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Euro-Krise drückt Verbrauchervertrauen in Europa

15.02.2012

Weltweit steigt das Verbrauchervertrauen. Aufgrund der Eurokrise gibt es aber in Europa zunehmend Skepsis. Das zeigt die neueste Verbrauchervertrauensanalyse von Nielsen.

Während das Verbrauchervertrauen weltweit getrieben von Ländern wie USA und China im vierten Quartal 2011 um einen Punkt zulegte (89), zeigt sich in Europa etwas Ernüchterung. Hier sank der Index im Vergleich zum Vorquartal um drei Punkte auf 71. Diese Ergebnisse iefert die Nielsen Global Survey, bei der vom 23. November bis 9. Dezember 2011 mehr als 28.000 regelmäßige Internetnutzer aus mehr als 50 Ländern der Regionen Asien-Pazifik, Europa, Lateinamerika, Mittlerer Osten, Afrika und Nordamerika teilnahmen. Obwohl in nur zwölf der teilnehmenden Länder das Vertrauen in die Wirtschaft gestiegen ist, während es in 35 Ländern sank und in neun Ländern gleich blieb, konnte der Index weltweit im Schnitt um einen Punkt zulegen. Maßgeblich sind hier vor allem die Länder mit einem großen Vertrauenszuwachs, wie Rumänien (+10 Punkte), USA (+6) sowie Kolumbien, Venezuela und die Philippinen (jeweils +5). In Europa ist eine rückläufige Entwicklung zu erkennen.

 

Verunsicherung in Europa

 „Die wirtschaftlichen Herausforderungen in Europa führen zu einer deutlichen Verunsicherung der Konsumenten. Sehr positive Nachrichten kommen jedoch aus den zwei größten Volkswirtschaften: In den USA und in China ist das Vertrauen nun wieder auf dem Niveau des ersten Quartals 2011", erklärt Petra Kacnik, Director Consumer Research DACH. In den USA stieg das Vertrauen der Konsumenten um sechs Punkte auf 83, in China um vier Punkte auf 108. In Deutschland blieb das Verbrauchervertrauen stabil (87) und konnte im Jahresvergleich um vier Punkte zulegen.

 

In der Schweiz (-7 auf 92 Punkte) und in Österreich (-6 auf 90) sank der Index deutlich (siehe Abb. 1). Das Plus in den USA erklärt sich vor allem durch die gute Bewertung der Aussichten für die persönlichen Finanzen. 49 Prozent der Befragten erwarten, dass sich ihre Finanzen im nächsten Jahr gut oder exzellent entwickeln werden. „Trotz stetigem Gegenwind zeigen die Ergebnisse einen positiven Trend, wenn die Werte auch noch unter jenen vor der Rezession liegen", erläutert Kacnik. Doch die Lage sei noch nicht entspannt: „Langzeit-Arbeitslosigkeit und eine hohe Anzahl von Konsumenten, die angeben, kein Geld übrig zu haben (32%) mahnen zur Vorsicht. Noch dazu sind viele Konsumenten in den letzten Monaten an ihre Ersparnisse gegangen, um trotz Ausfall von realem Einkommen und Lohnsteigerungen weiterhin liquide zu bleiben. Um die Konsumausgaben künftig zu steigern oder zumindest stabil zu halten, ist es noch ein weiter Weg."

 

Regionale Entwicklungen

Vor allem die gute Entwicklung in den USA verschaffte der Region Nordamerika mit einem Plus von fünf Punkten auf 84 Punkte den stärksten Anstieg innerhalb der weltweiten Regionen. Die Regionen mit dem stärksten Vertrauen bleiben allerdings weiterhin der Asien-Pazifik-Raum (+2 auf 99 Punkte) und Lateinamerika (+1 auf 98 Punkte). In der Region Mittlerer Osten/Afrika sank der Index um einen Punkt auf 95 Punkte, in Europa sank das Vertrauen mit 71 Punkten auf den tiefsten Wert seit dem ersten Quartal 2009.

 

Dämpfer in Österreich

In Österreich resultiert das reduzierte Vertrauen aus einer deutlichen Veränderung bei den Berufsaussichten. Waren bis zum dritten Quartal noch weit mehr als die Hälfte (59%) der Konsumenten der Meinung, ihre Berufsaussichten seien ausgezeichnet oder gut, waren es im vierten Quartal nur noch 43 Prozent. Bei den persönlichen Finanzen und der Bereitschaft für Anschaffungen gibt es während des ganzen Jahres im Prinzip keine Veränderungen. Dazu Petra Kacnik: „Anders als in Deutschland scheinen die Konsumenten in Österreich eine deutlichere Verschlechterung am Arbeitsmarkt zu befürchten, während das starke soziale System die Einschätzung der persönlichen finanziellen Lage sehr stabil hält.

 

Dementsprechend sorgen sich Konsumenten in Österreich am stärksten um die wirtschaftliche Lage und erst mit einigem Abstand um steigende Wohnnebenkosten.

An dritter Stelle folgt die Sorge wegen steigender Lebensmittelkosten. Die Sparneigung bleibt im Jahresvergleich auf annähernd gleichem Niveau mit nur einem kleinen Ausreißer im zweiten Quartal.

 

Die gesamte Studie: http://www.nielsen.com/de/de/insights/presseseite/2012/euro-krise-drueckt-verbrauchervertrauen-in-europa.html

 

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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