„Ich mache keine Mode fürs Museum“ | Die Wirtschaft Direkt zum Inhalt
„In anderen Städten bekommt man Komplimente, wenn man einen eigenen Stil zeigt. Das fehlt in Wien.“

„Ich mache keine Mode fürs Museum“

20.09.2016

Die Designerin Irina Hofer entwirft Kleider, in denen sie sich selbst wohl fühlt und trifft damit den Geschmack vieler anderer Frauen. Warum sie keine Haute Couture macht und wo die Reise hingehen soll, verrät sie im Interview.

Interview: Stephan Strzyzowski

Vor drei Jahren haben Sie ein Modelabel gegründet. Was hat den Anstoß dafür gegeben?  

Zur Mode bin ich aus einem gewissen Egoismus gekommen. Ich wollte Kleider machen, die ich selber tragen möchte. Ich habe mir angesehen, was mir am besten steht, was am besten bei meiner Körperform passt. Dabei hat sich rasch herausgestellt, dass der Stil, den ich daraus entwickelt habe, sehr viele andere Frauen anspricht.  

Welche Art von Frau trägt denn Ihre Mode?

Oft sind die Damen nicht mehr Mitte Zwanzig, eher 30 bis 55. Meistens sind es Frauen, die sehr genau wissen, was sie suchen, was sie tragen wollen. Sie wünschen sich Kleider mit Ärmeln. Modelle, die über das Knie reichen. Das findet man in der Kombination oft gar nicht.

Wobei Ihre Modelle ja alles andere als bieder wirken.

Das liegt daran, dass ich immer versuche, sehr klassische Modelle durch Details außergewöhnlich und zeitgemäß zu präsentieren. Ich verlege Abnäher, achte auf Kleinigkeiten, die man auf den ersten Blick nicht sieht, die aber einen  Effekt haben. Wenn schon einfach, dann raffiniert in der Ausführung! Ich mache ja keine Mode fürs Museum, oder Mode, die sich niemand tragen traut. Ich will Mode für sehr viele Frauen machen. Und es darf auch sexy sein. Man soll die Mode ja genießen und sich darin attraktiv finden.

Haute Couture-Modelle produzieren Sie also vermutlich nicht.

Nein, das ist etwas für die ganz großen Labels. Die machen das, um Parfums und Gürtel zu verkaufen. Stars und Sternchen tragen dann diese Kreationen für die Presse auf entsprechenden Events. Kein Mensch kauft ein 200.000 Euro Kleid, aber das Parfum für 80 Euro derselben Marke, das kaufen die Kunden. Da geht es um Werbung.

Wie wird man Modeschöpferin? Haben Sie das klassische Handwerk gelernt?

Ich war auf der Modeschule in Hallein, bin mit 19 nach Wien gekommen und habe dort Kunstgeschichte studiert und auch abgeschlossen. Danach habe ich mir drei Wochen freigenommen und bin dann in mein Atelier eingezogen. Ich dachte mir, ich will nicht mit 40 aufwachen und mich fragen, warum ich es nicht schon längst gemacht habe.

Wo bekommt man Ihre Mode?

Meine Modelle kann man über meine Homepage beziehen oder direkt in meinem Atelier in der Heumühlgasse in Wien probieren. Darüber hinaus erhält man die Kollektion jetzt in drei Boutiquen in Wien und in einem Shop in Graz. Das Händlernetz erweitere ich Zug um Zug.

Wo soll es denn hingehen? Wie groß soll Ihr Label werden?

Darüber führe ich gerade mit Investoren Gespräche. Es gibt ein schönes Wachstumspotenzial. Die Umsätze, die Medienberichterstattung - das entwickelt sich alles sehr gut. Um nun das nächste Level zu erreichen, benötige ich einen Investor. Wie groß es wirklich werden soll, kann ich noch nicht genau sagen. Ich möchte auf alle Fälle eine in Österreich bekannte Designerin sein. 

Wie steht es denn um die österreichische Modeszene?

Ich glaube, dass sich in den letzten Jahren einiges getan hat. Es gibt in verschiedenen Stilrichtungen spannende Player. Wien ist halt im Vergleich mit anderen Metropolen sehr unmodisch. Österreicher sind auch ein wenig geizig und geben ihr Geld nicht gerne für Kleidung aus. In anderen Ländern haben die Menschen mehr Freude daran, mit Kleidung etwas auszusagen. In anderen Städten bekommt man Komplimente, wenn man einen eigenen Stil zeigt. Das fehlt in Wien. Aber es tut sich etwas. Es wird.

Was soll es sein?

Die Marke soll ganz klar Meine sein. Die Menschen sehen mich, als die Marke. Ich mache nie etwas, was mir keinen Spaß macht.  

Wie stark muss man sich selbst als Modeschöpferin inszenieren?

Ich mache Kleider, die ziehe ich an, laufe damit herum und dann wollen sie andere auch haben. Weil ich die Kleider mache, die ich repräsentieren kann, funktioniert das. Natürlich bin ich auch selbst die günstigste Werbung. Das ziehe ich auch konsequent durch. Mich wird man nie mit einer Jeans treffen. Wenn man sich selbst entsprechend inszeniert, bekommt man viel Aufmerksamkeit. Mich wundert oft, dass das andere Designer so wenig tun. Die Verwebung von Produkt, Marke und mir selbst ist ganz wesentlich.

Gibt es Prominente Kunden, an denen man Ihre Kleider entdecken kann?  

Elke Winkens und Silvia Schneider sind zum Beispiel Kundinnen von mir. Oft sind Kundinnen von mir Controllerinnen, Juristinnen, Ärztinnen, aber auch Lehrerinnen. Mein Grundstock stammt aus Frauen, die ich beim Fortgehen kennen gelernt habe.

Wie das?

Ihnen hat mein Look gefallen und sie haben mich gefragt, woher ich mein Outfit habe.  

Wo lassen Sie sich inspirieren?

Beim intensive Konsumieren von Bildern. Das habe ich ja auch studiert. Ich recherchiere gerne, lese Bücher, schaue Pinterest. Die Kostümgeschichte ist natürlich auch ein riesen Fundus. Das bringt einen manchmal in eine Stimmung und macht einem Mut.

 www.irinahofer.com

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