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Elektromobilität: Umweltfreundlich und praktikabel?

29.03.2018

Rund um die Elektromobilität kommen nicht nur viele technische Fragen auf. Auch Alltagstauglichkeit und ökologische Gesichtspunkte spielen für Unternehmen eine Rolle. Wir haben bei vier Experten nachgefragt.

NORBERT HOFER, BUNDESMINISTERIUM FÜR VERKEHR, INNOVATION UND TECHNOLOGIE
WELCHE ROLLE SPIELT ELEKTROMOBILITÄT IN DER VERKEHRSSTRATEGIE DER BUNDESREGIERUNG?
Wir haben die Elektromobilität bewusst im Regierungsprogramm verankert, denn umweltschonende Antriebsformen wie Elektro- oder Hybridmotoren sind nicht nur mögliche zukunftsträchtige Mobilitätsangebote, sondern bieten auch Chancen für die österreichische Wirtschaft. Dabei wird das Zusammenspiel aus Fördermaßnamen und Technologien, die am freien Markt entwickelt werden, ein besonderer Faktor sein. Die Aufgabe der Politik wird nicht nur das Fördermanagement sein, sondern auch die Festlegung bundesweit einheitlicher Standards und Nutzungsmöglichkeiten.

WENN ELEKTROMOBILITÄT FLÄCHENDECKEND ANGENOMMEN WERDEN SOLL, BRAUCHT ES INFRASTRUKTUR. WELCHE AUSBAUMASSNAHMEN SIND IM ÖFFENTLICHEN RAUM GEPLANT?
Gerade der Ausbau der Infrastruktur ist ein wichtiges Thema, daher freut es uns sehr, dass die Anzahl der E-Ladestationen in Österreich stetig wächst. Dabei sind die unterschiedlichsten Player aktiv. Die ÖBB bauen noch in diesem Jahr an 50 Pilotstandorten Ladestationen in P+R-Anlagen, auch die ASFINAG verdichtet das Netz an Schnellladestationen mit zehn neuen Standorten. Ein für die Elektromobilität ganz wichtiges Thema ist aber auch der einfache Ausbau der Ladeinfrastruktur im privaten Bereich, da ein Großteil der Ladevorgänge hier stattfindet. Wir haben uns daher im Regierungsprogramm die Anpassung wohnzivilrechtlicher Rahmenbedingungen vorgenommen, um hier besonders für Menschen in mehrgeschoßigen Wohnbauten einfachere Zugänge zur E-Mobilität zu schaffen.

MICHAEL-VIKTOR FISCHER, GESCHÄFTSFÜHRER VON SMATRICS
WIE ENTWICKELT SICH AKTUELL DER AUSBAU VON SCHNELLLADESTATIONEN IN ÖSTERREICH?
E-Autofahrer benötigen ein flächendeckendes Netz, höchste Ladegeschwindigkeit und vollen Komfort. Deshalb haben wir ein österreichweites High-Speed-Ladenetz mit über 400 Lademöglichkeiten errichtet. Insgesamt gibt es mittlerweile etwas mehr als 3000 öffentliche Ladestationen in Österreich. Die Entwicklung geht dabei generell hin zu noch höherer Ladeleistung. Mit dem Aufbau der ersten 350-kW-Ladestationen sind wir Vorreiter. Zusätzlich tragen wir zur Erweiterung der Versorgung bei, indem wir Ladenetze für Drittunternehmen errichten.

MIT STEIGENDEN REICHWEITEN WERDEN AUCH FAHRTEN ÜBER DIE LANDESGRENZEN HINAUS EIN THEMA. WIE FUNKTIONIERT DAS LADEN IN UNSEREN NACHBARLÄNDERN?
Auch in unseren Nachbarländern wächst das Ladenetz ständig. Wir bieten zwölf eigene Ladepunkte im Raum Bayern und haben Roamingabkommen mit Ladenetzanbietern anderer Länder. Über diese Partnerstruktur sind unsere Kunden heute völlig selbstverständlich mit ihrer Ladekarte in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Slowenien und der Slowakei unterwegs. Im Bereich öffentliches Laden wird sich dieser Trend zu Roamingabkommen sicher fortsetzen, um E-Autofahrern das Laden so einfach und komfortabel wie möglich zu machen.

JÜRGEN SCHNEIDER, UMWELTBUNDESAMT
KANN AUS IHRER SICHT AUSREICHEND „GRÜNER“ STROM FÜR DEN BETRIEB VON IMMER MEHR ELEKTROAUTOS PRODUZIERT WERDEN?
Unsere Szenarien zeigen: Das Ziel eines Wirtschafts- und Sozialsystems ohne fossile Energie, wie es durch den Klimavertrag von Paris vorgegeben wird, kann nur erreicht werden, wenn in allen Bereichen die effizientesten Technologien eingesetzt werden. Im Bereich des Verkehrs ist dies – neben der Vermeidung von Mobilitätszwängen, einem massiven Ausbau des öffentlichen Verkehrs und von Radfahren und zu Fuß gehen – v. a. die Elektromobilität. Der breite Einsatz macht jedoch nur Sinn, wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen kommt. Bei einem Ausbau der Stromproduktion speziell aus Photovoltaik und Windkraft kann der zusätzliche Strombedarf für die Elektromobilität gedeckt werden. Dann ist auch die Klimabilanz der Elektromobilität deutlich besser als von fossil betriebenen Kfz.

WELCHE BELASTUNG STELLEN DIE BATTERIEN VON ELEKTROAUTOS IM VERGLEICH ZU VERBRENNUNGSMOTOREN FÜR DIE UMWELT DAR?
Lokal betrachtet kommt es durch die Elektromobilität zu einer deutlichen Reduktion des Energieeinsatzes sowie der Lärm-, Schadstoff- und Treibhausgasemissionen. In den derzeitig verwendeten Batteriesystemen sind keine Giftstoffe enthalten, zudem lassen sich die Batterien praktisch vollständig recyceln. Kritisch sind die enthaltenen metallischen Rohstoffe sowie die seltenen Erden. Beim Abbau kommt es zu hohen Umweltbelastungen durch den Einsatz giftiger Stoffe bei der Förderung und Aufbereitung und dadurch – neben sozialen Problemen – lokal zu hohen Belastungen für Boden und Grundwasser. Diese Probleme sind zu lösen, in Summe überwiegen aber die Vorteile einer mit erneuerbarem Strom betriebenen E-Mobilität deutlich.

MARTIN KÖSSLER, GESCHÄFTSFÜHRER ALD AUTOMOTIVE
SIND DIE AKTUELLEN REICHWEITEN VON ELEKTROAUTOS SCHON FÜR EINEN EINSATZ IM UNTERNEHMENSALLTAG GEEIGNET?
Wir raten Unternehmen, diese Frage individuell zu beantworten. Hierbei spielen vor allem Auslastung und Streckenlängen eine Rolle. Überall, wo die Fahrtstrecken kurz und die Standzeiten lang sind, kann der Elektroantrieb schon heute seine Stärken ausspielen. E-Autos sind daher speziell im innerstädtischen Verkehr interessant und eignen sich hervorragend als Poolfahrzeuge. Aber auch für regional tätige Unternehmen, deren Einsatzgebiete nahe beieinander liegen, bieten Elektrofahrzeuge großes Potenzial.

ZAHLT SICH E-MOBILITÄT IM FUHRPARK KOSTENSEITIG IM VERGLEICH ZU KLASSISCHEN ANTRIEBEN BEREITS AUS?
E-Autos sind zwar in der Anschaffung derzeit noch teurer als Modelle mit konventionellen Antrieben, dafür sind die Wartungs- und Verbrauchskosten günstiger. Hinzu kommen steuerliche Vorteile sowie staatliche Förderungen. Aufgrund ungewisser Wiederverkaufserwartungen sind E-Autos aus heutiger Sicht besonders gut für Operating-Leasing geeignet, da hier das Restwertrisiko auf die Leasinggesellschaft übergeht. Ob sich E-Autos im Einzelfall rechnen, bewerten wir durch ein ganzheitliches Beratungskonzept.

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
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