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Harald Koisser macht Mut

10.05.2013

Jede Idee will leben. Die Frage ist nur, ob wir sie in ein enges Aquarium werfen und mutwillig klein halten oder die Möglichkeit der Häutung in Betracht ziehen.

Viele Fische passen ihre Körpergröße klug an die Umgebung an. In einem kleinen Aquarium bleiben sie klein, in einem etwas größeren werden sie größer. In ihrem natürlichen Lebensraum dehnen sie sich auf volle Länge aus. Gleich jenen Fischen neigen wir Österreicher dazu, unsere Ideen der Kleinheit des Landes anzupassen. Große Ideen werden klein gedacht, weil wir in einem kleinen Aquarium schwimmen, Europa hin oder her. Begrenzungen, wie fiktiv auch immer sie sein mögen, beschneiden stets das Denken.

Meine Tochter hat in der Schule eine „freie" Aufgabe in Zeichnen bekommen, die voll von Restriktionen war: Mal ein Gefühl, hör auf dein Inneres, drück dich aus – aber arbeite monochrom, die Papierfläche muss komplett mit Farbe gefüllt sein, das Gemälde muss abstrakt sein. Da kann man nur ratlos vor dem leeren Papier sitzen und „versagen". Es erinnert mich an Brainstormings in Firmen, wo die Führungskraft vorgibt, man dürfe alles, wirklich alles sagen, und dann jede Meldung mit „Das geht nicht, weil" kommentiert. Das Leben eines Aquariumfisches ist ganz in Ordnung. Er befindet sich immer in sinnvoller Relation zu seiner Umgebung. Ist es um ihn herum eng, dann macht er sich ganz klein. Das Aquarium wirkt groß, weil er klein bleibt.

 

Nachhilfe im Aquarium-Denken: Eigentlich ist es eine blöde Idee. Wenn das klug wäre, hätte es schon jemand gemacht. Am besten, ich sage es niemandem. Ich gebe der Idee am besten einen Namen, der nur hier im Dorf verstanden wird. Eine Produktionsstätte ohne jegliche räumliche Zubaumöglichkeiten ist toll und kuschelig. Am besten, ich benenne mein Unternehmen nach der Straße, wo wir angesiedelt sind, damit wir beim Übersiedeln echte Probleme haben.

 

Wobei man natürlich aus „Kronreif, Trunkenpolz, Mattighofen" immer noch das Kürzel KTM machen und Weltmarktführer für geländegängige Motorräder werden kann.

Hier zur Aufmunterung: Folgende österreichische Firmen sind ebenfalls Weltmarktführer in ihrem Bereich. Rosenbauer bei Spezialfahrzeugen für die Feuerwehr, Thomastik-Infeld bei Saiten für Saiteninstrumente, Ovotherm bei durchsichtigen Eierverpackungen. Und da habe ich jetzt bewusst nicht Eh-klar-Firmen wie Red Bull, Doppelmayr oder Atomic erwähnt. Nochmal zur Wiederholung: Weltmarktführer!

 

PS: Schlangen tragen eine ganz enge Haut. Wenn sie zu eng wird, wird sie abgeworfen. Die Möglichkeit der Häutung sollte stets in Betracht gezogen werden.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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