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(v.l.n.r.) DI Martin Zandonella, Dr. Martina Gaisch, Mag. Alfred Harl, Univ.-Prof. Dr. Norbert Wohlgemuth

IKT-Report verzeichnet eklatanten Mangel an IT-Fachkräften

31.01.2019

Bereits zum vierten Mal hat das Kärntner Institut für Höhere Studien im Auftrag des Fachverbands für Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) erhoben, wie es um das Thema IKT in Österreich steht. Der Befund fällt nüchtern bis düster aus: Der Wirtschaft fehlen Tausende Fachkräfte und aus dem universitären Bereich ist kein ausreichender Nachschub zu erwarten. Ein Überblick zu Ursachen und Forderungen.

„Der Weg zur digiNATION ist noch weit. Der vorliegende IKT Statusreport Nummer vier zeigt, dass der Handlungsbedarf hoch ist. Um an die internationale IT- Spitze zu gelangen, müssen wir umgehend handeln“, sagt Alfred Harl, Obmann des Fachverbands für Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) und erläutert: „Hochqualifizierte Fachkräfte im Informations- und Kommunikationstechnologiesektor (IKT) sind das Rückgrat der Digitalisierung: Die IT-Branche boomt! Der Gesamtwirtschaft fehlen 10.000 Fachkräfte für wichtige IT-Jobs in Österreich. Bis 2020 wird laut EU-Kommission europaweit sogar mit einer Lücke von rund einer Million IT-Arbeitskräften gerechnet“. Tatsächlich weist der aktuelle IKT-Statusreport wenig positive Tendenzen in der Entwicklung der Ausbildung qualifizierter IT-Fachkräfte in Österreich aus. Der Report dokumentiert die studentischen Ausbildungsstätten Österreichs hinsichtlich StudienbeginnerInnen, AbsolventInnen und DropOuts sowie deren Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Österreich.

Steigende Nachfrage nach InformatikerInnen und IT-Fachkräften

„Seit Jahren sucht die IT-Branche nach geeigneten Fachkräften. Gehen Sie auf jede beliebige Job-Vermittlungsplattform und suchen Sie nach IT-Stellen“, bekräftigt Martin Zandonella, UBIT-Fachgruppen-Obmann Kärnten und Berufsgruppensprecher der IT. Weiter sagt er: „Selbst die offenen Stellen beim AMS sind im letzten Jahr von 1.500 auf fast 2.400 gestiegen, obwohl viele Unternehmen dort keine offenen Stellen melden und die vom AMS ermittelte Anzahl nicht der Realität entspricht“. Der Gesamtwirtschaft fehlen damit über 10.000 qualifizierte IT-Fachkräfte. Diese können nur durch zusätzliche Ausbildungsplätze und geringere DropOut Quoten generiert werden. „Gesamtwirtschaftlich betrachtet sind die Kosten für eine Hochschulausbildung nur ein Bruchteil des Wertschöpfungsverlustes einer unbesetzten IT-Stelle. Dieser bedeutet derzeit für Österreich pro Jahr ca. 1,6 Milliarden Euro oder 160.000 Euro je unbesetzter IT-Stelle“, führt Martin Zandonella weiter aus.

Mehr Dynamik bei den IKT Studienzahlen an Fachhochschulen als an Universitäten

Die Ergebnisse des IKT-Statusreports Nummer 4 - erstellt vom Kärntner Institut für Höhere Studien (KIHS) – zeigen auf, wie es um die Studien der Informations- und Kommunikationstechnologie in Österreich steht. Studienleiter Norbert Wohlgemuth dazu: „An österreichischen Universitäten gibt es ca. dreimal so viele belegte IKT Studien als an Fachhochschulen, jedoch nimmt die Zahl die belegten Studien an Fachhochschulen deutlich rascher zu.“ Von den insgesamt im WS 2017/18 15.903 belegten ordentlichen Universitätsstudien in der Fachrichtung Informatik und Kommunikationstechnologie entfallen knapp zwei Drittel (10.481 Studien bzw. 65,9 %) auf Bachelorstudien. Die meisten Bachelorstudien wiederum werden an der Technischen Universität Wien (4.014) gefolgt von der Technischen Universität Graz sowie der Universität Wien (2.348 bzw. 1.607) belegt.

DropOut-Quoten zu hoch

Sehr beunruhigend sind vor allem auch die DropOut-Quoten im Studienzweig Informatik an den Universitäten mit 54% bei Bachelor- und 56,2% bei Masterstudien 2016/17. Im Bachelorstudium verzeichnet die Universität Wien im Studienjahr 2016/17 die höchste Abbrecherquote mit 58,4%, dicht gefolgt von der TU Wien mit 56,4%. Im Master liegt die Dropout-Quote auf der TU Wien sogar bei 66,3% und auf der Universität Wien bei 54,4%. „Wir brauchen mehr junge Leute, die als hochqualifizierte IT-Fachkräfte die Universitäten und FHs verlassen und der Wirtschaft zur Verfügung stehen“, meint Martin Zandonella. Technische Studiengänge erklären die hohen DropOut-Quoten sehr oft mit Job-Outs - also StudentInnen, die ohne Universitäts-Abschluss, direkt in den Arbeitsmarkt einsteigen. Davon unberührt sind viele StudentInnen, die in den ersten zweiten Semestern der Bachlorstudien abbrechen – hier gehen die meisten IT-Fachkräfte verloren, denn AbbrecherInnen in höheren Semestern scheinen für manche Unternehmen wertvoll.

An der TU Wien gibt es eine deutliche Reduktion der Bachelorstudien. Während im Wintersemester 2012/13 die Studienanzahl noch bei 5.056 lag, ist sie im Wintersemester 2017/18 auf 4.014 StudentInnen gesunken. Gegen alle Beteuerungen wurde die DropOut-Quote nicht wesentlich reduziert und die Anzahl der Bachelor StudentInnen sinkt. Dem Wirtschaftsstandort Österreich entsteht hier großer Schaden“, findet Martin Zandonella. „Eine Reaktion der Politik muss folgen, damit der digiNATION Masterplan aufgeht. Studien-AbsolventInnen sind das Rückgrat der digiNATION Österreich“, sagt Alfred Harl.

Imagebruch und Vorbilder dringend nötig

Martina Gaisch, wissenschaftliche Leiterin des Diversity Managements der FH Oberösterreich, hat sich mit ihren eigenen Studien damit beschäftigt, wie weibliche Studierende mit IKT-Studien umgehen und was nötig ist, damit auch mehr weibliche IKT-Absolventinnen aus den Universitäten und Fachhochschulen kommen. Der heurige IKT-Statusreport weist aus, dass sich 2017/18 nur 17,4% Frauen an den österreichischen Universitäten für ein IKT-Studium inskribiert haben. An den Fachhochschulen waren es dagegen schon 20,7%. „Junge Frauen halten ein Informatik-Studium oft für unschaffbar, unter anderem weil ihnen vom familiären und schulischen Umfeld davon abgeraten wird. Informatik ist heute ein Querschnittsthema, das sich durch alle Branchen zieht. Es ist nötig, die Vielfältigkeit der Berufsfelder aufzuzeigen und eine Imagekorrektur vorzunehmen – weg vom engen Berufsbild des Coders hin zu digitalen GestalterInnen der Zukunft. Hier braucht es auch weibliche Vorbilder. Sonst verzichten wir auf bis zu 50 % unseres Potenzials“, sagt Martina Gaisch.Jede Mengte Herausforderungen also, die nach konkreten Lösungsansätzen und raschen Aktionen verlangen.

digiNATION: „Die IT hat die Jobs der Zukunft!“

Deswegen will der Fachverband UBIT auch 2019 gemeinsam mit dem Ministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort und der Digitalisierungsagentur Maßnahmen umsetzen, damit Österreich ein starker Wirtschaftsstandort wird und bleibt. „In unserem digiNATION Masterplan zeigen wir Maßnahmen auf für Fachkräfte, Infrastruktur und UnternehmerInnen-Geist, um Österreich an die Spitze bringen – und auch internationale Höchstleistung zu bringen. Deswegen muss es für unsere Wirtschaft das oberste Ziel sein, diesem Masterplan zu folgen“, sagt Alfred Harl. „Erste Schritte sind gesetzt. Das Thema braucht Präsenz, bis verstanden wird, dass in der IT-Branche die Jobs der Zukunft liegen.“

Konkrete Forderungen an die Bundesregierung

„Um aus Österreich eine digiNATION zu machen, brauchen wir die Umsetzung konkreter Maßnahmen. Die Aufgabe ist es, die Anzahl der Studien-AbsolventInnen zu steigern, denn sie bilden das Rückgrat unserer digiNATION. Es braucht eine spezielle und nachhaltigere Stärkung der Informatik; sie ist Voraussetzung sowohl für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Österreich. Österreichische Unternehmen werden attraktiver, je mehr brillante und kreative Köpfe sie haben“, sagt Alfred Harl. Für unbesetzte Stellen und offene Studienplätze braucht es zusätzlich mehr Transparenz. Der Fachverband UBIT hat bereits ein Studierendenleitsystem vorgeschlagen, das zu einer besseren Bewirtschaftung der österreichweit verfügbaren Informatik-Studienplätze führen soll: Screens an öffentlichen Plätzen informieren verstärkt über noch verfügbare Studienplätze und rufen zum Handeln auf. „Österreich braucht eine ambitionierte IKT-, Standort- und Bildungspolitik und die Stärke, nicht nur Pläne zu schmieden, sondern diese auch umzusetzen. Wir müssen jetzt handeln!“, fasst Alfred Harl zusammen.

 

 

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