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Firmenkreditkarten - Plastik mit Zusatznutzen

31.05.2006

Es gibt noch Unternehmen ohne Firmenkreditkarten, aber sie werden weniger. Das Plastikgeld hält vor allem wegen der Zusatzleistungen besonders im rasch internationalisierenden Mittelstand Einzug. Man muss nicht unbedingt ein Konzern sein, um zu profitieren. Ein paar Dienstreisen von Chef und Mitarbeitern im Jahr tun es auch. Von Maike Seidenberger und Andrea Deutsch
m.seidenberger@wirtschaftsverlag.at
a.deutsch@wirtschaftsverlag.at

Fotos Rober Polster, Richard Tanzer

Da Plastikgeld ein relativ stark standardisiertes Produkt ist, müssen sich die Anbieter über Zusatzleistungen und unterschiedliche Akzente differenzieren. Zentral bleibt die vereinfachte Zahlung, meint Peter Neubauer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Europay Austria (Mastercard): "Es geht um zwei Grundbedürfnisse: Das Bargeld-Handling wegkriegen und mehr Transparenz über Firmenausgaben zu haben." Zwei von drei Flugtickets werden laut AirPlus-Geschäftsführer Hanno Kirsch, bereits mittels Firmenkarte beglichen. Eine (Reise-)Versicherung bietet jede Kreditkarte - allerdings zu unterschiedlichen Bedingungen. Oft muss etwa für den Schutz die Reise selbst beziehungsweise ein Teil davon (Flugticket, Hotel) mit der Karte bezahlt werden sein, manchmal genügt der bloße Besitz unabhängig von der Zahlungsart. Kann eine Taxifahrt einmal nicht über Kreditkarte bezahlt werden, kann man diese auch für den Bezug von Bargeld, mit AirPlus-Karten etwa bei einer Million Geldautomaten weltweit, Verwendung finden.

Pre-Paid und Sicherheit
Für Unternehmen interessant ist in erster Linie der Sicherheitsaspekt einer Firmenkreditkarte. Der eliminiert das Risiko des Bargeld-Handlings. Hier tut sich auch ein Markt für neue Produkte auf, wie die von den größeren Anbietern lancierten Pre-Paid-Karten (siehe Kasten "Soll und Haben"). In Umkehrung des Kreditprinzips wird die Karte mit einem Bar-Guthaben aufgeladen. Da die Ladesumme im Voraus bezahlt wird, ist auch keine Bonitätsprüfung nötig. Pre-Paid-Karten können Reiseschecks oder Bargeldvorschüsse für Dienstreisen ebenso ersetzen wie als Weihnachtsgeschenk für Kunden und Geschäftspartner dienen. Werbeeffekt durch Konfektionierung mit dem eigenen Firmenlogo inklusive. Europay hat gerade gemeinsam mit der AUA begonnen, die Entschädigungszahlungen bei Flugverspätungen in Form von Pre-Paid-Karten abzuwickeln, zeigt Neubauer Anwendungen vor: "Künftig bekommt man seine Passenger Compensation nicht mehr in bar, sondern als Karte mit einem PIN - das erhöht die Sicherheit und erleichtert das Handling." Auch Spediteure drückten ihren Frächtern lieber eine Karte statt ein Bündel Banknoten in die Hand. "Die sind froh, wenn in der Fahrerkabine nichts herumliegt und der Fahrer trotzdem seine Fracht auslösen kann." Auch die LKW-Maut kann über Karten abgerechnet werden (Mastercard, Airplus).
Bei Visa setzt man auf Pre-Paid-Karten - die auch für Einkäufe via Internet verwendet werden können. Sicherheit bietet auch der Rahmen - eingekauft werden kann nur bis zum jeweils geladenen Guthaben. "Damit kann man auch als Kreditkarteninhaber Internet-Umsätze getrennt von anderen Zahlungen abwickeln", meint dazu Visa-Austria-Vorstandsvorsitzender Helmut Nahlik. Vor allem in der jungen Zielgruppe von Schülern und Studenten sieht AirPlus in punkto Internet-Käufen ein großes Potential.

Transparente Reisekosten
Zum anderen können gerade reiseintensive Firmen durch gemeinsame Abrechnung über eine oder mehrere Karten oft zum ersten Mal einen aussagekräftigen Überblick über ihre Gesamtspesen und deren Struktur gewinnen. Was ihnen wiederum bei Verhandlungen mit Hotelketten, Fluglinien oder Mietwagenunternehmen einen Hebel für Mengerabatte verschafft. Das reine "Ich weiß ja, was wir verfliegen" im Chef-Sekretariat reicht dafür nicht aus.
Das Konzept kommt aus den USA; deren international tätige Konzerne lagern das Travel Management längst aus und bedienen sich dazu auch der Dienste von Kreditkartenanbietern. Bei American Express, nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei Corporate Cards (Firmenkarten für Großunternehmen), setzt George Frey, Direktor von American Express Österreich, voll auf das Geschäftsreise-Management. Starkes Wachstum, meint Silvia Steinacher, beim American Express für das Corporate-Geschäft zuständig, sei vor allem bei zügig internationalisierenden heimischen Mittelstandsunternehmen möglich. Der Vorteil für die Unternehmen: Alle Geschäftsreise-Ausgaben über ein Kartensystem abzuwickeln, bedeute bei der hinterlegten IT-Architektur wegen der aufbereiteten Daten ein bessere Verhandlungsbasis mit den Leistungsträgern. "Da kann man Kosten sparen. Wir sehen uns als Konsulent." Gerade wenn man Geschäftsreisen von Niederlassungen in mehreren Ländern zusammenfassen will, würden sich die Reporting-Systeme hinter den Firmenkarten bewähren, meint Steinacher. "Macht man das im Unternehmen selbst, ist oft schon das Zusammenführen schwierig, wenn die Daten von verschiedenen Reisebüros in verschiedenen Ländern kommen." Was man durchaus in andere Administrationsfelder ausweiten könne - etwa indem man den Bereich Events/Tagungen zum Bereich Geschäftsreisen hinzu nimmt: "Heute arbeiten oft beide getrennt und dasselbe Unternehmen zahlt oft verschiedene Raten beim gleichen Hotelpartner." Ein weiterer nicht-traditioneller Anwendungsbereich der Firmenkreditkarte wäre die Beschaffung, findet Frey: "Man kann Hauptlieferanten verbinden, bekommt eine aufgeschlüsselte Rechnung statt mehrerer.
KMU lassen sich mit ausgefeilten Großsystemen wohl weniger locken, wohl aber mit dem bei Kreditkarten längeren Zahlungszielen, der etwa bei Visa 6 Wochen betragen. Schmückendes Beiwerk kostet zunächst einmal extra: Für das Bonuspunkteprogramm von American Express ist eine Teilnahmegebühr fällig. Der Gegenwert der Punkte, die Kunden sammeln, denen die Karte locker sitzt, könne sich durchaus auf ein bis zwei Prozent der über die Kreditkarte abgerechneten Kosten summieren, sagt Frey. Umgesetzt werden können diese etwa in Hotelübernachtungen, Zugtickets oder Flugmeilen. Zusätzlich bieten im "Partner-Netzwerk" Kooperationsunternehmen Rabatte an: vom Maßhemd über eine Bonitätsauskunft, vom Mietwagen bis zum Büromaterial lukrieren Business-Karten-Zahler Ermäßigungen.
Um Sicherheit bemüht sind alle Kreditkartenunternehmen. Hologramme, Magnetstreifen, Chips und akustische Wasserzeichen sollen vor Missbrauch schützen. Hotlines gewährleisten rund um die Uhr eine sofortige Sperre der Karte bei Diebstahl. Gematcht wird unter den Anbietern auch bei der Haftung nach einer missbräuchlichen Transaktion. Visa etwa verspricht dem Karteninhaber eine maximale Haftung von 72,67 Euro.

E-Business mit Plastik und Chip
Peter Neubauer von Europay setzt hingegen stark auf Anwendungen abseits der klassischen Zahlungsfunktion. Beispiel E-Government: "Wir haben die einzige Kreditkarte auf dem österreichischen Markt, die für eine digitale Signatur geeignet ist." 16.000 Mastercard-Kunden haben auf ihren Karten den Chip aktiviert, viele davon Firmenkunden. Was etwa bei öffentlichen Aufträgen, die über elektronische Plattformen abgewickelt werden, nützlich ist. Eine Bedrohung durch Neuanbieter auf dem Firmenkartensektor befürchten die etablierten Unternehmen derzeit nicht.
(6/06)

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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