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Harald Koisser macht Mut

10.04.2012

Der Pandabär ist nicht sehr resilient. Er überlebt nur unter staatlichem Schutz. Die meisten Insekten hingegen brauchen keine Artenschutzgesetze. Sie sind Musterbeispiele an Resilienz. Und wie geht es Ihnen so?

Das Wort „Krise“ mag man nicht mehr hören und lesen. Muss man auch nicht, wenn man krisenfest ist. Oder eben resilient, wie der aus der Kybernetik entliehene Begriff lautet. Er kommt vom lateinischen „resilire“ und bedeutet „abprallen“. An manchen Menschen und Systemen scheint tatsächlich alles abzuprallen. Sie hüpfen nach einem Schock oder einer Störung ganz schnell wieder in ihre ursprüngliche Stabilität. So wie ein Thermostat. Der austrian social business day (aSBD), eine Vernetzungs-Plattform für Unternehmen und NGOs, der am 15. und 16. März im Wiener Künstlerhaus stattfand, hatte heuer den Veranstaltungs-titel „Resilienzkraft stärken!“ Ja, aber wie geht das?

„Krisenfest und wertverbunden – mit nachhaltigen Kooperationen die Resilienzkraft stärken“ hieß es im Untertitel der Veranstaltung, und da schwingt schon ein Antwort mit. Werte statt ideeller Ramsch! Kooperationen statt Konkurrenz! Gute Vernetzung und gelebte Vielfalt! Die Resilienzforschung spricht auch vom „schöpferischen Potenzial“, das es erlaubt, Chancen für Entwicklung und Anpassung zu erkennen und wahrzunehmen. Organisationen sind resilient, wenn sie angesichts von Veränderung auch zu tiefgreifenden Veränderungen bei Kunden, Beschaffungsmärkten, Technologie, Produkten etc. fähig sind.

Vielleicht geht es daher primär darum, den Wandel als fixen Bestandteil des Daseins zu akzeptieren. Wir haben ja eine Manager- und Unternehmer-Generation, die im Schlaraffenland ewigen Wachstums sozialisiert wurde, und wir haben eine Politik, welche nach wie vor die Verhaustierlichung der Bevölkerung betreibt. Das Wort „Krise“ ist aus dem Wortschatz einer ganzen Generation gestrichen worden. Krisenfest ist im Sozialstaat derjenige, der Zugänge zu Ausschüttungen, Förderungen und Rettungsschirmen kennt.

Da die KMU, auch wenn sie diesen Staat füttern, eher nicht zur Gruppe der vom Staat und vom Schicksal Begünstigten gehören, lohnt vielleicht ein Abstecher in die Resilienzforschung und zur Vernetzungsveranstaltung im Künstlerhaus. „Die Qualitäten eines Kooperationspartners können das eigene Vorhaben sehr befruchten“, meint aSBD-Veranstalterin Katharina Liebenberger. „Voraussetzung dafür sind allerdings Achtsamkeit und gegenseitige Wertschätzung!“ Es wäre einen Versuch wert.

www.socialbusinessday.org

Der Autor: Harald Koisser schreibt philosophische Bücher und ist Herausgeber des Mutmacher-Magazins „wirks“. www.wirks.at, www.koisser.at
Herzlichen Dank an Ira Mollay. www.mutmacherei.net

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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