Entertainmentcenter auf Rädern | Die Wirtschaft Direkt zum Inhalt

Entertainmentcenter auf Rädern

17.12.2015

Die Automobilindustrie befindet sich im Umbruch. Die klassischen Automobilkonzerne bekommen immer mehr Konkurrenz von IT-Firmen und Start-ups, die das Thema Mobilität neu erfinden.

Die Zeiten, in denen Autos aufgrund ihrer ausgefeilten Motoren, der tollen Fahrwerke oder des legendären Karosserie-designs gekauft wurden, sind vorbei. Heutzutage müssen Fahrzeuge ordentlich „connected“ sein, um beim Publikum anzukommen. Moderne Autos werden zunehmend als Gesamtpaket von Dienstleistungen anstatt als Ansammlung von mehr oder weniger ausgefeilten Einzelteilen verstanden. Die Informa-tions- und Kommunikationstechnologie kristallisiert sich dabei als die Triebfeder in der Fahrzeugentwicklung und schlussendlich auch bei den Kaufentscheidungen heraus.

Die Branche ist also gut beraten, sich nicht zu sehr auf alten Lorbeeren auszuruhen. Wie tiefgreifend sich die Positionierung des Themas Mobilität in den Köpfen der Käufer verändert, zeigt die Studie „Connected C@ar 2015“. Sie prognostiziert, dass die Digitalumsätze im Premiumsegment 2025 weltweit bei rund 3.300 Euro pro Haushalt und Jahr liegen werden. Relevant für die Autobauer ist das vor allem, weil darin auch die Entgelte für vernetzte Mobilität, digitale Anwendungen sowie die Internetnutzung in einem autonomen Fahrzeug enthalten sind. Ein komplett neuer Ansatz, der ein Umdenken erfordert, aber gleichzeitig enorme Chancen beinhaltet. Fakt ist: Um die Potenziale der „digitalen Mobilität“ heben zu können, werden sich Automobilunternehmen von Produkt- immer mehr zu Softwareunternehmen entwickeln müssen – und zwar rasch.

Locken doch das enorme Marktpotenzial und die zahlreichen Schnittstellen mit mobilen Endgeräten, Software- und Internetanwendungen auch immer mehr branchenfremde Digitalplayer wie Apple, Google oder Uber in das Automobilsegment. Um diese neuen Wettbewerber auf Abstand halten zu können, wird die Automobilindustrie in den kommenden Jahren ordentlich in die Digitalisierung ihrer Produkte und Dienstleistungen investieren müssen. Den Großteil des Umsatzpotenzials generieren dabei Sicherheitsanwendungen. 2016 erwirtschaften sie über alle Hersteller hinweg über 15 Milliarden Euro und damit 37,3 Prozent aller automobilen Digitalumsätze. Dieser Anteil wird bis 2021 auf 40,2 Prozent bei einem Umsatzvolumen von knapp 50 Milliarden Euro steigen.

Diese technologischen Vorstufen des autonomen Fahrens haben schon 2016 ein Marktvolumen von 9,45 Milliarden Euro. Bis 2021 wird sich dieses mehr als vervierfachen. Bereits 2025 sollen 20 Prozent der Neuwagen über die entsprechenden technischen Fähigkeiten verfügen. Die Connected-Car-Segmente werden insgesamt bis 2021 an Umsatz zulegen: Egal ob Entertainment, Anwendungen, die uns sicher von A nach B führen, oder Funktionen, die das Fahrzeug selbst – vom Sitz bis zum Licht – steuern, werden immer mehr Raum gewinnen.

Herausforderung Usability
Die daraus resultierende Informationsflut gilt es für Anbieter und Fahrer zu bewältigen. Waren früher Fahrzeuginstrumente auf eine mehr oder weniger üppige Anzahl von Skalen samt Zeigern beschränkt, so gehen immer mehr Fahrzeughersteller dazu über, die Bedienung auf Bildschirme zu verlagern. Vor allem die Mittelkonsolen werden von komplexen Infotainment-Funktionen dominiert. Mittels Dreh-Drückknopf, Sprachsteuerung, per Wischer am Touchscreen oder seit neuestem sogar per Gestik lassen sich Fahrzeug und Unterhaltung bedienen. Das Ablenkungspotenzial während der Fahrt steigt dadurch naturgemäß enorm. Es ist also unumgänglich, neben der Vernetzung auch den Umgang mit dieser Technikflut zu optimieren. Neue Bedienkonzepte sind gefragt.

Wie diese aussehen können, zeigt zum Beispiel die österreichische Audio Mobil Elektronik GmbH in Ranshofen auf. In dem Unternehmen arbeitet man unter Hochdruck an einer Lösung des Bedienproblems. Als einziges Teil im Auto, das ständig Kontakt zum Fahrer hat, entwickelte Audio Mobil ein interaktives Kommunikations-Lenkrad. Dieses ist mit ergonomischen Schaltern, einem Touchscreen und Hands-on-Erfassung ausgestattet. Es ersetzt sämtliche Anzeigen und Schalter am Dashboard und auf der Mittelkonsole.

Alles im Blick
Das Erlebnis ist natürlich zunächst eher gewöhnungsbedürftig. Nur am Lenkrad finden sich neben dem Fullsize-Airbag noch diverse Funktionstasten und ein kleiner Bildschirm. Alle relevanten Daten wie Geschwindigkeit, Reichweite und Drehzahl scheinen dort auf. Auf Wunsch lassen sich auch Infotainment-Funktionen wie Telefonie, Navigation oder Fahrzeuginfos einblenden. Und das alles funktioniert intuitiv. Man darf gespannt sein, welcher Autohersteller als Erster solch ein Teil anbieten wird. Dies würde neben der deutlich vereinfachten Bedienbarkeit auch einen entscheidenden Kostenvorteil bringen, da sich alle üblichen Funktionen der Instrumententafel auf das Lenkrad bündeln ließen.

Neben purem Infotainment werden unsere Autos generell immer kommunikativer. Schon bald werden Motordaten automatisch an die Werkstatt übermittelt, und Sensoren schlagen bereits in modernen Fahrzeugen im Falle eines Crashs Alarm und lösen die Rettungskette aus. Die Kommunikation von Fahrzeugen mit externen Geräten ist damit bereits jetzt nicht mehr aus modernen Autos wegzudenken.

Der nächste Schritt lautet Vehicle-to-Vehicle-Kommunikation. Dieser stellt einen wichtigen Step zum nächsten Megatrend dar – dem autonomen Fahren. Denn erst wenn Autos reibungslos miteinander kommunizieren, wird autonomes Fahren möglich. Eine Utopie, die nun aufgrund der voranschreitenden Digitalisierung rasch im Alltag ankommen könnte.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
Werbung

Weiterführende Themen

Aktuelles Heft
09.05.2011

Hand aufs Herz: Wer studiert die Polizze wirklich, bevor er unterschreibt? Kein Wunder also, dass es im Schadensfall immer wieder zu bösen Überraschungen kommt. Vor allem rund um die Kasko gibt es ...

Werbung