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Harald Koisser macht Mut

05.09.2013

Ich schreibe diese Kolumne im englischen „Black Country", der Keimzelle der ­industriellen Revolution. Wenn sich Unternehmer heute mit Corporate Social ­Responsibility (CSR) befassen, tun sie das, um den Geist dieser Zeit zu überwinden.

Die West Midlands in England hießen einst Black Country, weil alles schwarz war vom Ruß des Kohleabbaus, des Symbols der Prosperität. Das Land war schwarz, die Bäume waren schwarz, die Gesichter der Menschen waren schwarz. Kohle! Sie und ihren Wert hatte man um 1830 hier in Mittelengland entdeckt. Das Black Country in England war das erste Industriegebiet weltweit. Hier hat die Ausbeutung der Erde begonnen, der Glaube an Wachstum, Fortschritt und ewiges Wohlergehen – für einige.

 

Die Bedingungen für die Mehrzahl der Menschen waren elend. Die Esel und Pferde, die gemeinsam mit den Menschen in den Stollen arbeiteten und gleich ihnen tagelang kein Tageslicht sahen, waren mehr wert als jeder Mensch. Die Technik dieser Zeit, die Mode, die Häuser und die elenden Bedingungen sind heute im Black-Country-Freilichtmuseum in Dudley ausgestellt.

 

Ein begehbares Mahnmal eines Irrweges? Aufruf zur Umkehr? Aber nein, eine Aufschrift verkündet stolz: „The impact [of the Black Country] was felt the world over, as modernity took hold, creating fame and admiration for the Black Country." Voriges Jahr haben die Olympischen Sommerspiele in London stattgefunden, und ein Teil der Eröffnungszeremonie wurde mit einer Szene aus martialisch malmenden Zahnrädern und Tänzern in Kostümen direkt aus dem Black Country gestaltet. Alles in jubelndes Licht und feurig hämmernde Musik getaucht. Da feierte ein Land kritiklos seine Glorie. Die Technik mag im Museum stehen, der Geist jedoch nicht.

 

Wenn wir heute CSR betreiben, dann tun wir es, um den Geist des Black Country loszuwerden. CSR ist nicht, wie viele meinen, ein neues Management-Tool, das uns hilft, wieder einen kleinen Vorsprung im beinharten Wettbewerb zu erzielen. CSR ist eine Haltung der Achtsamkeit gegenüber Mensch und Erde.

 

Epilog aus Glastonbury, Südengland: Hier gibt es einen erstaunlicher Durchsatz an Organic-Food-Shops, veganen Restaurants und auch an Esoteric-Shops. Viele Frauen tragen erdfarbene Kleider und Federn im Haar. Man kann hier recht gut essen. Die Einheimischen holen Wasser von der Weißen Quelle, weil das Wasser heilig ist und köstlich schmeckt. Ich sitze bei einem Organic Coffee in einem Café. Vor dem Fenster ein Schild: „Please respect the need for quiet in this area." Das Kürzel „CSR" wird hier vielleicht nicht verstanden – aber gelebt. Goodbye, Black Country.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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