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Es bleibt eng

23.11.2017

Der Zugang zu Krediten wird aus Sicht von AWS-Geschäftsführer Bernhard Sagmeister nicht gerade besser. Im Gegenteil, man müsse froh sein, wenn er nicht noch schlechter werde. Mit Förderungen will er besonders innovativen Unternehmen aus der Klemme helfen.

Der Zugang zu Krediten wird aus Sicht von aws-Geschäftsführer Bernhard Sagmeister nicht gerade besser. Im Gegenteil, man müsse froh sein, wenn er nicht noch schlechter werde. Mit Förderungen will er besonders innovativen Unternehmen aus der Klemme helfen.
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Die aws-Serviceplattform „Förderpilot“ bietet einen raschen Überblick zu den Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten in Österreich. Die Suche liefert aktuelle und passende Angebote der Austria Wirtschaft sservice GmbH (aws), der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und etwa der Agenturen/Förderstellen der Bundesländer. www.foerderpilot.at

INTERVIEW: STEPHAN STRZYZOWSKI, FOTO: RICHARD TANZER

Die Wirtschaft beginnt wieder zu brummen, und damit werden Finanzierungen stärker nachgefragt. Spiegelt sich diese Entwicklung auch bei den geförderten Krediten?
Diese positive Entwicklung schlägt sich auch bei uns sehr deutlich nieder. Wenn ich langjährige Programme des aws betrachte, also Garantien und ERP-Kredit, haben wir im Schnitt um 30 % mehr Nachfrage. Die Unternehmen finden jetzt wieder gute Chancen am Markt vor. Sie sind motiviert und investieren. Dafür müssen sie jetzt Finanzierungen mobilisieren.

Hier liegt ein wesentlicher Knackpunkt: 17 Prozent der Unternehmen geben in einer aktuellen Studie an, dass sie Innovationsvorhaben nicht umsetzen können, weil sie keine Finanzierung bekommen. Können geförderten Finanzierungen weiterhelfen, wenn es klemmt?
Ja, aber auch nicht immer. Gerade wenn es um Garantien geht, können wir maximal 80 % des kommerziellen Kredits nehmen. Wir brauchen für die restlichen 20 % einen privaten Risikonehmer, also eine Bank, die mitzieht. Wir sehen leider immer öfter Fälle, wo selbst das nicht mehr darstellbar ist.

Woran liegt das?
Viele Banken scheuen den Aufwand, manche Projekte überhaupt anzuschauen, da sie ihre Kosten senken wollen. Da können wir schon helfen. Wenn ein Unternehmen zuerst zu uns kommt, können wir eine Promesse ausstellen, mit der das Unternehmen dann eine Bank suchen kann. Das ist eine Leistung, die wir gerne ausbauen möchten.

Sind die Unternehmen gut genug über die Fördermöglichkeiten informiert?
Wir haben mittlerweile bestimmt genug Sichtbarkeit – auch durch neue Programme wie den Beschäftigungsbonus. Wir leben darüber hinaus im digitalen Zeitalter. Wenn man Wirtschaftsförderung bei Google eingibt, kommt man sehr schnell auf uns. Die Herausforderung liegt also eher darin, das richtige Angebot zu finden.

Woher kommt die größte Nachfrage?
Aus den unterschiedlichsten Bereichen. Wenn wir an Start-ups denken, ist dort alles, was mit IT zu tun hat, besonders repräsentiert, aber ansonsten querbeet.

Ist das so gewünscht?
Wir setzen natürlich immer wieder Schwerpunkte zum Beispiel im Bereich Pharma & Life Sciences bei der Frühphasenfinanzierung. Wir versuchen aber auch die Kreativwirtschaft besonders zu adressieren, sodass sie stärker mit der etablierten Wirtschaft kooperiert. Aber ansonsten sind wir thematisch sehr breit aufgestellt. Unser primäres Ziel liegt im möglichst großen Impact. Wir schauen uns jedes Projekt an und prüfen, wie sehr es zu Wachstum beiträgt und wie viele Beschäftigte dazukommen. Wir prüfen auch, wie viel Innovation entsteht. Diese Werte versuchen wir zu steigern.

Wie gut wird das Fördervolumen dieses Jahr ausgeschöpft?
Wir haben nicht überall Limits. Bei den Garantien gibt es kein Jahresbudget, sondern Planungen, die wir auf den Punkt erreichen werden. Beim ERP-Kredit werden wir ein wenig mehr Nachfrage als Angebot haben. Da werden wir manche Zusagen aus dem Dezember vielleicht ins neue Jahr tragen müssen, aber das werden die Kunden nicht spüren. Wir werden jedenfalls alle Mittel ausschöpfen.

In vielen Fällen ist das Fehlen von ausreichenden Sicherheiten verantwortlich, wenn neue Projekte nicht finanziert werden können. Denken Sie, dass sich an diesem Zustand in absehbarer Zukunft etwas ändern wird?
Wir sehen leider insgesamt, dass der Anteil derer, die sich schwertun, eher steigt. Das liegt daran, dass die Anforderungen an Sicherheiten steigen, bei der Quantität und der Qualität. Die vorhandenen Mittel sind zu schnell verbraucht. Was uns dabei beschäftigt, ist, dass es vor allem die innovativen und wachstumsorientierten Unternehmen sind, die stärker von dieser Entwicklung betroffen sind. Das ist gar nicht gut, weil sie aus unserer Sicht besonders entscheidend für den Standort sind.

Wo sehen Sie einen Ausweg?
Ich bin nicht optimistisch, dass es zu einer Deregulierung kommen wird und die Banken mehr Risikoappetit entwickeln. Man wird froh sein müssen, wenn es sich nicht verschlechtert. Aber wir können auf der Fördergeberseite schon etwas tun, und da waren wir nicht untätig. Wir haben mit 1. Jänner die Spielregeln für Garantien deutlich verbessert. Wir haben bei niedrigeren Entgelten höheren Risikoappetit. Insgesamt hoffe ich, dass wir den negativen Trend durchbrochen haben. Und dass es sich nicht noch mehr verschlechtert. Das ist aber nicht gut genug.

Wer entscheidet über die Höhe Ihrer Mittel?
Bei den Garantien sind es das Wirtschafts- und das Finanzressort. Wir setzen uns einmal im Jahr zusammen und denken über die Spielregeln nach. Wir überlegen uns zum Beispiel, wie hoch unser Risikoappetit für die Gründer ist. Die Plangrößen versuchen wir dann möglichst gut zu erreichen.

Vermutlich ist dann auch die Regierungsbildungsphase spannend für Sie. Müssen Sie befürchten, dass jetzt große Änderungen anstehen?
Ich bin grundsätzlich optimistisch, insbesondere was die Garantien anbelangt. Es wird zwar in der öffentlichen Diskussion immer alles in einen Topf geworfen und behauptet, dass es bei Förderungen einen Wildwuchs gibt, damit meint man aber eher Bund und Länder, Migrations- und Sozialförderungen. Das betrifft weniger die klassische Wirtschaftsförderung. Und hier lautet auch die Frage: Geht es um Zuschüsse oder um Garantien? Denn mit Garantien werden nur sehr wenige Budgetmittel eingesetzt bei einem hohen Hebeleffekt.

Wir hoch sind denn die Ausfälle?
Wir hatten in den letzten Jahren durchschnittliche Risikokosten von 2 bis 3 % pro Jahr. Das ist ein stabiler und vor allem ein niedriger Wert. Sogar in der Krise 2008 ging er nur auf 6 % rauf. Es handelt sich also um ein sehr budgetschonendes Instrumentarium.

Wo sehen Sie denn aktuell Hoffnungsbereiche in Österreich?
Das ist auch für uns schwer einzuschätzen. Die Digitalisierung verändert gerade vieles, Geschäftsmodelle, aber auch Technologien. Persönlich glaube ich, dass wir uns sehr stark um einen Technologieschwerpunkt bemühen müssen. Wie gut wir dann im internationalen Wettbewerb bestehen können, ist schwer einzuschätzen. Aber es ist sicher sinnvoll, in Technologien zu investieren.

Gibt es genügend spannende Ideen made in Austria?
Bestimmt. Wir sehen täglich ganz tolle Dinge, allerdings sind sie mit einem entsprechenden Risiko verbunden.

Wie gut funktioniert die Verschränkung zwischen Startups und arrivierter Wirtschaft?
Die Symbiose beider Welten ist uns ein großes Anliegen. Wir haben deswegen ein eigenes Programm dazu gestartet: das aws Industry Startup.Net. Darin bringen wir Start-ups mit Industrieunternehmen zusammen. Wir bereiten die Unterlagen der Start-ups auf und übermitteln sie an die interessierten Unternehmen. Wir sind davon überzeugt, dass beide voneinander viel lernen können. Damit es klappt, müssen sie einander aber auf Augenhöhe begegnen und bereit sein, voneinander zu lernen. Auch kulturell.

aws Förderungsberatung: +43 1 501 75-100
aws onlineservice: 24h-auskunft@aws.at
www.aws.at/foerderungen/aws-industry-startupnet/

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
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