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Erkennt eine Tendenz zu mehr Großinsolvenzen:  Janos Kis, Leiter des Bereiches Credit Management bei Acredia

Gefahr von Domino-Effekten aus Großinsolvenzen

28.07.2017

Eine aktuelle Analyse zeigt auf, dass Europa vom Anstieg bei Großinsolvenzen im ersten Quartal besonders betroffen ist. Ein Blick auf die Ursachen.

Mit einer aktuellen Konjunktureinschätzung lässt die Kreditversicherung Acredia aufhorchen. Unter Berufung auf den aktuellen Euler Hermes Konjunkturbericht „High Stakes Game“, der den Zeitraum erstes Quartal 2017 in 20 Ländern analysiert, ergibt sich zwar eine weltweit stabile Lage, die allerdings von sehr uneinheitlichen regionalen Entwicklungen geprägt ist. „Wir erkennen eine Tendenz zu mehr Großinsolvenzen, wobei Europa dabei im Untersuchungszeitraum den höchsten Anstieg verzeichnet. Diese Entwicklung birgt natürlich auch immer die Gefahr eines Domino-Effekts“, betont Janos Kis, Leiter des Bereiches Credit Management bei Acredia. Der Risikoexperte adressiert dabei jene Unternehmen, die potentiell innerhalb der Wertschöpfungskette eines von Insolvenz betroffenen Unternehmens tätig sind.

Anstieg bei Großinsolvenzen

Im ersten Quartal dieses Jahres mussten weltweit 74 Großunternehmen Insolvenz anmelden. Der kumulierte Umsatz der insolventen Konzerne belief sich auf insgesamt 19,1 Milliarden Euro und entspricht einer Steigerung um 34 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2016. Unter dem Druck der digitalen Veränderung verzeichneten Dienstleistungs- und Einzelhandelssektor mit jeweils 17 bzw. 14 die meisten Unternehmenskonkurse im ersten Quartal 2017 und setzten damit den Trend der vergangenen vier Quartale fort.

Konzentration von Bargeldbeständen

Gleichzeitig stellen die Experten eine Zuspitzung der Situation durch die Konzentration von Bargeldbeständen auf Rekordniveaus in einigen Regionen und Industrien fest. Im vergangenen Jahr haben Liquiditätspositionen in Unternehmensbilanzen, die nicht zum Finanzsektor gehören, eine Rekordsumme von 7 Billionen USD erreicht. Seit der Finanzkrise 2008 hat sich das Bargeldvolumen von 3,5 Billionen USD verdoppelt. Bemerkenswert dabei: Der Technologiesektor hält das höchste Bargeldvolumen und überholt damit die Öl und Gas- sowie Automobilbranche. „Durch die uneinheitliche regionale Entwicklung lässt sich ein höheres Risiko erkennen, trotz insgesamt weltweit stabiler Lage und einer anlaufenden konjunkturellen Erholung. Diesen Trend zu Extremrisiken werden wir aufmerksam beobachten, da sie natürlich auch für die österreichische Exportwirtschaft von höchster Relevanz sind“, kommentiert Janos Kis diese Entwicklung.

Chinesische Unternehmen mit Forderungslaufzeiten auf Rekordniveau

Im Umfeld zunehmender Großinsolvenzen und hohen Liquiditätsbeständen bleibt das Zahlungsverhalten der Unternehmen angespannt. 2016 mussten Unternehmen weltweit im Durchschnitt 64 Tage auf Forderungen warten. Unternehmen in Österreich gehören mit Forderungslaufzeiten von durchschnittlichen 44 Tagen zu denen, die am schnellsten bezahlt werden. Am längsten warten Firmen in der Türkei (durchschnittlich 80 Tage), in Italien (durchschnittlich 85 Tage), Griechenland (durchschnittlich 88 Tage) und China (durchschnittlich 89 Tage) auf den Geldeingang. Das neue Schlusslicht China hat damit den höchsten Stand seit neun Jahren erreicht. „Insgesamt sehen wir die globale Wirtschaftsdynamik vor großen Herausforderungen. Kein Sektor kann von diesen Entwicklungen ausgeschlossen werden, daher sollte dieser Wake-Up-Call auch in allen österreichischen Betrieben ankommen“, appelliert Acredia Risikoexperte Janos Kis.

Zur Studie

www.acredia.at

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