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Firmenübergabe: Töchter und Externe voraus

26.05.2020

Gerade mittelständische Unternehmen könnten die Umbrüche der Corona-Phase dazu nützen, um junge Arbeitskräfte anzuziehen und mit alten Mustern zu brechen. Worauf sie dabei achten müssen, erklärt
der Trendforscher Franz Kühmayer.

Eben noch beschäftigte sich Franz Kühmayer, Vordenker und Zukunftsforscher, mit Generationenwechsel und Nachfolgefrage. Dann kam Corona. Wie passt das zusammen? „Hervorragend“, meint Kühmayer. „Corona ist eine Jahrhundertchance für den Mittelstand.“ Denn genau jetzt sei man offen für Ideen jeder Art. Kühmayer nennt etwa Homeoffice: Jahrelang zuckelte es vor sich hin, die einen durften daheim arbeiten, die anderen nicht. Es gab zwei Strömungen. Die ganz Großen und die ganz Kleinen stürmten voran und probierten es aus, der Mittelbau hinkte nach.
„Dank“ Corona ist Homeoffice heute selbstverständlich. Kühmayer: „Dasselbe gilt auch für die Digitalisierung. Viele hielten sie für die aktuelle Sau, die von den Trendforschern durchs Dorf getrieben wird. Jetzt stellt sich heraus: Sie wird uns retten.“ Gut für jene, die hier schon Vorarbeit leisteten, Last Call für jene, die zögerten.
Kühmayers Befund: Um nach dem Abflauen der Krise vorne mit dabei zu sein, muss man jetzt die jungen, gut ausgebildeten Talente ansprechen. Jene, die den Googles, McKinseys und BMWs dieser Welt zunehmend misstrauen. Millennials hätten keinen Bock auf endlose Besprechungen, Reports und Zwölf-Stunden-Tage ohne greifbares Ergebnis. Genau hier können KMU mit Marktnähe, Kundenverständnis,
Überschaubarkeit, Innovationskraft, raschem Aufstieg, Agilität und vielem mehr punkten: „Der Mittestand soll jetzt bloß nicht sein Licht unter den Scheffel stellen. Er muss sich
auf seine natürlichen Stärken besinnen.“ Und diese, kaum dass das Ende der Quarantäne nahe, offensiv ausspielen: „Weil die Jungen sofort ins Tun kommen wollen.“

Altbauer an Erstgeborenen … 

Und die Nachfolgefrage? Soll ein Generationenwechsel dort, wo es geplant war, trotz Krise angegangen oder besser verschoben werden? Kühmayer zögert. Unabhängig von Corona zeigten Millennials
oft wenig Lust, den Betrieb der Eltern zu übernehmen. „Das hat nichts mit mangelndem Unternehmergeist zu tun, sonst hätten wir keine blühende Start-up-Szene. Sondern dass die Jungen breitere Möglichkeiten sehen.“ Digitale nämlich: Ein eigenes Unternehmen vom Start weg digital aufzuziehen, ist verlockender, als ein bestehendes umzukrempeln. Glücklich, wessen Junior wie beim Uhrbandhersteller Hirsch als Initiationsprojekt „nur“ eine E-Commerce-Schiene aufzieht: Die kann man an den Vertrieb andocken. „Die Natürlichkeit der Hofübergabe bricht“, formuliert es Kühmayer, einfach weil der Sohn von anderem träumt. Nicht zufällig spricht er vom männlichen Erben: Laut KMU-Forschung kommt dieser in 62 Prozent der Übergaben zum Zug. Die Tochter nur in 17 Prozent – oft nur,
weil der Sohn noch zu jung ist –, sonst der/die PartnerIn. Für Kühmayer ist „Corona die Chance, auch über einen Genderwechsel nachzudenken.“ Mit der Vielfalt der Perspektiven steige bekanntlich der Erfolg. Nur trauen müsse man sich.

… oder an Externen

Das macht Externe interessant. Gutes Management, so Kühmayer, bedeutet, „die Organisation nicht um Menschen herum zu bauen“. Zwar hat die Gründerfamilie ihre DNA unverrückbar im Unternehmen hinterlassen, langfristig aber zählt die Unternehmenskultur mehr als die Person. Das macht auch externe Nachfolger interessant, solange sie die Kultur verkörpern. „Sinngemäß: Unser Gründer hat uns die DNA eingeprägt. Weiterentwickelt wird sie von uns allen.“ Und wer weiß, ein paar Digitalerfahrungen später steigen die Kinder vielleicht ja doch ein.

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