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Grüner Spross

17.03.2019

Nachhaltige Finanzierungen werden zum wachsenden Trend in der Bankenbranche. Aus gutem Grund.

Auf den ersten Blick ist Gunskirchen ein unauffälliger, beschaulicher Ort. Knapp mehr als 6.000 Einwohner befinden sich hier im oberösterreichischen Hausruckviertel, ein Schloss und mehrere Kirchen gelten als die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Fest verankert ist hier, wie in vielen Orten in Österreich, auch die Raiffeisenbank. Damit hat die übliche Beschaulichkeit ihr Ende: In den vergangenen Jahren hat die Bank nämlich regelmäßig zweistellige Wachstumsraten eingefahren. Und das, ohne spezielle finanzielle Konditionen anzubieten. Wie das geht?

TREND IST UNVERMEIDBAR

Der Ursprung dieses Erfolgslaufs liegt im Jahr 2012. Da wurde das sogenannte Umweltcenter gegründet, „eine eigene Bank in der Bank“, wie Hubert Pupeter, Geschäftsleiter der Raiffeisenbank Gunskirchen, erklärt. Der Fokus dieser „grünen Bank“ war von Beginn an klar: „Wir investieren ausschließlich in ökologische, soziale und nachhaltige Projekte und Unternehmen“, so Pupeter. Warum das Thema Nachhaltigkeit seit Jahren auch in der Finanzwirtschaft immer größer wird, ist für den Geschäftsleiter klar: „Weil es einfach unvermeidbar ist. Die Banken hatten in den vergangenen Jahren keinen guten Ruf, daher war ein Umdenken höchst an der Zeit“.

Die vom Umweltcenter finanzierten Projekte reichen vom ökosozialen Wohnbau über Biomasse, Recycling, Windkraft, über die Errichtung von Photovoltaikanlagen bis hin zur Null- Prozent-Finanzierung für E-Autos oder ökologisches Bauen. Allein im Jahr 2018 sind mehr als 34 Mio. Euro in nachhaltige und ökologische Projekte investiert worden. Immerhin zwölf Prozent des gesamten Bankgeschäfts der Raiffeisenbank Gunskirchen entfallen auf den Green-Banking-Bereich.

GREEN BONDS IM STEIGEN

Dass grüne Finanzwirtschaft kein regionales Phänomen, sondern ein allgemeiner Trend ist, bestätigt Harald Holzer, Vorstandsmitglied der Kathrein Privatbank: „Das generelle Bewusstsein für nachhaltiges Investment ist stark steigend. Nicht zuletzt weil die Auswirkungen eines leichtfertigen Umgangs mit Ressourcen nunmehr offensichtlich für uns alle spürbar werden. Zukünftige Erben, wie auch Erblasser, wollen nachhaltiger investieren.“ Dies betreffe vor allem nachhaltige Investmentfonds und Green Bonds.
Wie hoch das verwaltete Vermögen von nachhaltigen Geldanlagen auf Produktebene beziehungsweise generell von „verantwortlichem Investieren“ ist, das erhebt jährlich das Forum nachhaltiger Geldanlagen (FNG). Im aktuellen Marktbericht 2018 beziffert FNG die Summe verantwortlich verwalteten Kapitals in Österreich per Ende 2017 mit 39,1 Mrd. Euro, die Summe nachhaltiger Geldanlagen mit 15,2 Mrd. Euro. „Wir sehen im Segment nachhaltige Veranlagung einen Trend, der sich in der Investmentbranche fix verankert hat“, meint Holzer.

KONDITIONEN NICHT AUSSCHLAGGEBEND

Aber womit überzeugt eine Green Bank, die Konditionen wie jede andere Bank auch anbietet, einen Unternehmer? Bernhard Massong betreibt gemeinsam mit seiner Frau ein Stoffgeschäft für Biostoffe in Wien. Als er sein Geschäftslokal vergrößern wollte und dafür um einen Kredit angesucht hat, zeigte seine bisherige Bank kein großes Interesse. Von Bekannten ist Massong auf das Umweltcenter aufmerksam gemacht worden. Und war von Anfang an überzeugt. „Die Konditionen waren nicht ausschlaggebend. Aber die Betreuung ist einfach besser. Wir ziehen im Umweltbereich gemeinsam an einem Strang“, so der Unternehmer.
Dem pflichtet auch Harald Riegler, Geschäftsführer der Linzer WRS Energie- u. Baumanagement GmbH, bei. WRS wickelt Bauprojekte mit Schwerpunkt auf Energieeffizienz für Kommunen und Firmen ab. Für die Errichtung von drei Biomasseanlagen war Riegler auf der Suche nach einer passenden Finanzierung. „Partner, die in die gleiche Richtung denken, tun sich leichter, Projekte zu realisieren“, erklärt Riegler, warum das Zusammenspiel mit dem Umweltcenter von Beginn an geklappt hat. Der Umweltgedanke und die Identifizierung der Bank mit dem Projekt waren für den Geschäftsführer maßgeblich für den Erfolg.

UMWELTGARANTIE ÜBERZEUGT ANLEGER

Transparenz ist ebenfalls ein entscheidender Eckpfeiler des Umweltcenters. „Wir haben ein grundsätzlich anderes Geschäftsmodell mit klaren Ausschlusskriterien etabliert. Komplizierte, spekulative Anlageprodukte kommen nicht zum Einsatz. Die Investitionen werden mit größtmöglicher Transparenz getätigt“, erklärt Pupeter. Dafür sorgt die eigens definierte „Umweltgarantie“, welche die Bank abgibt. Dort ist unter anderem festgelegt, dass die Verwendung der Anlagegelder ausschließlich nach ökologischen und sozialen Kriterien erfolgt. Die Kunden erfahren in diesem Zusammenhang auch, wofür die Bank das Geld ausgibt und werden informiert, welche Projekte finanziert werden. Auf Transparenz und klare Richtlinien setzt auch die Kathrein Privatbank. Sie managt selbst sowohl Spezial- als auch Publikumsfonds in Renten-, Aktien- und Mischfonds, deren Nachhaltigkeitsansatz von einer unabhängigen Stelle überprüft wird. „Die Fonds erfüllen die Vorgaben des Europäischen Transparenz Kodex für Nachhaltigkeitsfonds und dürfen offiziell das Europäische SRI Transparenz Logo führen“, so Holzer. Zusätzlich sind hier drei Rentenfonds mit dem Österreichischen Umweltzeichen für nachhaltige Finanzprodukte zertifiziert. „Relativ neu ist die Messung des CO2-Fußabdruckes, welche derzeit für zwei Publikumsfonds durch einen renommierten Datenprovider durchgeführt wird“, sagt der Vorstand.

KUNDEN SCHÄTZEN SOZIALE VERANTWORTUNG

Dass Banken in Zukunft noch stärker auf grüne Geschäfte Wert legen, davon sind die Banker überzeugt. „Ich warte darauf, dass es uns andere Banken nachmachen und einen Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel leisten“, meint Pupeter. Ebenso bestätigt Holzer: „Das Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft wird unserer Einschätzung nach weiter an Bedeutung gewinnen und das Angebot im Green-Banking-Bereich erweitert werden.“ Aus seiner unternehmerischen Erfahrung weiß Massong: „Die Kunden wollen, dass die Unternehmen auch soziale Verantwortung übernehmen. Das bringt uns Reputation und ein gutes Alleinstellungsmerkmal.“

 

Autor/in: 
Markus Mittermüller

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