Direkt zum Inhalt

Gutes tun und Geld verdienen

11.05.2018

Impact-Investing ist eine Finanzierungsart, die positive Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft generieret. Das Konzept entwickelt sich vor allem in den USA prächtig – in Österreich ist dagegen noch Luft nach oben.

Die Ursprünge von Impact-Investing liegen schon einige Jahrzehnte zurück. Bereits in den 1970er-Jahren wurden Socially Responsible Investments bekannt, die einen ersten Schritt zu nachhaltigen Veranlagungen darstellten. Dabei werden Ausschlusskriterien definiert, um die Portfolios von zum Beispiel Investitionen in Waffenproduktion, Drogenhandel, Tabakindustrie oder Atomenergie zu bereinigen. Hinzu kamen später ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) zur Bewertung von Investments. Auch Mikrokredite, die in den 1970er- und 1980er-Jahren in Asien und Lateinamerika vergeben wurden, hatten bereits oft eine Impact-Komponente. Im Jahr 2007 hat schließlich die Rockefeller Foundation den Begriff „impact investing“ begründet. Impact-Investments sind aber strikt von philanthropischen Aktivitäten zu unterscheiden, denn zusätzlich zum Impact wird auch eine Finanzrendite erwirtschaftet.

IMPACT KONKRET

Impact-Projekte oder -Unternehmen erwirken mit ihrer Geschäftstätigkeit positive Veränderungen für Menschen oder Umwelt und lösen damit anstehende Probleme. Diese Auswirkungen können in vielen Bereichen liegen, zum Beispiel in Verbesserungen beim Zugang zu Bildung, sauberem Wasser, erneuerbaren und leistbaren Energiequellen oder medizinischer Versorgung, zu besseren Arbeitsbedingungen oder sie tragen zur Verringerung von negativen Auswirkungen oder Abfall bei. Zu den bekanntesten Unternehmen in Österreich, die Impact-Investmenttauglich sind, zählt Helioz, gegründet von Martin Wesian, der ein sehr kostengünstiges und leicht anwendbares Tool zum Nachweis der Trinkwasserqualität in Ländern ohne flächendeckende Wasserversorgung entwickelt hat. Mehrere Projekte laufen derzeit sehr erfolgreich in Afrika und Asien. Die wegfallende CO2-Belastung – Wasser wird üblicherweise zur Desinfektion abgekocht – kann über Zertifikate mit Gold-Standard zusätzlich vermarktet werden. Hofer ist der erste Kunde dafür in Österreich. Ein weiteres Beispiel ist die Firma Refurbed. Das Unternehmen verkauft gebrauchte elektronische Geräte nach der Aufbereitung wieder und hilft damit, Elektromüllmengen zu reduzieren.

USA ALS VORREITER

Im englischsprachigen Raum ist Impact- Investing bereits wesentlich geläufiger als in der D-A-CH-Region und vor allem für Stiftungen und Family-Offices sehr interessant. Stiftungen erfüllen immer einen Zweck, dieser kann Themen für Impact-Investing vorgeben. Ein Beispiel bietet die Leonardo di Caprio Foundation, der es um den Erhalt der Umwelt und aller Erdbewohner geht. Konzepte, die sich auch wirtschaftlich lohnen. Den Nachweis konkreter Renditen im Impact-Investing liefert eine Studie von McKinsey, die etwa 50 Investments in Indien untersucht hat, deren Ertrag bei durchschnittlich zehn Prozent lag. Investitionen zwischen 500.000 Dollar und fünf Millionen Dollar schnitten dabei am besten ab.

Zu den wichtigsten Playern in der D-A-CH-Region gehört die Zurich Insurance Company. Johanna Köb, Head of Responsible Investment, sieht hier großen Aufholbedarf: „Für uns ist das Thema wichtig, wir erhöhen unsere Investitionen in Impact- Investing derzeit von 2,8 USD auf fünf Mrd. USD. Diese werden auf alle drei Länder aufgeteilt. Es gibt einige Pioniere, unter anderem die LGT oder die BKS. Um den Bereich voranzutreiben, könnten gesetzliche Vorgaben wie zum Beispiel in Frankreich helfen, wo Pensionsfonds zehn Prozent ihrer Assets in Impact-Investments anlegen müssen.“

HOHE ZUFRIEDENHEIT BEI INVESTOREN

Das Global Impact Investing Network publiziert jährlich Studien über die Entwicklung des Marktsegments. Im letzten Report sind die Angaben von 208 Investment-Managern zusammengeführt, die insgesamt Impact-Investments in der Höhe von 114 Mrd. USD verwalten. Die überwiegende Mehrheit ist mit ihren Investitionen äußerst zufrieden, da sie ihre Erwartung erfüllt bzw. übererfüllt sieht. Dies betrifft sowohl den Impact als auch die finanzielle Performance. Mit 40 % der Impact-Investments werden die meisten in den USA und Kanada getätigt, gefolgt von Europa mit 14 % und Emerging Markets mit zehn %, wo auch das größte Wachstumspotenzial liegt.

WIE GEHT ES WEITER?

In den kommenden Jahren wird sich Impact-Investing laut Wharton University of Pennsylvania stark entwickeln, denn wir erleben eine Verschiebung von Vermögen hin zu Millennials, die laut der Studie zu 85 Prozent an Impact-Investments interessiert sind. Vor allem Frauen, die in den nächsten Jahren den Großteil der Vermögen erben und besitzen werden, bevorzugen diese zu 70 Prozent. Auch immer mehr Asset-Management-Firmen steigen ein, darunter große Marktteilnehmer wie JP Morgan Chase in den USA oder Amundi, der größte europäische Vertreter. Dazu kommt nun auch eine politische Komponente. Denn zur Erreichung der SDGs und des Pariser Abkommens sind Impact-Investments notwendige Ergänzungen zu öffentlichen Investitionen. Entscheidend im Marktaufbau sind verbindliche Kriterien sowie ein verlässliches und präzises Impact-Measurement-System, das erst teilweise vorhanden ist. Eines steht aber fest: Je mehr Geld mit einem Mehrwert für Gesellschaft und Umwelt veranlagt wird, desto eher können die Herausforderungen unserer Zeit bewältigt werden.

Autor:
Ursula Oberhollenzer

Werbung
Werbung