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Bei der Post denkt man auch über die Zustellung mittels Drohnen nach. Für die Massenzustellung werden sie aber nicht zum Einsatz kommen.

Es würde finster werden

23.11.2017

Peter Umundum leitet den Paket-Bereich der Österreichischen Post. Im Interview verrät er, warum das Online-Business weiter anziehen wird und warum wir unsere Lebensmittel vielleicht schon bald nicht mehr nach Hause schleppen müssen.

Peter Umundum

Peter Umundum leitet den Paket- Bereich der Österreichischen Post. Im Interview verrät er, warum das Online- Business weiter anziehen wird und warum wir unsere Lebensmittel vielleicht schon bald nicht mehr nach Hause schleppen müssen. Aktuell

INTERVIEW: JOHANNES TOMSICH

Die Logistik wird zunehmend zum entscheidenden Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit. Wie nehmen Sie die Entwicklung wahr?
Im klassischen B2B-Geschäft war bisher Logistik lediglich ein unterstützender Prozess – in erster Linie Support. Im Bereich E-Commerce ist sie inzwischen aber zum Kernprozess avanciert. Und auch die IT ist inzwischen so unmittelbar an der Logistik dran, dass die beiden Dinge schon gar nicht mehr zu trennen sind. Sie sind auch in der Bedeutung auf gleicher Augenhöhe, denn das eine kann ohne das andere in diesem Geschäft nicht existieren.

Konsumenten finden in den Webshops immer häufiger den Hinweis „versandkostenfrei“, der für prekäre Beschäftigungsverhältnisse der Zustellfahrer sorgt. Könnte man sagen: „Geiz ist geil in der Logistik“?
Grundsätzlich verhält sich das Thema ähnlich wie bei den Medien. Dort hat man vor Jahren einen Riesenfehler gemacht mit „Content for free“. Und damit wurde oftmals das eigene Geschäftsmodell ruiniert. Wir müssen aufpassen, dass nicht Ähnliches in der Logistik passiert mit „Delivery for free“. Es wird dem Empfänger suggeriert, dass die Zustellung kostenlos sei, und nicht nur diese, oft auch noch der Retourweg. Das halte ich als Botschaft für gefährlich, weil wir Logistiker jedes Jahr Millionen investieren und zigtausende Mitarbeiter beschäftigen.

Können Sie sich dem Trend entgegensetzen und prekäre Dienstverhältnisse verhindern?
80 Prozent der Mitarbeiter der Zustellung sind bei uns voll beschäftigt. Und in den Verteilzentren sind es sogar mehr als 90 Prozent. Wir haben zwar ebenso Teilzeitkräfte beschäftigt, aber auf Basis des Kollektivvertrags. Und wir haben einen geringen Anteil an Frächtern. Und zu diesen haben wir Beziehungen, die sich über viele Jahre entwickelt haben. Denn uns ist die Zustellqualität sehr wichtig! Ich behaupte, das geht nur mit dem eigenen Personal am besten, mit vernünftig bezahlten Leuten, die auch lange bei uns bleiben. Bei unseren Mitbewerbern geht man mit diesem Thema anders um.

Kunden verlangen heute mehr Service – auch wenn Sie nicht dafür bezahlen möchten. Wie begegnet die Post dieser Entwicklung?
Zu unserem Basisangebot gibt es ergänzende Zustellangebote wie Same-Day und Just-in-time, eigene Gastronomie- Liefer-Services. Das zweite ist das Thema Automatisierung, das eine 24/7-Auf- und Abgabe von Sendungen mit allem, was dazugehört, ermöglicht. Und das Dritte ist das Thema „Mobile“, wo der Empfänger die Chance hat, in die Logistik via Smartphone einzugreifen.

Welche Player sind aus Ihrer Sicht die innovativsten im Hinblick auf solche Services?
Sicherlich die großen E-Commerce- Versandhäuser. Ich glaube zudem, dass dezidierte Lebensmittelnetzwerke auf Dauer nicht leistbar sind. Deshalb haben wir dafür unser klassisches Paketnetzwerk zugänglich gemacht, durch Boxen mit Passivkühlung. Gegen Ende des Jahres wird es dazu eine neue Box geben, mit der wir auch Tiefkühlware zur Auslieferung bringen können. Wir sehen einen Anstieg beim E-Commerce im Lebensmittelbereich – man muss sich dazu nur die Entwicklung in Großbritannien anschauen. Dort ist man auf diesem Gebiet schon viel weiter. Alle großen Handelsketten beschäftigen sich damit. Der große Sprung wird auch bei uns demnächst kommen.

Welche Anzeichen sehen Sie dafür?
Wir hatten im Vorjahr 230.000 „Lebensmittelpakete“. Heuer sehen wir im ersten Halbjahr ein Wachstum von ungefähr 50 Prozent. Das ist in Relation zu den 81 Millionen Paketen, die wir 2016 transportierten, zwar überschaubar, aber man sieht ein ordentliches Wachstum. Es könnte außerdem schnell einen großen Schub geben, wenn einer der großen E-Commerce-Händler hier in Österreich aufspringt. Wir sind mit unserem Netz gut darauf vorbereitet.

Wer könnte hier vorpreschen?
Ich habe den Eindruck, dass sich alle Großen darauf vorbereiten. Ich tippe darauf, dass Amazon groß in den Lebensmittelsektor einsteigen wird, so wie in Deutschland, vor allem in den Ballungsräumen. Und ich hoffe, mit uns gemeinsam.

Wer sind derzeit Ihre größten Kunden?
Unimarkt ist nach wie vor einer der Großen; mit ihnen haben wir das Geschäft ja begonnen. Wir sind aber mit fast allen Händlern derzeit im Gespräch. Wir sehen auch, dass Direktvermarkter in landwirtschaftlichen Gebieten verstärkt aufspringen.

Wie sieht die Entwicklung in anderen Bereichen aus?
Die Zustellung wird sich mit der Marktdurchdringung konstant weiterentwickeln. Zehn Prozent des gesamten Handelsvolumens werden derzeit über das Netz gekauft, mit einem enormen Wachstum. Es ist absehbar, dass sich die Gewichtsgrenzen nach oben verschieben werden. Das heißt, es werden demnächst sicherlich auch noch größere und schwerere Produkte über das Web gehandelt und ausgeliefert werden.

Aktuell liegt die Beschränkung noch bei 31,5 kg. Bedeutet dies, dass die Post über ein neues Geschäftsfeld nachdenkt?
Auch großvolumige Produkte anzubieten, ob jetzt allein oder mit Partnern – das Thema beschäftigt uns. Ja. Und es gibt viele, die Pakete über der Gewichtsgrenze zustellen wollen.

Was treibt die zunehmende Automatisierung auf der letzten Meile an?
Werden wir bald von autonomen Systemen beliefert? Das ist ein von der Technik und den Kosten getriebenes Thema. Darüber nachzudenken, wie man die Automatisierung die Zustellung unterstützen oder verbessern kann, ist legitim und notwendig.

Wie zukunftsnah und real ist die Zustellung mit Drohnen nun tatsächlich?
Es gibt sehr spezielle Einsatzgebiete für Drohnen. In einer Massenzustellung sehe ich die Drohne nach wie vor nicht. Wenn ich aber über Drohnen und unsere Paketmenge nachdenke – da würde es finster werden über Wien.

 

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