den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen steckt, erfahren Teilnemer am 16. und 17. Oktober beim ...

Meldungen
13.08.2019

Bei den Österreichischen Tagen der Diversität können Betriebe unter dem Hashtag #teamvielfalt  ...

"Nur dagegen sein, ist kein Programm", kritisiert Hans Harrer die heimische Politik.
Meinungen
13.08.2019

Die Wahrheit sei zumutbar und Neinsagen dürfe kein politisches Umweltprogramm sein, meint Hans Harrer, Vorstandsvorsitzender des Senat der ...

Carployee v.l.n.r.: Gernot Panholzer (CPO), Albert Vogl-Bader (CEO), Moritz Wenko (CTO) und Kambis Kohansal Vajargah (COO)
Recruiting
25.07.2019

Ausbildungsbetriebe, die außerhalb von Großstädten liegen, haben es noch schwerer als alle anderen. Jugendliche sind oft nur in Richtung Großstadt mobil, denn in die Stadt gibt es in den ...

Werbung