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„Ethisches Investment performt zumindest gleich gut“

10.11.2014

Nachhaltige Finanzprodukte werden beliebter. Doch wie steht es um deren Transparenz sowie Rendite, und kann ethisches Investment überhaupt etwas bewirken? Klaus Gabriel, Geschäftsführer des Frankfurter Thinktanks für ethisch orientierte Investoren, CRIC, gibt uns Antworten.

Interview: Daniel Nutz

 

Viele Anleger wollen ihr Geld nach ethischen Kriterien investieren. Nur wissen sie oft nicht, wie und wo das am besten geht. Haben Sie eine Orientierungshilfe?
Für ethisches Investment gibt es heute weit mehr Angebote als noch vor fünf oder zehn Jahren. Das ist gut. Andererseits ist es auch schwierig, bei dem größeren Angebot den Durchblick zu bewahren. Helfen können Zertifizierungen und Siegel, wobei man sich davon nicht zu viel erwarten darf. Diese bieten nur eine grobe Orientierung. Zuallererst muss sich jeder Investor selbst im Klaren sein, was mit dem Investment genau bewirkt werden soll? Daraus leitet sich die konkrete Strategie ab, die meist gemeinsam mit dem Berater erarbeitet wird.

 

Konsumentenschützer kritisieren, dass es für Anleger oft schwer nachvollziehbar ist, was in ethischen Investprodukten drinnensteckt. Teilen Sie diese Kritik?
Das stimmte in der Vergangenheit sicher. Ein Quantensprung in Sachen Durchsichtigkeit ist aber die Einführung des Eurosif-Transparenzlogos. Dadurch wird Konsumenten die Möglichkeit gegeben, selbst die Produkte vergleichen zu können. Letztlich liegt die Entscheidung natürlich beim Konsumenten, worauf er besonders Wert legt.

 

Es gibt viele Labels, die ethisches nachhaltiges Investment ausweisen. Welche sind relevant?
Die bekanntesten sind das Umweltzeichen 49, das Ethibel-Label, das relativ neue Label von Novethic, sowie das Eurosif Transparenz-Logo, das allerdings nicht eine bestimmte Qualität, sondern die Verfügbarkeit von Informationen zu Investmentfonds attestiert. Das Eurosif-Logo ist sicherlich ein besonders wertvoller Beitrag, aber es ist neutral, was die jeweiligen Werthaltungen betrifft. Wenn ein nachhaltiger Fonds in Atomkraft investiert, wird das vom Eurosif-Logo zum Beispiel nicht als gut oder schlecht bewertet. Bewertet wird nur, ob der Fonds das auch klar kommuniziert. Ein Gütesiegel, das eine Benchmark setzt, ist jedenfalls das österreichische Umweltzeichen 49. Dieses bietet auch international einen sehr hohen Standard, nach dem sich potenzielle Anleger richten können.

 

Es scheint, als wäre ethisches Investment auf Wertpapiere wie Fonds beschränkt. Der klassische Österreicher bevorzugt, zumindest bei kleinen Vermögen, aber noch immer das Sparbuch. Was gibt es in diesem Bereich?
Das stimmt. Vieles unter 50.000 Euro fällt in den Bereich des klassischen Sparbuchkunden. Und hier gibt es auch noch relativ wenig Angebot. Die ersten Anbieter treten erst seit kurzem auf. Bei den Spareinlagen handelt es sich dann meist um Zweckbindungen des angelegten Geldes, wie sie etwa die GLS-Bank anbietet. Damit werden Finanzierungen etwa in den Bereichen Bildung, ökologischer Landbau oder sozialer Wohnbau vergeben. Andere Bankhäuser wie Schelhammer & Schattera legen das Geld am Kapitalmarkt unter ethischen Kriterien an. Daneben gibt es noch Sparbücher mit Zinsverzicht, dabei werden die Zinsen in ein soziales Projekt übergeführt.

 

Die meisten Anleger wollen aber Rendite sehen. Ethisches Investment bringt aber nicht unbedingt die beste Rendite, oder?
Das stimmt so nicht mehr. Die Mehrzahl der Studien kommt zum Ergebnis, dass ethisches Investment zu keinen Einbußen führt. Ein Beispiel, warum dem so ist: Im Rüstungsbereich verzichtet man zwar auf das eine oder andere Unternehmen, das hohe Dividenden ausschüttet. Andererseits vermeidet man aber auch Risiken. Etwa von Klagen wegen Verfehlungen im sozialen oder ökologischen Bereich. BP ist hier ein gutes Beispiel. Einige Ratingagenturen bewerten die Risiken aufgrund der niedrigen Standards, und diese fließen mittlerweile in die Bewertung des Unternehmens ein. Analysten finden so wertvolle Parameter, die es in den nackten Zahlen nicht gibt.

 

Sie meinen, Nachhaltigkeit sei also sogar ein Performance-Indikator?
Ja, weil anzunehmen ist, dass sich hohe Standards in Maßnahmen der CSR mittel- bis langfristig lohnen werden. Die Unternehmen, welche das jetzt schon umsetzen, haben in gewissem Sinn einen Wettbewerbsvorteil. Denn über kurz oder lang müssen sich alle Unternehmen mit den Themen auseinandersetzen. Immer mehr etablierte Analysten sehen das ein. Bei Aktien kann man sagen, dass ethisches Investment also zumindest gleich gut performt wie herkömmliche Anlagen. Bei anderen Assetklassen fehlt es noch an wissenschaftlichen Studien.

 

Die Bankberater sehen das aber anders. Sie raten hinsichtlich des Ertrags zu klassischen Produkten. Haben Sie eine Erklärung?
Sie haben recht, dass dem so ist. Im Mystery-Shopping haben wir selbst festgestellt, dass hier das größte Problem liegt. Die Qualität der Beratung über ethische Anlageprodukte hinkt nämlich noch der Qualität der Produkte hinterher. Das muss sich ändern! Die Berater können mit Finanzkennzahlen umgehen, aber bei einem Gespräch über Ethik und Nachhaltigkeit tun sich viele noch schwer. Hier braucht es teilweise noch entsprechende Aus- und Vorbildungen. An der katholischen Sozialakademie gibt es dafür den Lehrgang Geld und Ethik.

 

Obwohl der Anteil zuletzt stark stieg, ist das Volumen von ethischen Investments fast verschwindend klein. In Österreich sind es beispielsweise gerade einmal vier Prozent. Welche Effekte kann das überhaupt haben?
Es gibt jedenfalls direkte Wirkungen. Wirtschaftsakteure sollen bewegt werden, sich anders zu verhalten. Das ist erst mit einem gewissen Volumen nötig. Man sagt, wenn 25 Prozent der Aktionäre eines Unternehmens nach gewissen ethischen Richtlinien agieren, hat das eine Auswirkung auf das jeweilige Unternehmen. So weit sind wir aber noch längst nicht. Die Kapitalwirkung gibt es also derzeit in erster Linie im außerbörslichen Bereich. Wenn es etwa darum geht, Projekten zu einer günstigen Finanzierung zu verhelfen, etwa durch Impact-Finanzierung oder Mikrokredite. Aber es gibt noch einen anderen Effekt. Unternehmen sind sich durchaus bewusst, dass es einen Unterschied macht, ob sie in einem Nachhaltigkeitsindex gelistet sind oder nicht. Das Image spielt natürlich eine Rolle. Unternehmen sind hellhörig, wenn es um die Glaubwürdigkeit geht. Der norwegische Staatsfonds hat einmal die US-Handelsfirma Wallmart aufgrund sozialer Verfehlungen ausgeschlossen. Das ging durch die Weltpresse und kann sich kein Unternehmen leisten. Das ist die Wirkung des ethischen Investments. Unternehmen werden so doch dazu angestoßen, soziale und ökologische Standards zu heben.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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