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Harald Koisser macht Mut

08.03.2013

Die Männer haben einst das Land in Besitz genommen, das Vieh, die Frauen. Besitz, Macht und Konkurrenz sind ihre Prinzipien. Was nun? Hört auf uns Männer!

Vor rund 8.000 Jahren hat mein Geschlecht das Kommando übernommen und das kleine Feuerchen des Patriarchats entzündet. Ich war noch zu jung, um von dem Vorgang authentisch zu berichten, stelle mir aber vor, dass mein Ururur...-Großvater einen Geistesblitz hatte. Nämlich den, dass man Land auch annektieren kann. Dass man also sagen kann: Dieses Fleckchen Erde ist sehr schön, das gehört jetzt mir! Schon irgendwie eine Revolution, so ein Gedanke. Das erste Mal in der Historie gab es so etwas wie Besitz.

Weil das mit dem Besitzen von Land so gut funktioniert hat, hat der Mann dann auch bald Tiere besessen. Und dann auch Frauen. Dann hat er auch andere Männer in Form von Sklaven besessen. Darum soll man ja auch das zehnte Gebot achten, welches lautet: „Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel oder nach irgendetwas, das deinem Nächsten gehört." Ich finde es schön, dass Gott in seinem Gebot das Anrecht auf Sklaven mitgedacht hat und klarstellt, dass eine Frau jemandem „gehören" kann.

Heute gibt es überhaupt nichts, was nicht irgendjemandem gehört. Die Ressourcen der Erde gehören den Konzernen, die sie ausbeuten. Afrika gehört bald den Chinesen. Jeder See und jeder Wald gehören irgendjemandem. Einem Amerikaner mit dem schönen Namen Dennis Hope gehören heute der Mond sowie die Planeten Venus und Mars, und weil er ein freundlicher Zeitgenosse ist, kann man ihm Parzellen auf dem Mond abkaufen und sie zum Beispiel seinen Kindern zum Geburtstag schenken. – Damit sie auch noch etwas vom Mond haben, wenn schon nicht von der Erde, die wir ausgelutscht haben wie ein Bär den Honigtopf. Und weil es mit dem Besitz auf der Erde irgendwann einmal knapp werden wird, hat mein Ururur...-Großvater auch herausgefunden, dass man mit Macht und dem Konkurrenzprinzip einander Dinge wegnehmen kann. Eigentum etwa oder Lebenszeit oder Marktanteile.

Das alles ist Mann. Heiße Yang-Energie! Was machen wir nun?

„Hört nicht auf uns Männer", meinte ein Mann bei einem meiner Seminare in Richtung der anwesenden Frauen. Ja, aus Schuldgefühlen gespeiste Selbstkastration wäre natürlich eine Möglichkeit. Wobei, nebstbei bemerkt, der Ausspruch ein Paradoxon ist, denn wenn ein Mann sagt, man möge nicht auf Männer hören, kann man ja getrost ignorieren, was er sagt. Wer sich zum Flagellanten nicht eignet, könnte auf die Idee kommen, selbst ein Mann zu sein, auf den zu hören es sich lohnt. Weil er zu seiner heißen männlichen Yang-Energie steht. Weil er weiß, dass es eine ausgleichende, fließende Yin-Energie braucht. Und dies jenseits demütigender Frauenquoten. Die Balance von Yin und Yang ist eine Frage von Erkenntnis und Wertschätzung, nicht von Gesetzen. Hört auf uns Männer!

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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