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Große Wirkung für die Kleinen

07.02.2021

Nicht nur große Player können extrem von Big Data profitieren. In der Praxis lassen jedoch viele KMU den eigenen Daten-Schatz ungenutzt. Wie sie ihn heben können, erklärt Prof. Axel Polleres, wissenschaftlicher Leiter des Professional MBA Digital Transformation & Data Science der WU Executive Academy

Die letzten Jahre haben eindrucksvoll bewiesen, wie wertvoll Daten geworden sind. Kein Wunder, dass sich in disruptiven Start-ups, digitalen Giganten, aber auch in Konzernen und Behörden ganze Abteilungen mit Datenströmen beschäftigen. „Doch Big Data sind nicht nur etwas für die Großen und Hippen“, sagt Prof. Axel Polleres, Leiter des Instituts für Informationswirtschaft an der WU Wien. Daten sind in Zeiten des Internets für so gut wie jede Branche wichtig. Sie können das entscheidende Erfolgskriterium sein, speziell auch für KMU. Allerdings wissen Klein- und Mittelbetriebe oft gar nicht, welchen Schatz an Daten sie bereits im Haus hätten und lassen ihn ungenutzt. Fünf grundsätzliche Erkenntnisse für den Umgang mit Big Data stellen die Weichen:

1DATEN OHNE INTENTION SIND WERTLOS Fast in jedem Unternehmen finden sich enorme Datenmengen. Häufig fehlt jedoch die systematische Auseinandersetzung mit ihnen. „Gerade in KMU ist es leider noch weitverbreitete Praxis, Daten einfach zu sammeln, ohne zu wissen, was man damit vorhat und sie entsprechend aufzubereiten“, sagt Axel Polleres. Doch aus Grunddaten mit schlechter Qualität könne man später keine Voraussagen und Analysen mit guter Qualität machen. „Man muss Qualitätskriterien und den Zweck der Datensammlung im Vorfeld konkret abstecken“, rät Polleres. Zudem sollte zumindest ein Verantwortlicher grundlegende Kenntnisse in Data Governance besitzen. Andernfalls sei es nicht möglich, Daten systematisch zum eigenen Vorteil zu nutzen.

2DATEN IN ALLEN ABTEILUNGEN NUTZEN Das Tracking des Kundenverhaltens im Internet und auf Social Media ist für den Marketingbereich sehr wertvoll, um neue Services zu entwickeln und die Preisgestaltung zu optimieren. Doch nicht nur für Marketing & Sales sind große Datenmengen wichtig, sie können auch für die Produktion und Verarbeitung und zur Prozessoptimierung aller Geschäftsbereiche herangezogen werden. Beispielsweise können über Maschinendaten künftige Maschinenausfälle verhindert werden. Allerdings sind auch KMU gut beraten, sich nicht ausschließlich auf Big Data zu fokussieren: auch Daten, die Unternehmenswissen in anwendbarer Weise strukturieren, sogenannte „Smart Data“, sind wertvoll und können wichtige Informationen enthalten. Das können etwa die Erfahrungswerte der Mitarbeiter im Umgang mit Maschinen sein.

3MEHR OWNERSHIP MIT DEZENTRALEN DATEN „Wir beobachten, dass disruptive Geschäftsmodelle durch die Hintertür in die Märkte kommen, indem sie für eine Branche neuartige Apps und Systeme anbieten. In Wirklichkeit ziehen sie Daten ab, erlangen so einen Geschäftsvorteil und möglicherweise sogar die Kontrolle über die betroffenen Domänen“, sagt Polleres. Er rät Klein- und Mittelbetrieben, sich von innovativen App-Anbietern unabhängiger zu machen: „Sinnvoller wäre es, sich mit anderen Betrieben und über Branchen hinweg zusammenzuschließen, um gemeinsam Apps zu entwickeln: etwa für die Landwirtschaft, um Daten zur Feldbestellung zu sammeln.“ Kontrolle und Ownership über die eigenen Daten würden somit bei den Unternehmen selbst bleiben. Den Zusammenschluss mit anderen braucht es auch, um mit größeren Datenmengen aussagekräftige Prognosen zu erstellen und um Algorithmen zu trainieren.

4KOMPETENZEN FÜR MEHRERE KÖPFE Das neue Berufsbild der Stunde lautet „Data Scientist“. Diese Fachleute setzen sich mit dem Aufbau, der Analyse und Interpretation von Datenströmen auseinander. Doch das Know-how ist zunehmend nicht nur auf sie beschränkt. Webgigant Google setzt Basiswissen zum Thema Daten und IT bei jedem Mitarbeiter voraus. Doch auch in den Kleinund Mittelbetrieben sollten Kompetenzen zum Thema Daten breiter verteilt sein, rät Axel Polleres. „Jeder Mitarbeiter benötigt ein grundlegendes Verständnis und Basis-Skills zum Thema Daten. Starten sollte man mit der Kompetenzbildung in Sachen Daten und Digitalisierung unbedingt bei den Führungskräften, da sie maßgeblich die Unternehmenskultur und die Strategie prägen.

5KEINE ANGST VOR KUNDENREAKTIONEN Oft haben KMU Bedenken, Datenströme für die eigene Unternehmensführung und Optimierung von Kundenbeziehungen zu nutzen. Man hat schlicht Angst vor negativen Kundenreaktionen, doch: „Kunden haben keine Probleme mit der Datennutzung der Unternehmen, sondern mit dem Missbrauch ihrer sensiblen Daten“, sagt Axel Polleres. Daher sei es umso wichtiger, über rechtliche Bedingungen, die Art der Datensammlung und den Zweck der Datenverwendung Bescheid zu wissen „und dem Kunden jederzeit Auskunft über die Verwendung der Daten geben zu können. Wenn man AI verwendet, muss man auch erklären können, wozu.

 

 

Autor/in: 
PAUL KOSPACH, STEPHAN STRZYZOWSKI

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