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Harald Koisser macht Mut: Geld ist Liebe

28.11.2016

Das Geld und die Liebe. Das geht in unserem Kopf nicht zusammen. Dabei haben sie ursächlich miteinander zu tun. Liebe, nicht Gold, ist die einzig taugliche Deckung für unsere Währung.

Geld alleine macht nicht glücklich, sagt man. Wenn es nicht alleine glücklich macht, dann offenbar in Kombination mit etwas anderem. Aber womit? Geld regiert die Welt, sagt man. Das tut es offenbar sehr wohl alleine, ohne auf etwas anderes angewiesen zu sein. Es kann also alleine regieren, aber nicht alleine glücklich machen. Gewiss ist, dass Geld ein großes Tabu ist. Man spricht nicht gerne darüber. Da regiert es also die Welt, aber wir reden besser nicht davon. 
Eigenartig. Die Ökonomie dreht sich um Börsenkurse, Gewinnspannen, Prozente und Marktwert, aber die beiläufig im Freundeskreis gestellte Frage „Wieviel verdienst du eigentlich?“ hat ähnlich lähmende Wirkung wie „Welche Stellung bevorzugt Ihr eigentlich beim Sex?“ Eine düstere schwere Wolke senkt sich hernieder, das Gespräch verebbt, man hört die Fliegen im Nebenraum surren. Jetzt muss schnell jemand einen abgestandenen Witz erzählen, um die Stimmung zu retten.
Vielleicht sind wir damit auch schon auf der richtigen Spur bei der Frage, was denn gemeinsam mit dem Geld glücklich machen kann: die Liebe und ihre schönste Ausdrucksform, die Sexualität. Das Geld und die Liebe. Das geht ja in unserem Kopf nicht zusammen, und eben deshalb hege ich den Verdacht, dass sie miteinander zu tun haben. 
Die Berliner Philosophin Gerlinde Unverzagt zeigt in einem Buch mit dem Titel „Liebe, Geld und Partnerschaft“, dass beide – Liebe und Geld – mit großen Gefühlen besetzt sind. Bei beiden geht es um Geben und Nehmen. Wurde Geld nicht erfunden, um Menschen für eine Leistung zu belohnen? Geld ist „ein Ausdruck des Dankes, der Zuwendung, der Wertschätzung ... in letzter Konsequenz daher von Liebe“. (Unverzagt) 
Und ist es nicht so, dass wir teure Geschenke machen, wenn wir verliebt sind? Dass wir als Ersatz für Liebe oft das Geld verwenden, indem wir etwa das Taschengeld erhöhen, anstatt unsere zeitliche und seelische Zuwendung? Uns werden die Liebe und eine Bonuszahlung versprochen. Beides erregt uns, und beides erfreut uns doppelt, wenn das Versprechen gehalten wird. Wird uns das Geld oder die Liebe verwehrt, sind wir niedergeschlagen und enttäuscht. Beide sind immateriell. Ja, auch das Geld, denn mal ehrlich: Niemand schleppt echtes Gold mit sich herum, bloß wertloses Papier, oft nicht einmal das. In beiden Fällen funktioniert das Geben und Nehmen nur auf Basis von tiefem Vertrauen. Ein Hauch von Zweifel und die Liebe und das Geldsystem beginnen zu taumeln. 
Viele Menschen sind in Geldangelegenheiten knausrig – übrigens ganz unabhängig von ihrem objektiven Wohlstand – und ich habe die Erfahrung gemacht, dass geizige Menschen auch in der Liebe geizen. Andere wiederum schenken gerne, und sie schenken in allen Belangen. Die Weigerung in einer beruflichen oder privaten Beziehung, seinen finanziellen Anteil am gemeinsamen Ganzen beizutragen, stellt die Beziehung an sich in Frage. „Geld ist Energie“, pflegt ein Freund von mir zu sagen. Letztendlich heißt es nicht anderes, als dass Geld eine Ausdrucksform von Liebe ist.
Geld alleine macht nicht glücklich. Aber wenn wir in unsere Geldgeschäfte und in die Ökonomie wieder die Liebe hineinlegen, kann das gelingen. Die Liebe ist es, welche die notwendige Deckung unserer Währung besorgt. Und sie ist es wohl auch, welche dann die Welt regiert.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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