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Die infrastrukturpolitischen Prioritäten der österreichischen Manager an die Adresse der Regierungsverhandler sind aus Sicht von Studien-Autor David Ungar-Klein klar formuliert.

Infrastrukturreport 2020 belegt: Digitale Investitionen zahlen sich aus

05.11.2019

Geht es nach Österreichs Managern, ist die größte Herausforderung für die Infrastruktur des Landes nicht der Klimawandel, sondern die Digitalisierung. Das zeigt der Österreichische Infrastrukturreport 2020 der Initiative Future Business Austria, der am Montag in Wien präsentiert wurde. Die Ergebnisse im Überblick.

Diese Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: 52 Prozent der befragten Entscheider nennen den digitalen Wandel als entscheidend, 33 Prozent den Klimawandel und nur 13 Prozent den demografischen Wandel. „Die infrastrukturpolitischen Prioritäten der österreichischen Manager an die Adresse der Regierungsverhandler sind damit klar formuliert“, bilanziert Studienautor David Ungar-Klein. Die hohe Relevanz der digitalen Infrastruktur zeigt sich auch an den Einschätzungen zu mangelnden Investitionen in diesen Bereich. Gibt es zu wenige Investitionen in Breitband und Digitalisierung, gehen 80 Prozent der Befragten davon aus, dass der Wirtschaftsstandort Österreich zurückbleibt. 37 Prozent erwarten den Verlust von Arbeitsplätzen.

Digitaler Infrastrukturausbau sichert 58,7 Milliarden Euro

Sorgt Österreich hingegen für eine erstklassige digitale Infrastruktur, bei der gerade die 5G-Technologie als neue Meta-Infrastruktur eine Schlüsselrolle spielt, so kann der Standort von einer erheblichen Produktivitätssteigerung durch den Einsatz neuer digitaler Anwendungen profitieren. Nach Schätzungen der Manager beträgt das Produktivitätssteigerungspotenzial durch neue digitale Anwendungen enorme 15,2 Prozent. Eine Modellrechnung für den Österreichischen Infrastrukturreport 2020 auf Basis des Bruttoinlandsprodukts (BIP) 2018 zeigt: Die Realisierung dieses Potenzials würde für Österreich eine Produktivitätssteigerung von rund 58,7 Milliarden Euro möglich machen. „Setzt man diese zusätzliche Wertschöpfung in Relation zu den kolportierten Kosten des 5G-Ausbaus von zehn Milliarden Euro, wird deutlich, wie wichtig diese Investitionen für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts sind. Damit sollte auch für die nächste Bundesregierung klar sein: Gerade in konjunkturell fordernden Zeiten sind Investitionen in die digitale Infrastruktur Österreichs bestens investiert: Ein investierter Euro bringt sechs Euro Wertschöpfung“, resümiert Bernhard Felderer, volkswirtschaftlicher Experte des Österreichischen Infrastrukturreports 2020.

All-time-high für Infrastruktur

Der Österreichische Infrastrukturreport 2020 zeigt auch an, wie sich der Stellenwert der Infrastruktur in den vergangenen Jahren verändert hat. „Wir verzeichnen heuer ein All-time-high: Für 69 Prozent der befragten Manager – 2007 waren dies nur 29 Prozent – stellt die Infrastruktur die wichtigste Größe für einen Wirtschaftsstandort dar. Das ist der höchste je erreichte Zustimmungswert. Die Wahrnehmung der Bedeutung des Infrastrukturfaktors hat sich damit in weniger als zehn Jahren mehr als verdoppelt“, so Studienautor Ungar-Klein.

Reichhardt: „Digitalisierung schafft Jobs“

Dass die Infrastruktur als sehr wichtig für den Standort angesehen wird, ist als äußerst positiv anzusehen, denn der Ausbau, etwa für 5G, stellt durchaus Herausforderungen dar. Andreas Reichhardt, Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technik, stellt klar: „Im Bereich der Kommunikationsinfrastruktur – dem Fundament der Digitalisierung – ist eine flächendeckende Verfügbarkeit von Gigabit-Anbindungen und 5G ein durchaus ambitioniertes, jedoch relevantes Ziel.“ Zur Digitalisierung im Allgemeinen erklärt Reichhardt: „Digitalisierung schafft Jobs, denn sie trägt nicht zuletzt wesentlich zur Attraktivierung und Sicherung des heimischen Wirtschaftsstandortes bei. Allerdings werden sich die Berufe zukünftig verändern - ebenso wie die Qualifikation steigen wird müssen. Wie sich bereits heute zeigt, wandert die arbeitsintensive Industrie vermehrt Richtung China ab. Als digitaler Frontrunner kann es Österreich durchaus gelingen, bereits abgewanderte Unternehmen wieder an den ursprünglichen Standort zurück zu bringen. Wir müssen aufhören, Digitalisierung als Gefahr zu sehen und stattdessen viel mehr die mit sich bringenden Chancen nutzen.“

Prioritäten für Infrastruktur-Ausbau

Mit Blick auf das Programm der nächsten Bundesregierung sind auch die Einschätzungen der befragten Manager relevant, welche Infrastrukturausbauprojekte für die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs hohe Priorität haben. Dabei führen mit klarem Abstand die Forderungen nach dem Ausbau neuer Technologien für den Klimaschutz (89 Prozent) bzw. für Energieeffizienz (81 Prozent) vor der Sicherung gegen Cyber- und Terrorangriffe (64 Prozent) und dem Ausbau des 5G-Mobilfunkstandards (57 Prozent) sowie der Bahnhochleistungsstrecken (54 Prozent). Danach folgen die Breitspuranbindung (44 Prozent) und der Bau der dritten Piste am Flughafen Wien (41 Prozent).

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