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Dr. Norbert Wohlgemuth, DDr. Sabine Seidler, Mag. Alfred Harl und DI Martin Zandonella.

IKT-Fachkräftemangel schadet Wettbewerbsfähigkeit

31.01.2020

Der IKT Statusreport #5 vom Fachverband UBIT zeigt akuten Handlungsbedarf in der IT-Ausbildung. Stagniert doch die  Zahl der IT-Hochschulabsolventen weiterhin. Eine Analyse zu Ursachen und Lösungsansätzen.

Der Fachkräftebedarf im IT-Sektor steigt seit Jahren kontinuierlich an und mindert die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Österreich. Der 5. IKT-Statusreport zeigt, dass der Schlüssel zum Erfolg in der Schaffung von ausreichend Ausbildungsplätzen und in der konsequenten Steigerung der Absolventenzahlen liegt“, sagt Alfred Harl, Obmann des Fachverbands für Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) und erläutert: „Hochqualifizierte Fachkräfte im Informations- und Kommunikationstechnologiesektor sind das Rückgrat der Digitalisierung: Die IT-Branche boomt – während im Lehrlingsbereich die Trendwende mit einem Plus von 7,5 Prozent Auszubildenden in der Sparte Information und Consulting gelungen ist, mangelt es im Hochschulbereich weiterhin an Spezialisten. Laut EU-Kommission wird 2020 europaweit sogar mit einer Lücke von rund einer Million IT-Arbeitskräften gerechnet“. Tatsächlich weist der jährlich präsentierte IKT-Statusreport #5 wenig positive Tendenzen in der Entwicklung der Ausbildung qualifizierter IT-Hochschulabsolventen in Österreich aus. Der Report dokumentiert die studentischen Ausbildungsstätten Österreichs hinsichtlich Studienbeginnern, Absolventen und Dropouts sowie deren Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Österreich.

Steigende Nachfrage nach InformatikerInnen und IT-Fachkräften

„Seit Jahren sucht die IT-Branche nach geeigneten Fachkräften und wir warnen schon seit Jahren vor diesen Entwicklungen. Die Zugangsbeschränkungen bei IT-Studienrichtungen verstärken diesen Mangel, da sich bei den Absolventenzahlen wie befürchtet keine positive Tendenz zeigt“, bekräftigt Martin Zandonella, UBIT-Fachgruppenobmann Kärnten und Berufsgruppensprecher der IT. Die dringend benötigten IT-Fachkräfte können nachhaltig nur durch zusätzliche Ausbildungsplätze und geringere Dropout-Quoten generiert werden. „Gesamtwirtschaftlich betrachtet sind die Kosten für eine Hochschulausbildung nur ein Bruchteil des Wertschöpfungsverlustes einer unbesetzten IT-Stelle. Dieser bedeuten derzeit für Österreich pro Jahr ca. 1,6 Milliarden Euro oder 160.000 Euro je unbesetzter IT-Stelle“, führt Martin Zandonella weiter aus.

Dropout-Quoten leicht rückgängig, aber weiterhin hoch

Bei den Dropout-Quoten ist ein leichter Rückgang zu vermerken. In Informatik- und Kommunikationstechnologiestudien in Österreichs Universitäten liegt sie bei 50,6% für Bachelor- und 54,0% für Masterstudien 2017/18, was deutlich über dem Schnitt aller belegten Studien liegt (Bachelor: 45,5 % // Master: 28,4%). Technische Studiengänge erklären die hohen Dropout-Quoten sehr oft mit Job-Outs - also Studenten, die ohne Universitäts-abschluss, direkt in den Arbeitsmarkt einsteigen. Dies gilt aber bestenfalls für Dropouts aus den Masterstudiengängen oder Bachelorstudenten in weit fortgeschrittener Studienphase. Jene Dropouts aus den frühen Bachelorsemestern gehen der IKT-Branche zum größten Teil ganz verloren.

Universitäten im Fokus

Am höchsten ist die Dropout‐Quote (Bachelor) an der Universität Wien, im Studienjahr 2017/18 lag diese bei 57,9 % (2016/17: 58,4 %), gefolgt von der TU Wien mit 52,4% (2016/17: 56,4%). Beim Masterstudium liegt die Dropout-Quote an der TU Wien sogar bei 62,4% und an der Universität Wien bei 52,9%. Auch die Informatiklehrgänge an Fachhochschulen zeigen ähnlich beunruhigende Zahlen: In Bachelorstudien liegt die Abbruchrate bei hohen 44,9 % im WS 2016/17 (alle Studiengänge: 27,9 %). In den Masterstudiengängen liegt diese aber deutlich niedriger, bei 23,3% aber dennoch immer noch deutlich über dem Schnitt aller Masterstudiengänge an Fachhochschulen (19,7%). Auffallend ist, dass die Abbruchrate bei Masterstudiengängen in den letzten Jahren wieder massiv gestiegen ist (WS 14/15: 14,2% // WS 15/16: 16,9%). „Für eine Universität steht im Vordergrund, den motivierten, zielorientierten Studierenden ein Studium an der Seite von exzellenten ForscherInnen und Lehrenden zu ermöglichen und dieses abzuschließen. An der TU Wien sehen wir, dass Studierende, die das Aufnahmeverfahren im Studienfeld Informatik bis dato durchlaufen haben, schneller studieren, bessere Noten haben und auch der Frauenanteil stabil bleibt“, skizziert TU-Rektorin Sabine Seidler die Situation. „Darüber hinaus ist der Anteil der Studienabbrecher in den Bachelorstudien Informatik und Wirtschaftsinformatik nach dem ersten Semester von ungefähr einem Viertel auf unter 10 Prozent gesunken.“

IKT-Fachkräftemangel höher als jemals zuvor

„Wir brauchen mehr junge Leute, die als hochqualifizierte IT-Fachkräfte die Universitäten und FHs verlassen und der Wirtschaft zur Verfügung stehen“, meint Martin Zandonella. Die hohen Drop-Out-Quoten im Zusammenhang mit der Reduktion der Ausbildungsstellen für IKT-Fachkräfte stellt eine Gefahr für den Wirtschaftsstandort Österreich dar: „Während im Wintersemester 2012/13 die Anzahl an belegten Studien an der TU Wien noch bei 5.056 lag, liegt sie im Wintersemester 2017/18 nur noch bei 4.014. Gegen alle Beteuerungen wurde die Dropout-Quote nicht wesentlich reduziert und die Absolventenzahl sinkt. Dem Wirtschaftsstandort Österreich entsteht hier großer Schaden“, findet Martin Zandonella. „Eine Reaktion der Politik muss folgen, damit der digiNATION Masterplan aufgeht. Studien-Absolventen sind das Rückgrat der digiNATION Österreich“, sagt Alfred Harl.

Bundesregierung kündigt Umsetzung eines Gesamtplans an

Auch 2020 will der Fachverband UBIT gemeinsam mit dem Ministerium für Wirtschaftsstandort und Digitalisierung Maßnahmen umsetzen, damit Österreich ein starker Wirtschaftsstandort wird und bleibt. „In unserem digiNATION Masterplan geben wir Maßnahmen für Fachkräfte, Infrastruktur und Unternehmergeist, um Österreich an die Spitze bringen – und auch internationale Höchstleistung zu bringen. Deswegen muss es für unsere Wirtschaft das oberste Ziel sein, diesem Masterplan zu folgen“, sagt Alfred Harl.  „Wir begrüßen die neuen Digitalisierungspläne der neuen Bundesregierung, insbesondere an Universitäten. Diese Herausforderungen bedürfen jedoch flächendeckender und langfristiger Lösungen“, fasst Alfred Harl zusammen.

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