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Hilfe beim ersten Schritt

10.10.2018

Weltmarktführer wird man nicht über Nacht – jedes neue Exportprojekt ist ein Wagnis. In Österreich steht den Unternehmen ein ganzes System mit Informationen und Förderungen zur Seite. Ein Überblick.

Wilhelm Nest, Go-International
ANLAUFSTELLEN & FÖRDERUNGEN

AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA
Informationen über den jeweiligen Markt. Branchenanalysen und Vermittlung von Netzwerken vor Ort bieten die AA-Zentrale in Wien, Landesstellen in den Bundesländern und 110 Stützpunkte weltweit.

GO-INTERNATIONAL

Die Förderagentur der Außenwirtschaft Austria informiert und fördert unter anderem Schritte bei der Markterschließung, Messeauftritte oder Marketing und vermittelt Netzwerke zu österreichischen Playern vor Ort.

ADVANTAGE AUSTRIA

Das wichtigste Internetportal für die Präsentation exportierender Unternehmen aus Österreich, das von der Außenwirtschaft Austria in 27 Sprachen auf 200 maßgeschneiderten Länderseiten betrieben wird.

NATIONALE FÖRDERUNGEN

Die Förderdatenbank der Wirtschaftskammer bietet einen Überblick über jeweils passende Förderungen für Exporteure.

FÖRDERUNGEN DER BUNDESLÄNDER

Die Wirtschaftsförderungsagenturen der Bundesländer bieten Unterstützung bei Messeauftritten, der Anbahnung grenzüberschreitender Kooperationen oder der Erschließung neuer Märkte. Zum Beispiel die Gesellschaft SFG der Steiermark.

EUROPÄISCHE FÖRDERUNGEN
Der EU-Förderguide der Wirtschaftskammer bietet detaillierte Informationen über Exportförderungen der EU, Programme des Europäischen Struktur und Investitionsfonds („ESI-Fonds“) oder Aktionsprogramme wie etwa „Horizon 2020“.

EXPORTABSICHERUNGEN
Die Oesterreichische Kontrollbank (OeKB) bietet unter anderem Möglichkeiten der Finanzierung und Refinanzierung von Exporten und von Beteiligungen im Ausland.

Irgendwann hat jeder heutige Weltmarktführer den ersten Schritt über die eigene Landesgrenze gewagt – und dieser Schritt ist alles andere als einfach. Auf ausländischen Märkten wirken andere Kräfte, und es gelten andere Gesetze. Dementsprechend hoch sind die Risiken, die auf Exporteure warten. Auch die Investitionen in den Aufbau eines neuen Absatzkanals oder in einen lokalen Standort fernab der Heimat sind mit großen Kosten verbunden. Und oft genug dauert es lang, bis sich diese Investitionen rentieren. Auch ein Scheitern auf ganzer Linie lässt sich nie ausschließen.

Österreichische Exporteure befinden sich im internationalen Vergleich allerdings in einer besseren Ausgangssituation als so mancher Mitbewerber aus anderen Ländern. Der Grund dafür ist ein ganzes System aus Informationen und Hilfestellungen im Inland, bestens organisierten Netzwerken im jeweiligen Zielmarkt und natürlich einer breiten Förderpalette, die heimischen Unternehmen zur Verfügung steht.

EXPERTISE VOR ORT ANZAPFEN

Im Mittelpunkt dieses Systems steht die bei der WKÖ angesiedelte Außenwirtschaft Austria (AA). Diese Institution beschäftigt rund 660 Experten an 76 Außenwirtschaftszentren und 36 Büros auf fünf Kontinenten. Eine so breit aufgestellte Organisation gibt es zum Beispiel in Deutschland nicht, auch im europaweiten Vergleich ist die Außenwirtschaft Austria einmalig. Fachleute an den 110 Stützpunkten beraten Exporteure umfassend über vielversprechende Märkte im jeweiligen Land, informieren über gesetzliche Besonderheiten und Gefahren und vernetzen Unternehmen im Zielland mit geeignetem Personal für den Vertrieb, mit lokalen Anwälten und Steuerberatern.

Gleichzeitig kehren Delegierte der Organisation regelmäßig zu Gesprächen mit Firmen nach Österreich zurück. Wer sich informieren will, kann das auch bei 140 Fachleuten in der Wiener Zentrale und in den Landesstellen der Aussenwirtschaft tun. „Meine Empfehlung lautet, bei Fragen zu einem neuen Exportprojekt zuerst einen Experten der Außenwirtschaft Austria zu kontaktieren, zum Beispiel in einer Landesstelle direkt in seinem Bundesland. Das ist eine Art One-stop-Shop, in dem man sich schnell oder auch umfassend über Chancen und Fördermöglichkeiten beraten lassen kann“, sagt Wilhelm Nest, Leiter von Go-International.

„Der wichtigste Punkt ist, dass man sich eine genaue Strategie zurechtlegt.“ Wilhelm Nest, Go-International

HILFE FÜR KMU

Go-International wäre die zweite geeignete Anlaufstelle für Exporteure. Diese Institution versteht sich als Internationalisierungsagentur der österreichischen Wirtschaft und wird vom Wirtschaftsministerium finanziert. Sie baut auf den Angeboten der Außenwirtschaft Austria auf und ergänzt sie. Hier geht es vor allem um Förderungen, aber auch um Informationen und die Begleitung der einzelnen Schritte beim Aufbau eines neuen Exportmarkts. Nebenbei arbeitet Go-International auch ständig daran, heimische Unternehmen überhaupt für den Export zu begeistern. Zur Zielgruppe gehören neben großen Firmen ausdrücklich kleine und mittlere Betriebe.

„Der wichtigste Punkt am Anfang ist, dass man sich eine genaue Strategie zurechtlegt und darauf achtet, nicht zu schnell sein zu wollen und nicht in zu viele Regionen auf einmal hineinzugehen – oder in solche, die für den ersten Schritt nicht geeignet sind“, sagt Wilhelm Nest. Bei der Auswahl der ersten Exportmärkte ist also ganz zu Beginn Realismus angesagt: Die besten Aussichten auf Erfolg warten nicht notwendigerweise in Übersee, sondern dort, wo die kulturellen, sprachlichen und räumlichen Unterschiede am geringsten sind. Bei aufkommenden Problemen erweise sich zum Beispiel die räumliche Nähe oft als Heilmittel, so Nest weiter. Auch die richtigen Partner vor Ort spielen eine entscheidende Rolle für den Erfolg heimischer Exporteure. Das können lokale Händler, Vermittler oder Steuerexperten sein – aber noch mehr sind es andere österreichische Firmen, die sich bereits im Zielland positioniert haben.

VIER PROGRAMME

Entlang von diesen Aspekten sind die Angebote von Go-International aufgebaut. Das Programm „Get going“ richtet sich vor allem an Neulinge im Export. Hier werden mit Schulungen und Veranstaltungen die Chancen, Kosten und Risiken beim ersten Schritt kalkulierbar. Gleichzeitig werden erste Sondierungsreisen in vielversprechende Märkte organisiert – inklusive Treffen mit möglichen Partnerfirmen und Besuchen von Fachmessen.

Hingegen das Programm „Keep going“ richtet sich eher an erfahrene Exporteure, die einen neuen Markt im Blick haben. Hier werden gezielte Informationen und Veranstaltungen mit dem Angebot kombiniert, an Fachmessen und Gruppenausstellungen von Österreichern im Ausland teilzunehmen. Bei „Going strong“ schließlich steht der Aufbau internationaler Netzwerke zu Geschäftspartnern, aber auch zu Medien und Behörden des Ziellandes im Mittelpunkt.

BEGEHRTE EXPORTCHECKS

Am begehrtesten sind allerdings die sogenannten Exportchecks des vierten Programms „Go get it“. Hier wartet auf heimische Unternehmen eine direkte finanzielle Unterstützung bei den einzelnen Schritten in einen fremden Markt. Einen Zuschuss gibt es unter anderem zu den Kosten einer Beratung im Vorfeld eines Exportprojekts, zur Fortbildung von Mitarbeitern, zu Ausgaben für Marketing, für die Marktpräsenz vor Ort und die Suche nach lokalen Partnern.

In der Regel wird die Hälfte der Kosten bis zu einem Maximalbetrag übernommen. Dass dieses Angebot sehr begehrt ist, zeigt der Umstand, dass derzeit sämtliche Fördertöpfe leer sind. Sich in diesen Tagen zu informieren schadet aber nicht: Nächstes Jahr startet eine neue Förderperiode, und ab April sind sämtliche Exportchecks wieder voll verfügbar.

Autor:
Peter Martens

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