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Feuer statt Asche

09.04.2014

Als ältestes Bankhaus des Landes überstand Spängler schon so manche Krise: indem man unkontrollierbare Risiken scheut und seine Kernkompetenzen weiterentwickelt.

Text: Daniel Nutz

Es war Ende des 16. Jahrhunderts, als die ersten Spänglers Wein und Seide aus Südtirol in das Bistum Salzburg gegen Salz handelten (aus Sinn fürs Geschäft ließen sich die Spänglers schließlich in Salzburg nieder). So wurde im Jahr 1828 der Grundstein des ältesten Bankhauses Österreichs gelegt. Auf 186 Jahre Firmenhistorie blickt man heute zurück. Diese hatte auch ihre dunklen Seiten. Die Große Depression steuerte auf ihren Höhepunkt zu, als die Pleite der Creditanstalt beinahe auch das Bankhaus Spängler in den Abgrund riss. „Als kleine Bank ist man natürlich sehr anfällig", sagt Helmut Gerlich, der heute als erster Familienferner den Posten des Vorstandsvorsitzenden besetzt. Das beinahe Ende des ältesten Bankhauses des Landes hat aber auch zu einem nachhaltigen Bewusstsein geführt. Nie mehr wollte man Risiken eingehen, die das Bestehen des Hauses gefährden könnten.

Finger weg von komplizierten Geschäften
Heute sitzt Gerlich in der Wiener Dependance der Salzburger Bank mit Blick auf den Stephansdom und kann sich um einiges entspannter fühlen als viele Kollegen. Denn sein Haus kam bislang deutlich besser durch die Krise als andere. Schließlich vergab man nur 60 Prozent der Einlagen in Kredite weiter und hielt die Kernkapitalquote bei hohen elf Prozent. Werte, die man in Vorkrisenzeiten vielerorts als risikoscheu bezeichnet hätte. Doch als in Folge der Lehman-Pleite die Banken aufhörten, sich gegenseitig Geld zu borgen, entpuppte sich der konservative Weg als goldrichtig. Obwohl der Terminus „konservativ" Gerlich eigentlich gar nicht gefällt. Hätte man den Blick nicht stets nach vorne gerichtet und sich angepasst, würde es die Bank vermutlich längst nicht mehr geben, stellt der Vorstand klar. Man habe allerdings die Finger von Geschäften gelassen, die man nicht verstanden habe und sich auf die Weiterentwicklung des Kerngeschäfts konzentriert.

Neue Geschäftsfelder
Was damit gemeint ist? Rund die Hälfte des Umsatzes fällt heute in das Wertpapiergeschäft. Dieses hat man nach dem Wegfall des Währungswechsels durch die Euro-Einführung bewusst als Standbein ausgebaut. Wobei man dabei auf solide Anlagestrategien setzt. „Zocker sind bei uns sicher nicht richtig", so Gerlich. Die andere Hälfte bestreitet man mit dem klassischen Zinsgeschäft, also Spareinlagen und Krediten. Wobei Spängler seit einiger Zeit auf Familienbetriebe fokussiert. „Nachdem wir selbst einer sind, haben wir natürlich darin eine Kernkompetenz." Die Unternehmenskunden umwirbt man mit einem Plus an Service. Ein Schwerpunkt liegt etwa auf den Unternehmensnachfolgen. „Finanzierung ist dabei nur ein Thema von mehreren. Eigentlich gibt es immer irgendwo Konflikte", sagt Gerlich. Darum biete man auch beratende Unterstützung wie Mediation an. Hat man wie das Bankhaus Spängler selbst eine fast 200-jährige Geschichte, kann man manchmal auch mit eigenen Weisheiten helfen. Wenn es um Ratschläge geht, zitiert Gerlich selbst auch gerne den großen Komponisten Gustav Mahler, der gesagt hat: „Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche." Nach diesem Motto will der Vorstandschef das Bankhaus Spängler auch durch die stürmische See der Krise und zu neuen Ufern führen.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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