Direkt zum Inhalt

Gute Anlage, gute Rendite

19.11.2020

Bei Investitionsentscheidungen steht meistens die Frage nach der Rendite an erster Stelle. Wer gleichzeitig darauf achtet, wie nachhaltig die Anlage ist, kann nicht nur mehr aus dem Ersparten machen, sondern auch noch einen wesentlichen Beitrag zur Rettung des Planeten leisten. Eine Win-win-Situation im Check.

Reinhard Friesenbichler, Geschäftsführer von rfu

Es klingt wirklich verheißungsvoll: Man investiert, kassiert ordentlich ab und tut auch noch dem Planeten einen guten Dienst. Vor allem im Hinblick auf den Klimawandel wäre mit diesem Lösungsansatz ein wirksamer Stellhebel vorhanden, der auch noch ohne Verzicht auskommt. Doch wie rentabel sind nachhaltige Anlageprodukte wirklich, und welche Rolle spielen sie in der Vielzahl an Angeboten? Fest steht, dass nachhaltige Kapitalanlagen seit vielen Jahren ein wachsendes Segment in der österreichischen Investmentindustrie darstellen. Dies gilt sowohl für große Asset Owners wie Betriebliche Vorsorgekassen und Versicherungen als auch für heimische Wertpapier-Verwaltungsgesellschaften, die mit ihren Fonds die institutionelle und private Nachfrage bedienen.

„Unsere Statistik zeigt ein stetiges Wachstum bei Nachhaltigkeitsfonds und 2019 sogar eine beschleunigte Entwicklung auf 12,6 Milliarden Euro bzw. 13, 6% Marktanteil“, sagt Reinhard Friesenbichler, Spezialist für Nachhaltiges Investment. Es scheint also, dass die Weichen anbieterseitig bereits gestellt wurden. Das liegt allerdings nicht nur am erstarkenden Verantwortungsgefühl der Finanzindustrie, sondern auch am Druck, den sie von der regulatorischen Seite erhalten. Hat doch die Europäische Union erst im Juni eine Verordnung erlassen, die zum einen Vorgaben für nachhaltige Investitionen definiert und zum anderen die Offenlegungspflichten ändert. Das Ziel: Durch die Förderung privater Investitionen in grüne und nachhaltige Projekte soll ein wesentlicher Beitrag zum Europäischen Grünen Deal geleistet werden.

Konkret werden mit der Verordnung nun Finanzmarktteilnehmer wie Investmentfonds, die ein Finanzprodukt als ökologisch vermarkten wollen, verpflichtet, über den Anteil an ökologisch nachhaltigen Investitionen im Sinne der Verordnung in ihrem Portfolio zu berichten. Womit Mogelpackungen verhindert werden. Wenig überraschend will sich kein Anbieter eine Blöße geben und Versäumnisse offenlegen müssen.

Friesenbichler fasst die Situation so zusammen: „Die Verordnung löst in der Finanzindustrie Stress aus. Nachhaltigkeit wurde von der Kür zur Pflicht.“ Ein Zug, auf den die Finanzindustrie dennoch durchaus willig aufzuspringen scheint. Steckt doch in der Entwicklung auch jede Menge Potenzial. So finden sich nun laut Friesenbichler auch immer mehr Anbieter, die stolz erklären, dass sie ohnedies schon immer nachhaltig waren. Fest steht allerdings, dass Finanzgiganten wie Black Rock das Thema nicht gerade als First Mover vorangetrieben haben – auch wenn sie jetzt umso intensiver darauf pochen.

WENN DIE GANZ GROSSEN MITSPIELEN „Der Klimawandel ist für die langfristigen Aussichten von Unternehmen zu einem entscheidenden Faktor geworden“, schrieb etwa der Black Rock-Vorstandsvorsitzende Larry Fink in seinem diesjährigen Brief an die Vorstände von Unternehmen. Schon im Vorjahr hatte er betont, dass die Fähigkeit von Unternehmen, ökologische, soziale und Führungsthemen (ESG) zu behandeln, die Führungsqualität zeige, die essenziell sei, um ein nachhaltiges Wachstum zu gewährleisten. Welche Wirkung solch ein Hinweis vonseiten des global größten Vermögensverwalters entfacht, ist nicht zu unterschätzen.

Wie wirkt sich nun aber eine nachhaltige Anlagestrategie auf die Performance aus? Kurz gesagt: positiv. Denn wird Nachhaltigkeit in die Analyse und Selektion einbezogen, entsteht ein Antizipationseffekt. Werden doch dann vorwiegend Unternehmen ausgewählt, die in der Anpassung an neue Rahmenbedingungen, wie den Klimawandel, schon recht weit sind oder die sogar Lösungsanbieter in dem Bereich sind. Diese Unternehmen laufen also nicht Gefahr, von drohenden Entwicklungen böse überrascht zu werden. Und das schlägt sich langfristig auch positiv in ihrer Ertragssituation nieder. Zudem vermeiden nachhaltige Anlagestrategien auch Assets, die früher oder später massiv an Wert verlieren könnten. Man denke etwa an Braunkohlebergbau. Natürlich liegt der Anspruch aber heute nicht mehr darin, nur Negatives zu vermeiden. Viel relevanter und zeitgemäßer sind jene proaktiven Ansätze, die gezielt nach Unternehmen suchen, die Lösungen für die ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen bieten.

„Nachhaltigkeit wurde von der Kür zur Pflicht“. Reinhard Friesenbichler, Geschäftsführer von rfu

Dass Anleger für das gute Gewissen und Investment in solche Betriebe Renditeabschläge in Kauf nehmen müssen, ist auch laut Friesenbichler eine Mär. Eine Metastudie seiner Unternehmensberatung, die 2.200 Einzelstudien ausgewertet hat, die sich mit der Performance beschäftigen, weist eindeutig und mehrheitlich positive Befunde aus. Aus Anlegersicht geht das Versprechen also tatsächlich voll auf.

NACHHALTIGE NACHFRAGE STILLEN Entsprechend stark werden nachhaltige Fondsinvestments derzeit auch nachgefragt, erklärt Dieter Aigner, Geschäftsführer der Raiffeisen KAG. „Der Markt wächst verglichen mit nicht nachhaltig gemanagten Kapitalanlagen überproportional stark.“ Laut dem „Forum für nachhaltige Geldanlagen“ betrug das Volumen nachhaltig gemanagter Geldanlagen in Österreich per Ende 2019 insgesamt 36,1 Mrd. Euro. Das entspricht einem Wachstum von 38 % im Jahresvergleich. Auch in der Raiffeisen KAG wachsen die nach ESG-Kriterien gemanagten Fondsvolumen überdurchschnittlich. „Bereits ein Fünftel – mehr als acht Mrd. Euro – der gesamten Assets wird nach strengen Nachhaltigkeitskriterien gemanagt“, erklärt Aigner. Mit dem Raiffeisen-Nachhaltigkeit- Mix (Fondsvolumen 2,9 Mrd. Euro) managt das Unternehmen selbst nicht nur den größten Nachhaltigkeitsfonds in Österreich, sondern überhaupt den größten heimischen Publikumsfonds.

WENIGER RISIKEN, MEHR GEWINN Der Grund für das Wachstum scheint auf der Hand zu liegen. Viele nachhaltige Anlegerinnen und Anleger konnten laut Aigner in den letzten Jahren selbst erleben, dass verantwortliches Investieren nicht auf Kosten der Wertentwicklung geht. „Wir sehen auch bei der Performance unserer Produkte, dass sie mit konventionell gemanagten mehr als mithalten können“, sagt Aigner. Zwar steigern auf den ersten Blick bessere ökologische und soziale Standards die Kosten der Unternehmen und Staaten und zehren an der Rentabilität, doch zahlen nachhaltige Strukturen und das effiziente Nutzen von Ressourcen wieder in die Gesamtperformance ein. Risiken werden häufig schneller erkannt oder können ganz vermieden werden. „Gute Arbeitsbedingungen führen zu weniger Streiks, Korruption und Betrug. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben länger in den Unternehmen, was sich positiv auf die Produktivität auswirkt“, erklärt Aigner. Am Ende des Tages trägt all das zu einer besseren und zukunftsfähigen Geschäftsentwicklung bei. Und das spiegelt sich auch in der Performance der Fonds wider. Wie gut das Konzept aufgeht, zeigt sich in der Strategie der Raiffeisen:
„Nachhaltig handeln heißt, Verantwortung zu übernehmen, daher wollen wir auch unsere gesamte Produktpallette dahingehend verändern, um einen noch größeren Wirkungskreis zu erreichen“, sagt Aigner.

GEKOMMEN, UM ZU BLEIBEN Davon, dass auch in Zeiten von Corona keine Trendumkehr passieren wird, ist auszugehen. Wächst doch gerade eher die Sensibilität für die Verletzlichkeit des Systems. Bleibt noch die wesentliche Frage: Woran erkennt man nachhaltige Finanzprodukte? „Nachhaltigkeit ist eine komplexe Eigenschaft, die für Anleger nur schwer überprüfbar ist“, meint Friesenbichler. Deshalb haben sich diverse Labels etabliert, die als externe Qualitätsbestätigungen dienen. In Österreich dominiert das staatliche „Umweltzeichen für Nachhaltige Finanzprodukte“, dass 73 der 104 nachhaltigen Publikumsfonds tragen. Dies ist eine Zunahme um 20 Fonds gegenüber Ende 2018. Das „FNGSiegel für nachhaltige Publikumsfonds“ wurde von 34 Fonds, meist zusätzlich zum Umweltzeichen, erfolgreich angestrebt. Bleibt nur noch die Qual der Wahl, in welchen Bereichen die Geldanlage erfolgen soll.

Werbung

Weiterführende Themen

Meinungen
09.10.2020

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sind für Unternehmen höchst relevant. Einerseits ...

In den derzeitigen 11 Wiener MyPlace-Filialen stehen 10.000 Lagerabteile zur Verfügung
Meldungen
08.10.2020

Der Marktführer in Sachen Selfstorage im deutschsprachigen Raum wird bis Ende 2021 das Angebot in der Bundeshauptstadt um viere Filialen und somit 21.000 m² Lagerfläche vergrößern. Bei der ...

Schon seit 2015 misst die VBV-Vorsorgekasse den CO2-Fußabdruck ihres Portfolios
Meldungen
01.10.2020

Im Rahmen des „Staatspreises Unternehmensqualität 2020“ gab es für die VBV-Vorsorgekasse erneut eine besondere Auszeichnung: Sie bekam vom Bundesministerium für Digitalisierung und ...

Ingo Frank, kaufm. Geschäftsführer Werner & Mertz Hallein
Meldungen
01.10.2020

Bereits 2012 hat Werner & Mertz-Inhaber Reinhard Schneider mit der Recyclat-Initiative ein  Bündnis verschiedener Branchen für ein effektives Plastik-Recycling ins Leben gerufen. Kürzlich ...

Fairtrade zeigt, dass ein nachhaltiges Wirtschaftssystem ohne Ausbeutung möglich ist
Meldungen
30.09.2020

Am 25. September jährte sich zum fünften  Mal die Verabschiedung der nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, die Sustainable Development Goals (SDG). Bei der Umsetzung spielt neben ...

Werbung