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Harald Koisser macht Mut

18.11.2014

Die Welt braucht verrückte Ideen. Es gibt immer jemanden, der schon darauf gewartet hat.

Die Menschen hatten immer schon verrückte Ideen. Ideen also, die irgendetwas verrückt haben, verschoben, umgeschichtet. Ein bisschen vor unserer Zeit gab es Faustkeile. Die hat irgendjemand einmal erfunden. Tolle Idee, denn damit konnte man etwas aufknacken, jemandem wehtun und das Fell abziehen. Dieser Faustkeil hat sich dann eine Million Jahre kaum weiterentwickelt. Technologischer Stillstand gewissermaßen. Man fragt sich, was die Typen da eigentlich so lange gemacht haben.

 

Dann kam die Sache in Schwung. Es gab Pfeile und Tontöpfe und plötzlich auch Verzierungen auf Tontöpfen und Pfeilen. Und dann auch so Sachen wie – Bestattung, Höhlenmalerei, Steinkreise. Der Mensch begann, seinesgleichen nicht den Aasfressern zu überlassen, sondern zu beerdigen oder mit Steinen zu bedecken. Er begann, sexuelle Symbole und Jagdszenen an Höhlenwände zu malen. Und er schleppte ziemlich schwere Steine an einen Ort, um sie in einem Kreis aufzustellen.

 

All das ist verrückt. Aus Sicht des bisherigen Affen-Systems brachte das gar nichts. Genauso wenig wie die waghalsige Aktion der Gebrüder Wright, das erste Automobil oder der Fernsehapparat. Zitate, die all diesen Dingen Unsinnigkeit und ein baldiges Ende beschieden, wurden zu Legenden. Hier zum Beispiel: „Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung. Ich glaube an das Pferd."

Wilhelm II. „Die Erfindung eines Gottlieb Daimler wird für die Entwicklung des Verkehrsgeschehens wohl ohne große Bedeutung bleiben." Großer Brockhaus, 1896 „Das Auto ist jetzt vollkommen. Es bedarf keiner Verbesserung mehr." Allgemeine Automobil Zeitung, Berlin 1921

 

Das scheinbar Unsinnige macht den Menschen aus. Gerade eben, weil wir nach Sinn streben, wagen wir auch das Unsinnige. Es ist die Antithese zum Bisherigen, ein Versuch, das Bestehende gegen den Strich zu bürsten und weiterzubringen. „Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt: schnellere Pferde", scherzte Henry Ford. Und Jake Burton, Erfinder des Snowboards, meinte ebenso: „Wenn ich die Leute gefragt hätte, ob sie auf einer Art Bügelbrett, mit beiden Beinen fest angeschnallt, eine Piste hinunterfahren wollen, hätten sie mich für verrückt erklärt."

Darum fragt man andere Menschen nicht, wenn man eine verrückte Idee hat, sondern tut es. Verrückte Ideen brauchen keine Marktforschung, sondern Mut. Was wäre die Welt ohne Kaugummi, Tamagotchi oder Nasenpiercing? Irgendwen gibt’s doch immer, der darauf gewartet hat.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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