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Gute Industriekonjunktur in Österreich, zunehmende Unsicherheit in der Weltwirtschaft

10.12.2010

In Österreich setzte sich die von Export und Sachgütererzeugung getragene Konjunkturerholung im Herbst fort, das BIP stieg im III.  Quartal gegenüber dem Vorquartal real um 0,9% und gegenüber dem Vorjahr um 2,4%.

Ein selbsttragender Investitionsaufschwung kam bislang allerdings nicht in Gang. Die Konsumnachfrage der privaten Haushalte wird weiterhin mäßig ausgeweitet. Vor allem aufgrund der guten Industriekonjunktur sinkt die Arbeitslosigkeit anhaltend, der Anstieg der Verbraucherpreise wird von den Rohstoffpreisen bestimmt.

Österreichs Wirtschaft war von der internationalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise vor allem durch den Einbruch in der exportorientierten Industrie und seinen Folgen betroffen. Seit dem Frühjahr 2009 expandiert die Produktion wieder. Mittlerweile wurde mehr als die Hälfte des Produktionsrückgangs wettgemacht: Im September 2010 lag der Produktionsindex in der Sachgütererzeugung saisonbereinigt um 11% über dem Tiefstand vom Mai 2009. Gemäß dem WIFO-Konjunkturtest hielt die gute Industriekonjunktur auch im Herbst 2010 an: Im Oktober und November verbesserten sich sowohl die Produktionserwartungen der befragten Unternehmen als auch die Einschätzung der Auftragsbestände und der Geschäftslage in sechs Monaten nochmals deutlich.

Die heimische Wirtschaft profitiert dabei vor allem vom kräftigen Aufschwung in den asiatischen und lateinamerikanischen Schwellenländern. Sie ist daran meist über Zulieferbeziehungen zur weltmarktorientierten deutschen Wirtschaft beteiligt. Seit dem Frühjahr 2010 schwächte sich die Dynamik der Importe in Asien allerdings etwas ab, damit verlor der Aufschwung des gesamten Welthandels an Kraft. Innerhalb der EU verstärkt sich die Zweiteilung in eine exportorientierte Ländergruppe um Deutschland mit kräftiger Konjunkturerholung und eine Gruppe von Ländern, die wegen anhaltender Strukturprobleme und der notwendigen Budgetkonsolidierung in einer Rezession verharren.

Der österreichische Güterexport erhöhte sich im III. Quartal 2010 gegenüber dem Vorquartal real um 5,5% und lag damit saisonbereinigt bereits um 22% über dem Tiefstand vom II. Quartal 2009. Die kräftige Zunahme von Warenexport und Produktion in der Sachgütererzeugung brachte den Einbruch der Ausrüstungsinvestitionen zum Stillstand, zog bislang allerdings noch keine kräftige Belebung der Investitionstätigkeit nach sich. Die Bauinvestitionen sind seit dem Frühjahr 2008 rückläufig, auch weil der öffentlich beeinflusste Wohnbau weiter schwächelt.

Übersicht 1: Ergebnisse der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung

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Die Konsumnachfrage der privaten Haushalte erwies sich während der Rezession als wichtiger Stabilisierungsfaktor, sie ging als einzige Nachfragekomponente nicht zurück. Auch 2010 wächst sie mäßig, aber stetig und wird pro Quartal real um etwa ¼% ausgeweitet. Da die Pro-Kopf-Einkommen real nicht steigen, wird dies vor allem durch eine günstige Entwicklung der Beschäftigung ermöglicht: Die Zahl der unselbständig aktiv Beschäftigten betrug im November mehr als 3,3 Mio. Sie lag damit saisonbereinigt um 69.000 über dem Tiefstand vom August 2009 und erreichte einen neuen Höchstwert. Dazu trug neben der stetigen Ausweitung der Zahl der Arbeitsplätze in den Dienstleistungsbranchen auch die Zunahme der Industriebeschäftigung bei: Diese lag im Oktober mit 574.000 um 23.000 über dem Niveau zu Jahresbeginn, allerdings um 56.000 unter dem Höchststand von Mitte 2008. Auch die Zahl der Arbeitslosen verringert sich merklich: Saisonbereinigt lag sie im November mit 248.000 um 20.000 unter dem Höchstwert vom September 2009 und noch um 41.000 über dem Tiefstwert vom März 2008. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote betrug im November 2010 6,8% der unselbständigen Erwerbspersonen bzw. im Oktober 4,8% der Erwerbspersonen laut Eurostat.

Der Preisauftrieb ist weiterhin verhalten, die Inflationsrate betrug im Oktober 2%. Der Preisanstieg geht zu etwa einem Drittel auf die Verteuerung von Mineralölprodukten zurück. Höhere Notierungen für landwirtschaftliche Erzeugnisse auf den Weltmärkten verstärkten den Preisauftrieb für Nahrungsmittel und Bekleidung auf Verbraucherebene etwas. Hingegen entwickeln sich die Preise vieler Dienstleistungen und dauerhafter Konsumgüter weiterhin sehr gedämpft.
Darin spiegelt sich das Fehlen einer konjunkturbedingten Inflation.

Abbildung 1: Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes
Veränderung gegen das Vorjahr (Vorquartal) in %


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Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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