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Harald Koisser macht Mut

16.12.2014

Zuckerbrot und Peitsche! Das ist nach wie vor die beliebteste Motivationstheorie, doch leider hat sie nie funktioniert. Mit Geld kann man Engagement nicht kaufen.

„Der Mensch strebt nach der Lust", meinte der griechische Philosoph Aristippos 400 Jahre vor unserer Zeitrechnung. „Der Mensch strebt nach Bildung und Entwicklung", meinte Platon. „Der Mensch strebt nach Macht, Anerkennung, Status, Essen und sonst noch einigem", meint Steven Reiss. „Der Mensch strebt nach gar nichts, er ist faul und braucht Zuckerbrot und Peitsche", ist dagegen eine gängige Motivationstheorie, die sich seit der Sklavenhaltung ungebrochener Beliebtheit erfreut. Damals wurden die Sklaven in den Zuckerrohrplantagen mit karamelisierten Zuckerrohrklumpen belohnt und mit der Peitsche bestraft. Heute bekommt man Bonuszahlungen oder die Kündigung.

 

Die Frage, wie man Menschen motiviert und zu Leistungen bewegt, beschäftigte Könige, Sklaventreiber und Manager ohne Unterlass, und die Antworten sind von trübsinniger Einförmigkeit. Frederic Skinner wollte noch in den 1980er-Jahren zeigen, dass man Menschen wie Mäuse konditionieren kann: Drück auf das Knöpfchen, und du bekommst Futter.

 

Die wirkliche Antwort auf die Frage, wie man Menschen motiviert, lautete jedoch schon immer: gar nicht! Motivation ist eine Illusion. Man kann Menschen manipulieren, aber nicht motivieren. Motivation kommt immer und ausschließlich von innen, nie von außen. Dass Bonuszahlungen und Leistungsprämien kontraproduktiv sind, weiß man längst. Studien belegen unbarmherzig, dass man mit Prämien bei manueller Arbeit noch Erfolge verzeichnen kann, bei geistiger Arbeit aber das Gegenteil bewirkt, die Leistung also abnimmt! Menschen können nicht besser denken, wenn sie Geld bekommen. Sie denken, oder sie denken nicht. Wenn sie plötzlich für Geld besser denken sollen, dann verkrampfen sie sich. Sie brauchen zum Denken nicht Geld, sondern Freiraum.

 

Bonuszahlungen erzeugen außerdem zuverlässig Unzufriedenheit, weil die Mitarbeiter sich vergleichen und die Logik der Boni nicht verstehen. Können sie auch nicht, weil es kein mathematisches Modell für die wunderbare Unterschiedlichkeit von Menschen gibt. Besonders schlimm: Bonuszahlungen werden, kaum dass sie gewährt wurden, zu einer Selbstverständlichkeit und gar nicht mehr als Bonus erlebt. Bekommt man ihn dann einmal nicht, kündigt man innerlich. So erzeugt man mit viel Geld Rebellion.

 

Die Kreativität und das Engagement von Menschen kann man nicht kaufen. Sie bleiben unauflösliches Eigentum des Individuums. Für Geld bekommt man bloß Know-how. Alles darüber hinaus ist ein Geschenk, das nicht in bar ablösbar ist. „Motiviert mich bloß nicht", schreien die Leute, „sondern gebt mir einen guten Grund, warum ich das hier tun soll." Ich selbst schreibe diese Seite offen gestanden auch nicht, weil mir für jeden guten Gedanken ein paar Euro Bonus versprochen wurden.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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