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Förderungen: Turbo für Projekte

23.11.2017

Die heimische Förderlandschaft ist ein Dschungel. Wer den Schritt hineinwagt, kann allerdings nur gewinnen – mit vielfältigen und oft bestens ausgestatteten Hilfsprogrammen. Eine Übersicht.

TEXT: PETER MARTENS

In Österreich existieren nebeneinander ganz friedlich rund 600 Förderprogramme auf Bundesebene plus nochmals hunderte auf Landesebene. Förderungen aus Brüssel kommen noch dazu. Das Angebot ist dermaßen breitgefächert und die Details der einzelnen Instrumente so zahlreich, dass in den zentralen Anlaufstellen ein eigener Beraterstab nur damit beschäftigt ist, die Betriebe bei ihren Förderanträgen zu unterstützen. Für jene, denen das immer noch nicht reicht, stehen außerdem zahlreiche private Förderberater bereit. Entsprechend schwer ist es, wirklich durchzublicken. Ein Überblick zu den wichtigsten ersten Anlaufstellen und eine Auswahl aktuell besonders interessanter Förderprogramme bringt Licht ins Dunkel.

DIE ERSTE ORIENTIERUNG

Grundsätzlich gibt es folgende Arten von Förderungen: einmalige Zuschüsse, Kredithaftungen, zinsgünstige Kredite sowie die Expertise von speziellen Beratungen. Eine Anlaufstelle für einen ersten Überblick sind große Finanzhäuser. Etwa die Bank Austria, die vor wenigen Wochen im Internet unter www.foerderfinder.bankaustria. at einen „Förderfinder“ gestartet hat. Auch die Erste Bank betreibt mit den Sparkassen einen „Fördercheck“ unter foerderungscheck.sparkasse. at. Auf diesen Portalen sehen Firmen mit wenigen Klicks, welche Förderungen in ihrem Fall möglich sind. Wer sich vor einer Investition oder einem Forschungsprojekt informieren will, kann unter www.foerderpilot.at nachschauen. Dieses Portal wird von der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) und der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) betrieben. Startups bekommen hier sogar innerhalb von 24 Stunden eine Auskunft darüber, ob es passende Förderungen für ihr Projekt gibt.

ENTSCHEIDEND IM VORFELD: EIN GUTER PLAN

Nach dem ersten Überblick empfiehlt sich eine detaillierte Planung – und dann ein Förderservice der Wirtschaftskammer, die sich als die zentrale Anlaufstelle bei Beratungen sieht. Je detaillierter der Plan, desto genauer die Auskunft, heißt es beim Förderservice der Landeskammern. Dabei gilt immer der Grundsatz „Bund vor Land“ – falls der Bund ein passendes Programm bietet, fördert ihn das Land üblicherweise nicht. Der wichtigste Tipp des WK-Förderservice lautet, zuerst die Förderung zu beantragen und dann erst zu investieren oder eine Anlage zu bestellen oder mit dem Bau zu beginnen. Genau an diesem Punkt gibt es Grenzen der Förderbarkeit: Wenn ein Unternehmen schon rechtsverbindlich investiert hat, sind keine Subventionen mehr möglich. Ebenfalls nicht gefördert wird der Kauf von Autos, Grundstücken, aber auch Mieten oder Kautionen. Und schließlich muss eine Firma auch Eigenmittel investieren und braucht daher unter Umständen Sicherheiten der Hausbank – allein auf Finanzhilfen von außen zu vertrauen geht also nicht.

IM ÜBERBLICK: DIE INTERESSANTESTEN PROGRAMME

1. EINSTELLUNG DES ERSTEN MITARBEITERS
Von wem: Regionale Stelle des AMS
An wen: Ein-Personen-Unternehmen, die voll GSVG-versichert sind und erstmalig oder nach fünf Jahren ihren ersten Mitarbeiter im Rahmen eines echten Dienstverhältnisses anstellen.
Förderung: 25 Prozent des Bruttogehaltes für ein Jahr
Details: Programm betrifft Personen, die direkt vorher eine Ausbildung abgeschlossen und beim AMS als arbeitssuchend gemeldet waren. Nicht gefördert werden Lehrlinge, Ehepartner, neue Selbstständige u. a.

2. KLEINGEWERBEFÖRDERUNG
Von wem: Über Hausbank bei der Landesregierung
An wen: EPU und KMU, die Investitionen in Produktion, Innovation, Arbeitsabläufe, Qualität und Emissionssenkung planen.
Betrifft: Nur mit Kredit oder Leasing finanzierte Projekte mit Investitionssummen zwischen 15.000 und 100.000 Euro
Förderung: Besteht aus einem einmaligen Zuschuss von 7,5 bis zehn Prozent der Investitionssumme. Bei einem Standort in bestimmten ländlichen Gebieten gibt es fünf Prozent der Investitionssumme dazu.

3. LÄNDLICHER RAUM. INNOVATIVE UNTERNEHMEN
Von wem: aws im Auftrag der Bundesregierung und der EU
An wen: KMU und Kleinstunternehmen im Bereich Handwerk, industrielle Erzeugung, regionale Dienstleistungen
Förderung: In Form eines nicht rückzahlbaren Zuschusses von maximal 50.000 Euro oder 55 Prozent der Gesamtkosten
Details: Geförderte Betriebe werden in einem Auswahlverfahren von einer Jury bestimmt, zuletzt waren das 18 aus 95 ausgewählten Projekten in sechs Bundesländern mit einem Fördervolumen von rund 1,3 Millionen Euro.

4. SOZIALE UND ÖKOLOGISCHE FAKTOREN IM FOKUS
Von wem: aws, Sozialministerium u. a.
An wen: Firmen, deren oberstes Ziel eine positive gesellschaftliche Wirkung ist, die daher mehr als die Hälfte ihrer Gewinne auf dieses Ziel verwenden und die sich gleichzeitig zu mehr als 50 Prozent über Markteinkünfte finanzieren.
Förderung: Ein Zuschuss in Höhe von maximal 100.000 Euro bei einem gesamten Fördervolumen von 2,1 Millionen Euro
Details: Beispiele für eine positive gesellschaftliche Wirkung sind etwa Jobs für Langzeitarbeitslose, Dienstleistungen in den Bereichen Umweltschutz, Bildung oder Kultur.

5. ANSCHLUSS AN DAS BREITBANDINTERNET
Von wem: FFG im Auftrag des Verkehrsministeriums
An wen: Das Programm „Connect“ richtet sich an EPU oder KMU, die einen Anschluss von ihrer Firma an ein Glasfasernetz legen lassen. Besteht keine Glasfaser-Erschließung, ist die Förderung der Leerverrohrung für Glasfaserkabel möglich.
Förderung: Bis maximal 50.000 Euro pro Unternehmen oder 200.000 Euro pro Unternehmensgruppe bei einem Zeitraum innerhalb von drei Jahren
Details: Das Förderprogramm hat ein Volumen von 21 Millionen Euro. Ist das Budget verbraucht, gibt es keine Förderungen mehr.

6. HILFE FÜR EXPORTEURE
Von wem: Österreichischer Exportfonds über Hausbank
An wen: Exportierende KMU
Förderung: Finanzierung der Markterschließung im Ausland einschließlich der EU mit vergünstigten Krediten in einer Höhe bis 50.000 Euro plus zehn Prozent des Gesamtumsatzes des Exporteurs bei einem maximalen Umsatz von 500.000 Euro
Details: Der Exportfonds finanziert u. a. Marktstudien, Beratungen, Geschäftsreisen, Messekosten, Publikationen, Aufwendungen für Mitarbeiter und Werbung.

7. MEHR ENERGIEEFFIZIENZ, MEHR UMWELTSCHUTZ
Von wem: Kommunalkredit Public Consulting im Auftrag des Umweltministeriums
An wen: Alle Unternehmen und unternehmerisch tätige Organisationen
Förderung: Investitionen in Umweltschutz und Energieeffizienz in Form eines nicht rückzahlbaren Zuschusses zu den Investitionskosten. Höhe des Zuschusses bis zu 35 Prozent der Projektkosten. Maximale Förderungshöhe pro Projekt 1,5 Millionen Euro, bei Abwärmeauskopplungsprojekten 4,5 Millionen Euro.
Details: Projekte möglich u. a. in den Bereichen Energiesparen, Fahrzeuge, F&E, Licht, Wärme oder Wasser.

8. BASISPROGRAMM FÜR FORSCHUNGSPROJEKTE
Von wem: FFG im Auftrag des Bundes
An wen: Alle vom Kleinstunternehmen bis Industriekonzern für Projekte in der Forschung und Entwicklung
Förderung: Eine Kombination aus Zuschüssen, zinsbegünstigten Darlehen, Kredithaftungen plus Zinsenzuschüsse
Details: Keine Einschränkung bei Thema oder Projektgröße. In der Regel ein Jahr Laufzeit, Fortsetzung möglich. Kriterien für die Höhe der Förderung: Innovationsgrad, technische Schwierigkeit des Projekts und Aussichten auf wirtschaftlichen Erfolg.

 

Autor
Peter Martens

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